Ein Cargo-Schiff das in Folge eines russischen Angriffs sinkt

Mehrere Tote nach gegenseitigen Angriffen im Ukraine-Krieg

Montag, 27. Juli 2026 | 15:46 Uhr

Von: APA/dpa/Reuters

Bei einem ukrainischen Angriff kamen in der südrussischen Hafenstadt Rostow am Don mindestens fünf Zivilisten ums Leben, als eine Drohne in ein Hochhaus einschlug, wie Gouverneur Juri Sljussar mitteilte. Zunächst war von zwei Toten die Rede, dann wurden drei weitere Leichen in den Trümmern entdeckt, darunter ein Kind. Bei einem russischen Angriff im ukrainischen Schwarzmeerhafen Mykolajiw starb laut Angaben der ukrainischen Seeverwaltung eine Person, mehrere wurden verletzt.

Laut der Ukraine handle es sich in Mykolajiw um Schiffe, die seit Beginn der russischen Invasion 2022 in Mykolajiw festgesteckt hätten. Das russische Verteidigungsministerium in Moskau sprach dagegen von zwei Schiffen, die für Lieferungen an die ukrainische Armee eingesetzt worden seien. Sie seien “im Moment des Entladens von Militärgütern” getroffen worden, hieß es in einer Mitteilung. Für diese Angaben gab es keine Belege.

Nicht alle ukrainischen Seehäfen sind offen

Die ukrainischen Schwarzmeerhäfen Odessa, Tschornomorsk und Piwdennyj waren in den bald viereinhalb Jahren Krieg fast immer für den internationalen Schiffsverkehr erreichbar. Erst galt ein mit Russland vereinbarter Stopp von Angriffen auf Getreideexporte, später verteidigte die Ukraine aus eigener Kraft die Schifffahrtsroute. Sie kam erst in den vergangenen Tagen wegen verstärkter russischer Angriffe wieder zum Erliegen.

Die Seehäfen Otschakiw und Mykolajiw in der Mündung des Stromes Dnipro liegen dagegen dichter an russischen Stellungen. Es gelang der Ukraine bisher nicht, diese Häfen zu öffnen. Die Ukraine hat ihrerseits seit Anfang Juli Dutzende russische Fracht- und Tankschiffe im Asowschen Meer und vor der russischen Schwarzmeerküste beschossen.

Selenskyj: “Wir tragen den Krieg nach Russland zurück”

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bestätigte den Angriff auf Ölverladung im Hafen von Rostow. Drei zivil genutzte Schiffe seien beschädigt worden. Neben den fünf Toten, wurden fünf Personen verletzt. Als weitere Angriffsziele nannte er Ölanlagen im Gebiet Jaroslawl nordöstlich von Moskau und in der russischen Teilrepublik Udmurtien, die etwa 1.300 Kilometer von der Ukraine entfernt vor dem Ural liegt. “Wir tragen den Krieg nach Russland zurück, damit letztlich ein gerechter Frieden eine Chance hat”, schrieb Selenskyj auf der Plattform X.

Das Verteidigungsministerium in Moskau teilte mit, das russische Militär habe zwei Schiffe in der südukrainischen Hafenstadt Mykolajiw beschossen. Die Schiffe hätten Militärgüter an Bord gehabt. Die Angaben beider Seiten ließen sich nicht unabhängig überprüfen.

Russland und die Ukraine haben ihre Angriffe im und um das Schwarze Meer sowie das Asowsche Meer in den vergangenen Wochen verstärkt. Die Ukraine greift zudem seit geraumer Zeit verstärkt Ziele teils tief im russischen Landesinneren an. Sie hat dabei vor allem die Ölinfrastruktur im Visier. Sie will damit eine der wichtigsten Einnahmequellen der Führung in Moskau zur Finanzierung des seit mehr als vier Jahren tobenden Angriffskriegs gegen die Ukraine eindämmen. Gleichzeitig haben die Angriffe zu Treibstoffengpässen in Teilen Russlands geführt, wodurch auch die russische Bevölkerung den Krieg unmittelbarer zu spüren bekommt.

Moskau spricht von mehr als 270 Drohnen

Das Verteidigungsministerium in Moskau teilte mit, in der Nacht seien insgesamt 276 ukrainische Kampfdrohnen über verschiedenen Landesteilen abgefangen worden. Diese Militärzahlen sind nicht unabhängig überprüfbar, sie deuten aber auf einen groß angelegten ukrainischen Angriff hin. Zahlreiche russische Flughäfen mussten den Betrieb zeitweise einschränken. Drohneneinschläge wurden auch aus der russischen Großstadt Belgorod dicht an der Grenze zur Ukraine gemeldet. Es habe zwölf Verletzte gegeben, darunter zwei Kinder.

Nach Kiewer Angaben griff die russische Armee die Ukraine über Nacht mit 147 Kampfdrohnen an, von denen 123 ausgeschaltet worden seien. Es habe Einschläge an zehn Orten im Land gegeben, teilte die Luftwaffe mit.

Selenskyj zu Besuch bei Trump am Dienstag

Die internationalen Friedensbemühungen kommen unterdessen weiterhin nicht nennenswert voran. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow sagte im Vorfeld eines für Dienstag geplanten Treffens zwischen dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj und US-Präsident Donald Trump in Washington, Moskau lägen keine konkreten Informationen hinsichtlich angeblicher neuer Vorschläge für eine friedliche Lösung vor. Entsprechende Medienberichte seien bisher nichts anderes als Spekulation.

Peskow lehnte es zugleich ab, sich zu einer Behauptung von Selenskyj zu äußern, wonach Moskau Vorbereitungen treffe, um 30.000 nordkoreanische Soldaten in der russischen Region Woronesch zu empfangen.

Kommentare

Aktuell sind 1 Kommentare vorhanden

Kommentare anzeigen