Gemeinschaftshäuser im Fokus

Hausärzte warnen vor Überlastung: Messner widerspricht

Freitag, 11. September 2026 | 09:22 Uhr

Von: Lukas Unterkofler

Bozen – Die Südtiroler Hausärzte schlagen Alarm: Eine offene Stellungnahme mit inzwischen mehr als 100 Unterschriften warnt vor einer zunehmenden Belastung des Berufsstands und fordert einen Kurswechsel in der Gesundheitspolitik. Gesundheitslandesrat Hubert Messner weist die Kritik zurück und betont, dass Hausarztpraxen und die geplanten Gemeinschaftshäuser sich ergänzen sollen.

„Uns zu schwächen bedeutet, die Gesundheitsversorgung der Patienten zu gefährden“, heißt es in dem Schreiben der Ärzte. Astrid Marsoner, Präsidentin der Ärztekammer und selbst Hausärztin, stellt dabei klar, dass die am Dienstag unterzeichnete neue Landes-Zusatzvereinbarung für die Hausärzte nicht der Auslöser der Kritik sei. Diese sehe zwar mehr als acht Millionen Euro zur Stärkung der Versorgung vor, betreffe aber im Wesentlichen den Zeitraum 2022 bis 2024 und sei „fast ein notwendiger Akt“ gewesen.

Nun gehe es um grundsätzliche Fragen und um mehr Wertschätzung für die Hausärzte, so Marsoner.

Besonders kritisch sehen die Ärzte die geplante verpflichtende Präsenz in den Gemeinschaftshäusern. Diese bedeute eine zusätzliche Arbeitsbelastung. Die Tätigkeit werde mit 55 Euro brutto pro Stunde vergütet, könnte nach Ansicht der Ärzte aber auch auf Kollegen mit älteren Verträgen ausgeweitet werden.

Gefordert werden deshalb planbare und nachhaltige Arbeitsbedingungen, eine verlässliche Finanzierung, mehr Unterstützung für Gemeinschaftspraxen sowie digitale Instrumente, die den bürokratischen Aufwand reduzieren.

Messner: „Keine Konkurrenz zur Hausarztpraxis“

Gesundheitslandesrat Hubert Messner verweist in seiner Reaktion ausführlich auf die gerade unterzeichnete Zusatzvereinbarung. Marsoner hält dagegen: „Darüber sprechen wir nicht.“

Messner betont zugleich, dass die Gemeinschaftshäuser die Hausarztpraxen keineswegs ersetzen sollen. Die Hausärzte blieben der erste und zentrale Ansprechpartner für die Bevölkerung. Die Gemeinschaftshäuser sollten vielmehr bestehende Strukturen ergänzen und durch die Zusammenarbeit verschiedener Gesundheits- und Sozialberufe ein zusätzliches wohnortnahes Angebot schaffen.

Es gehe daher nicht um die Entscheidung zwischen Hausarztpraxis und Gemeinschaftshaus, sondern darum, bestehende Strukturen der Allgemeinmedizin zu stärken und gleichzeitig in ein koordiniertes, multiprofessionelles Versorgungsangebot einzubinden.

Hausarzt-Gemeinschaftspraxen und Gemeinschaftshäuser stünden deshalb nicht im Widerspruch, so Messner. Im Gegenteil: Das Konzept der Gemeinschaftshäuser basiere gerade auf einer gemeinsam getragenen allgemeinmedizinischen Versorgung und erweitere diese durch die Zusammenarbeit mit weiteren Gesundheits- und Sozialberufen.

Bezirk: Bozen

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