Aktuell 140 Prozent Überbelegung und 37 Suizide

Lokale Politik prüft die Lage im Bozner Gefängnis

Montag, 03. August 2026 | 16:09 Uhr

Von: Sophia Molitor

Bozen – Auch in diesem Jahr hat der italienische Strafverteidiger Verband, der auch die Strafrechtskammer Bozen angehört, die Initiative „Ristretti in agosto“ ins Leben gerufen, die dafür steht auch im August die Lage im Gefängnis nicht zu vergessen. Die mittlerweile dritte Ausgabe dieser Aktion sieht vor, dass eine Delegation der Strafrechtskammer am Donnerstag, 6. August, die Justizvollzugsanstalt Bozen besucht.

Ziel des Besuchs ist es, sich ein unmittelbares Bild von den Lebensbedingungen der inhaftierten Menschen sowie vom aktuellen Zustand der örtlichen Haftanstalt zu machen. Besonderes Augenmerk gilt dabei der Überbelegung, den hygienisch-sanitären Bedingungen, den Räumlichkeiten für Resozialisierungs- und Arbeitsmaßnahmen sowie den Arbeitsbedingungen des Verwaltungs-, Sozial- und Vollzugspersonals.

Die Überbelegung der Gefängnisse stellt weiterhin eine äußerst kritische Situation dar: Am 2. Juli 2026 waren in den 189 italienischen Justizvollzugsanstalten insgesamt 64.758 Gefangene untergebracht. Dem stehen lediglich 51.183 reguläre Haftplätze gegenüber, von denen tatsächlich nur 46.423 verfügbar sind. Damit liegt der Auslastungsgrad der italienischen Gefängnisse bei nahezu 140 Prozent.

Gleichzeitig setzt sich die Reihe der Todesfälle in Haft unvermindert fort: Seit Jahresbeginn wurden bereits 37 Suizide in italienischen Gefängnissen verzeichnet. Einer davon ereignete sich in Bozen.

Lokale Politik nimmt am Treffen Teil

Teil der Delegation der Strafrechtskammer werden auch der Landesrat und stellvertretende Landeshauptmann Marco Galateo sowie Landesrat Christian Bianchi sein.

Die Strafrechtskammer zeigt sich äußerst erfreut über die Teilnahme von Vertretern der lokalen Politik. Die Anwesenheit von Christian Bianchi und Marco Galateo wird als ein bedeutendes Signal institutioneller Aufmerksamkeit gegenüber dem Strafvollzug und den Grundrechten von Menschen, denen die Freiheit entzogen wurde, gesehen.

Bezirk: Bozen

Kommentare

Aktuell sind 2 Kommentare vorhanden

Kommentare anzeigen