Verheerende Angriffe in der Hafenstadt Odessa

Lawrow zu Ukraine: “Verhandlungen ja, aber keine Feuerpause”

Samstag, 12. September 2026 | 16:47 Uhr

Von: importer

Moskau steht nach laut Außenminister Sergej Lawrow zu Verhandlungen mit Kiew zur Verfügung, nicht aber zu einer gleichzeitigen Feuerpause in seinem Angriffskrieg gegen die Ukraine. Der russischen Regierung mangele es nicht an gutem Willen, sagte er am Samstag der Staatsagentur TASS zufolge am Rande des BRICS-Gipfels in Indiens Hauptstadt Neu Delhi. “Wir sind nach wie vor zu Verhandlungen bereit, aber für die Dauer der Verhandlungen wird die Militäroperation nicht ausgesetzt.”

Er bekräftigte Moskaus Gesprächsangebot an den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. “Wenn er sich treffen möchte – soll er doch kommen”, erneuerte er die Einladung an Selenskyj, zu Verhandlungen nach Moskau zu kommen. “Das ist bereits eine enorme Geste des guten Willens unsererseits.” Selenskyj hat dieses Angebot, das ihm Kremlchef Wladimir Putin schon vor Monaten unterbreitet hatte, bereits kategorisch abgelehnt.

Die USA bemühen sich aktuell darum, die Verhandlungen zwischen Moskau und Kiew wieder in Gang zu bekommen. Unter anderem wird über einen Dreiergipfel von Putin und Selenskyj mit US-Präsident Donald Trump spekuliert.

Tote und Verletzte bei russischen Angriffen in der Ukraine

In der Nacht auf Samstag waren bei russischen Angriffen in der Ukraine mehrere Menschen getötet worden. Präsident Selenskyj warf Russland vor, seitdem praktisch ununterbrochen Städte und Gemeinden im Nachbarland anzugreifen. In Odessa seien 37 Menschen verletzt und ein Wohngebäude beschädigt worden, schrieb er in sozialen Medien. Zwei Personen werden noch gesucht. Zwei Tote beklagte Selenskyj in der Region Saporischschja. Sechs Menschen wurden ihm zufolge verletzt.

In seiner Geburtsstadt Krywyj Rih habe eine Rakete kritische Infrastruktur getroffen. Selenskyj schrieb von einem Todesopfer und drei Verletzten. Zuvor hatte der Gouverneur des südostukrainischen Gebiets Dnipropetrowsk, Olexander Hanscha, von zwei Toten und vier Verletzten bei einem Angriff auf einen Betrieb berichtet. In Tschornomorsk in der Region Odessa seien laut dem ukrainischen Präsidenten elf Menschen bei einem Drohnenangriff in einem Hotel verletzt worden. Weitere Verletzte habe es bei einem Angriff auf ein nicht näher genanntes Unternehmen in Saporischschja gegeben.

Selenskyj beklagte, dass die Reaktionen der Mächtigsten der Welt nicht zum Ausmaß der Eskalation Russlands passten. Eine angemessene Reaktion, die wirklich die Chance habe, das Töten zu stoppen und Menschen zu schützen, sei immer eine gemeinsame. Russland warf er vor, normale Menschen offenkundig zu Zielen zu machen.

Russland bestätigte Angriffe

Das Verteidigungsministerium in Moskau bestätigte Angriffe. Attackiert worden seien in Saporischschja und Krywyj Rih Unternehmen der Metallindustrie, die Produkte für militärische Zwecke herstellten, hieß es. In der Region Odessa seien Objekte der Hafeninfrastruktur und ein wichtiges Objekt der Verkehrsinfrastruktur für die Entladung und Lagerung militärischer Güter angegriffen worden. Die Angaben lassen sich nicht unabhängig prüfen.

Ukraine flog mit Drohnen Angriffe auf russisches Gebiet

Unterdessen griff auch die Ukraine nach russischen Angaben mehrere Regionen Russlands an. Wie Selenskyj auf Facebook mitteilte, seien zwei Chemie-Fabriken in den Regionen Perm im Vorland des Ural und Samara im Südosten Russlands mit weitreichenden Drohnen attackiert worden. Zudem sei in Taganrog an der Küste des Asowschen Meeres eine Fabrik zur Herstellung von Drohnen getroffen worden. Die Angaben konnten nicht unabhängig geprüft werden.

Zuvor hatte der Generalstab in Kiew bereits von dem Angriff im Gebiet Samara berichtet. Demnach war auf dem Gelände des Betriebs in Toljatti ein Brand festgestellt worden. Das Unternehmen sei unter anderem spezialisiert auf die Herstellung synthetischer Kautschuke, was wichtig für die Nutzung von taktischen und ballistischen Raketen sei, hieß es zur Begründung. Der russische Gebietsgouverneur Wjatscheslaw Fedorischtschew schrieb am frühen Morgen bei Telegram lediglich von einem großen ukrainischen Drohnenangriff.

Der Bürgermeister der Stadt Toljatti, Ilja Suchich, teilte mit, dass ein Mensch infolge eines massiven Angriffs auf die Stadt ins Krankenhaus gebracht worden sei. Einige mehrstöckige Wohnhäuser seien beschädigt worden. In sozialen Medien kursierten nicht überprüfbare Fotos und Videos, die eine große Rauchwolke in Toljatti zeigen sollen.

Die Ukraine verteidigt sich mit westlicher Hilfe seit mehr als viereinhalb Jahren gegen eine großangelegte russische Invasion. Als Teil ihres Abwehrkampfes nimmt sie immer wieder auch Ziele im russischen Hinterland ins Visier.

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