Evakuierungen als Teil einer gemeinsamen Hilfsaktion

Evakuierungen aus ukrainischer Frontstadt Oleschky beendet

Freitag, 30. Oktober 2026 | 18:16 Uhr

Von: importer

Die von den USA vermittelte Hilfsaktion für die russisch besetzte südukrainische Frontstadt Oleschky ist weitgehend abgeschlossen. “Gerade befinden wir uns in Armjansk und teilen die Fahrzeugkolonne auf”, sagte die russische Menschenrechtsbeauftragte Jana Lantratowa am Freitag in einer Videobotschaft bei Telegram. Ein Teil werde von der von Russland annektierten ukrainischen Halbinsel Krim weiter in nicht besetzte Gebiete der Ukraine reisen. Die übrigen fahren nach Russland.

Der Bus-Konvoi habe die Region Cherson in Richtung der Krim überquert, sagten bereits zuvor Augenzeugen. Die Evakuierung war Teil einer gemeinsamen Hilfsaktion und die erste ihrer Art seit Kriegsbeginn vor mehr als vier Jahren. Zudem gelangten dutzende Tonnen an Hilfsgütern im Rahmen der sechs Tage geltenden örtlich begrenzten Waffenruhe nach Oleschky.

Keine Zwischenfälle oder Störungen

Lantratowa und ihr ukrainischer Kollege Dmytro Lubinez appellierten an First Lady Melania Trump, sich weiter für notleidende Menschen in Kriegszeiten einzusetzen. Es sei möglich, dass Aktionen wie die Rettung der Menschen aus der Frontstadt Oleschky und die Übergabe von Hilfsgütern wiederholt würden, sagten sie Journalisten. Lantratowa und Lubinez zeigten sich am Freitagabend bei der Ankunft auf der Krim auch mit geretteten Kindern.

Es habe keine Zwischenfälle oder Störungen gegeben, sagte sie. “Auch denjenigen, die sich nicht angemeldet und sich kurzfristig entschieden haben, wurde die Möglichkeit zur Abreise gewährt”, sagte sie. Die Ombudsleute Russlands und der Ukraine hätten gemeinsam den gesamten Prozess verfolgt. Es habe auch einen eigenen Transport für Haustiere gegeben.

Die größte humanitäre Hilfsaktion seit Kriegsbeginn im Februar 2022 ermöglichte es Menschen, die Stadt zu verlassen, in der längst nur noch ein Bruchteil der ursprünglichen Bevölkerung lebt. An normalen Kriegstagen verhindern ständige Drohnenangriffe und Minen Transporte in und aus der Stadt.

Mehr Menschen wählten Ausreise in Ukraine

Ein Reporter der Deutschen Presse-Agentur, der an einer vom russischen Verteidigungs- und Außenministerium organisierten Reise für Pressevertreter nach Oleschky teilgenommen hat, berichtete von einer erfolgreichen Ausreise der Menschen aus der Stadt. Deutlich mehr Einwohner wählten demnach die Ausreise in die Ukraine als nach Russland oder in die von Russland besetzten Gebiete.

Nach übereinstimmenden Angaben beider Seiten waren 25 Busse mit mehr als 750 Sitzplätzen im Einsatz. Begleitet werde die Kolonne von neun Krankenwagen für den Transport von Bettlägerigen. Haustiere konnten demnach in Käfigen mitgenommen werden. Aus Aufnahmen, die Regierungsstellen veröffentlichten, ging hervor, dass einige Einwohner trotz der Gefahren im Frontgebiet in Oleschky bleiben wollen.

“Wir sind in Oleschky angekommen und übergeben den Einwohnern einige Dutzend Tonnen an humanitärer Hilfe – Lebensmittel, Hygienemittel, Treibstoff für Notstromer und andere notwendige Dinge”, teilte Lantratowa der russischen Nachrichtenagentur Interfax zufolge mit. Lantratowa war zusammen mit ihrem ukrainischen Kollegen Lubinez in die Stadt gereist. Die Vertreter der Kriegsparteien traten gemeinsam auf – ein seltener Anblick.

Staudamm-Sprengung überschwemmte Stadtgebiet

Oleschky wurde unmittelbar nach Kriegsbeginn im Februar 2022 von russischen Truppen besetzt. Damals hatte die Stadt noch etwa 24.000 Einwohner. Seit dem Abzug der Russen aus der Gebietshauptstadt Cherson im November 2022 ist Oleschky Frontstadt. Die Sprengung des nahen Kachowka-Staudamms beim russischen Rückzug über den Fluss Dnipro führte zur Überschwemmung des Stadtgebiets.

Nun hält die Waffenruhe für Oleschky und Umgebung bereits mehr als 80 Stunden. “Ich möchte hervorheben, dass es das erste Mal seit dem Jahr 2022 ist, dass eine Waffenruhe an einem so großen Frontabschnitt hält”, sagte der ukrainische Menschenrechtsbeauftragte Lubinez bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Lantratowa in Armjansk auf der Krim. Die Hinreise nach Oleschky führte über die von Russland völkerrechtswidrig annektierte Schwarzmeer-Halbinsel.

Stabile Waffenruhe ermöglicht Hilfsaktion

In dem jahrelangen russischen Angriffskrieg gibt es trotz internationaler Bemühungen um eine Beendigung des Konflikts kaum nennenswerte Fortschritte. Die US-Regierung von Präsident Donald Trump drängt vor allem die Ukraine seit längerem zu Kompromissen für einen Friedensschluss mit dem Angreifer Russland. Trump hatte im Wahlkampf vor zwei Jahren versprochen, den Konflikt schnell zu lösen. Die größte humanitäre Hilfsaktion seit Kriegsbeginn findet nun wenige Tage vor den wichtigen Zwischenwahlen am Dienstag statt.

Tote bei der Minenräumung

Bei der Räumung von Minen im Zuge der Hilfsaktion kamen nach Angaben der russischen Menschenrechtsbeauftragten Lantratowa ein russischer Soldat und ein weiterer Mensch ums Leben. Das Verteidigungsministerium in Moskau bestätigte einen toten Minenräumer. Dieser sei bereits bei den Erkundungsarbeiten am Mittwoch durch einen per Drohne gelegten Sprengsatz ums Leben gekommen. An den Vorbereitungen seien US-Bürger beteiligt gewesen. Etwa 50 Journalisten aus der Ukraine, Russland, den USA und anderen Ländern beobachten die Hilfsaktion.

Beschwerliche Reise aus der Kampfzone

Einem Bericht des ukrainischen TV-Senders Suspilne zufolge können nun auch viele Menschen über Russland ausreisen, die bei der Überschwemmung des Stadtgebiets 2022 ihre Dokumente verloren haben. “Es gibt viele Menschen, Familien, die keine Dokumente haben, die den Verwandtschaftsgrad zu ihren Kindern bestätigen”, schilderte die Juristin Myroslawa Chartschenko in einer Sondersendung die Problemlage.

Dem ukrainischen Unterhändler David Arachamija zufolge verläuft die Route für die Reise in den von der Regierung in Kiew kontrollierten Teil der Ukraine über die Krim zum Flughafen Anapa in Südrussland. Mit dem Flugzeug sollen die Menschen dann ins belarussische Gomel gelangen und dann mit Bussen schließlich in die benachbarte Ukraine.

Neue Angriffe

Russland hat unterdessen nach eigenen Angaben militärische Einrichtungen an anderen Orten in der Ukraine angegriffen. Dabei sei auch Energieinfrastruktur in und um Kiew sowie in der Region Dnipropetrowsk getroffen worden, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau am Freitag auf Telegram mit. Zudem seien Hafenanlagen in der Region Odessa sowie Frachtschiffe beschossen worden. Letztere seien vom ukrainischen Militär genutzt worden, so das Ministerium.

Mehr als 1.000 ukrainische Drohnen über russischen Regionen seien abgeschossen worden, teilte Russland mit. Angriffe auf russische Ölraffinerien setzte die Ukraine einem Zeitungsbericht zufolge auf Druck von US-Präsident Trump aber aus. Die inoffizielle Unterbrechung habe Anfang vergangener Woche begonnen und werde voraussichtlich bis nach den US-Zwischenwahlen am 3. November und möglicherweise noch bis später im November andauern, berichtete das “Wall Street Journal” unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen. Russland widersprach dieser Darstellung. Bei einem Angriff in der Nacht auf Freitag seien Anlagen in der südlichen Wolga-Region Samara getroffen worden, erklärte Vize-Regierungschef Alexander Nowak.

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