Ermittelt wird wegen einer terroristischen Straftat

Niederösterreicherin unter den Toten des Krakau-Anschlags

Sonntag, 08. November 2026 | 19:47 Uhr

Von: importer

Bei dem mutmaßlich “rechtsextrem” motivierten Anschlag in Krakau mit sechs Toten und 15 Verletzten ist eine Niederösterreicherin ums Leben gekommen. Das teilte Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP), die von einer “abscheulichen Tat” sprach, Sonntagnachmittag mit. Betroffen zeigten sich auch ÖVP-Kanzler Christian Stocker, Außenministerin Beate Meinl-Reisinger (NEOS) und Präsident Alexander Van der Bellen. Die polnische Staatsanwaltschaft leitete Terrorermittlungen ein.

“Besonders nahe geht uns diese abscheuliche Tat, weil auch einer Niederösterreicherin das Leben genommen und ihr Ehemann verletzt wurde. Meine Gedanken sind bei ihrer Familie und allen Angehörigen der Opfer. Ihnen gilt mein tief empfundenes Mitgefühl”, sagte Mikl-Leitner.

Nach mittlerweile gesicherten APA-Informationen handelt es sich bei der Getöteten um eine 51 Jahre alte Frau aus dem Bezirk Gänserndorf. Sie dürfte sich mit ihrem Ehemann zu einem Kurzurlaub in Krakau aufgehalten haben. Zum Grad der Verletzungen des Mannes lagen am frühen Sonntagabend keine bestätigten Informationen vor.

Betroffenheit und Bestürzung bei Politik

“Terror und Gewalt dürfen in unserer Gesellschaft keinen Platz haben. Gerade in diesen schweren Stunden müssen wir zusammenstehen. Denn Hass und Extremismus dürfen niemals stärker sein als unser Zusammenhalt”, betonte Mikl-Leitner. Zuvor hatte Außenministerin Meinl-Reisinger auf X “mit großer Bestürzung” über das Schicksal des österreichischen Ehepaars informiert.

“Meine Gedanken sind in diesen schweren Stunden bei ihrem Mann, ihrer Familie und allen Menschen, die ihr nahestanden. Ihnen gilt mein aufrichtiges Mitgefühl”, schrieb Meinl-Reisinger. Das Außenministerium stehe in engem Austausch mit den polnischen Behörden und setze “alles daran, die Angehörigen in dieser schwierigen Situation bestmöglich zu unterstützen”. Die Ministerin dankte den Kolleginnen und Kollegen des Generalkonsulats in Krakau und der österreichischen Botschaft in Warschau für ihren raschen und engagierten Einsatz vor Ort.

Van der Bellen “tief betroffen”

Auch Bundespräsident Van der Bellen schrieb auf X: “Mit tiefer Betroffenheit habe ich erfahren, dass in Krakau gestern auch eine Österreicherin ihr Leben verloren hat. Ihr Ehemann wurde verletzt. Unsere Gedanken sind in dieser schweren Zeit bei ihrer Familie und bei ihren Freundinnen und Freunden.”

“Tief schockiert” zeigte sich auch Bundeskanzler Stocker. Er sprach auf X von einem “brutalen Terroranschlag” und ortete “einen feigen Überfall auf unschuldige Menschen”. Er sei “zutiefst erschüttert”, hielt Stocker fest: “Mein herzliches Mitgefühl und meine Gebete gelten der Familie sowie allen Opfern und ihren Angehörigen.” An den polnischen Regierungschef Donald Tusk gerichtet, hielt Stocker fest: “Wir stehen in fester Solidarität an der Seite des polnischen Volkes. Wir werden Hass und Gewalt niemals gestatten, uns einzuschüchtern oder Spaltung in unseren freien und pluralistischen Gesellschaften zu säen.”

Ermittlungen wegen “Terrorismus”

Nach einem mutmaßlich “rechtsextrem” motivierten Schusswaffenangriff in Krakau leitete die polnische Staatsanwaltschaft am Sonntag Ermittlungen wegen “Terrorismus” ein. Außerdem gilt eine zweitägige Staatstrauer.

Der Angreifer raste nach Angaben der Ermittler am Samstagnachmittag in der bei Touristen beliebten Stadt im Süden Polens “mit einem Auto auf den Hauptmarktplatz” und schoss anschließend “wahllos auf Passanten”. Dabei wurden sechs Menschen getötet und 15 verletzt. Der 24-Jährige, der Medien zufolge Michal O. heißt, wurde bei dem darauffolgenden Polizeieinsatz lebensgefährlich verletzt. Nach Behördenangaben wurde er am Sonntag weiter im Krankenhaus behandelt.

Auf seiner Flucht hatte der Mann sein Auto an einer Kreuzung stehen lassen und dann auf die Einsatzkräfte geschossen. Dabei wurden zwei Polizisten verletzt, einer von ihnen schwer. Beide Beamten erwachten am Sonntag aus dem Koma. Hunderte Polen standen zum Blutspenden an, nachdem die Polizei zu Blutspenden für den Beamten namens Jakub Kuklik aufgerufen hatte, “der dem bewaffneten Angreifer ohne zu zögern entgegentrat”.

Tusk spricht von “grauenvollem Attentat”

Der Täter habe ein “grauenvolles Attentat verübt auf das Leben der Menschen hier in Krakau”, sagte Regierungschef Tusk. Er informierte auch darüber, dass im Haus des mutmaßlichen Schützen in Ostrowiec Swietokrzyski, etwa 150 Kilometer nordöstlich von Krakau, die Leichen von zwei Frauen im Alter von 21 und 52 Jahren und eines 53-jährigen Mannes gefunden worden seien.

Die Polizei identifizierte die Toten als die Eltern und eine Schwester des Schützen. Die Leichen wiesen demnach Schussverletzungen auf. Im Haus seien zudem sieben Waffen gefunden worden. Zusammen mit den Funden in Krakau belaufe sich die Zahl auf elf Waffen, hieß es.

Ausländer unter den Opfern

Der Marktplatz der Stadt mit seinen Renaissancebauten zieht Touristen aus aller Welt an. Auch mehrere Ausländer zählen zu den Opfern. Von den sechs Todesopfern stammen neben der Österreicherin vier aus Polen und eines aus Großbritannien, teilte die Polizei PAP zufolge mit. Das Alter der Toten lag nach Angaben der Woiwodschaft Kleinpolen zwischen 32 und 61 Jahren.

Außerdem gab es fünf ausländische Verletzte. Neben dem Ehemann der getöteten Österreicherin waren dies Personen aus Deutschland, Großbritannien, Portugal und Russland. Außerdem wurden mehrere Droschkenkutscher schwer verletzt.

Krakauer Erzbischof ruft zum Zusammenhalt auf

Der Erzbischof von Krakau rief die Menschen zum Zusammenhalt auf. “Wir wollen nicht, wir können nicht, wir sind nicht fähig, in einem solchen Augenblick gleichgültig zu sein”, teilte der römisch-katholische Geistliche Grzegorz Rys mit.

Papst Leo XIV., der derzeit Südamerika bereist, zeigte sich laut Kathpress entsetzt. In einem von Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin unterzeichneten Telegramm an Rys drückte der Heilige Vater seine “geistliche Verbundenheit” mit den Verletzten und Hinterbliebenen aus. Polen ist stark katholisch geprägt.

Marktplatz weitgehend gesperrt

In Krakau blieben der Marktplatz und die umliegenden Straßen am Sonntag weitgehend gesperrt. Trauernde stellten an mehreren Orten Kerzen auf, die Flaggen am Rathaus wehten auf Halbmast. Um der Opfer zu gedenken, wurde das traditionelle Trompetensignal der Marienkirche am Platz für zwölf Stunden ausgesetzt.

Krakau ist mit mehr als 800.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt Polens. Sie gilt als beliebtes Ziel für Touristen aus aller Welt. Wichtige Sehenswürdigkeiten sind neben dem Großen Ring das Schloss auf dem Wawelhügel und die Kathedrale. Die Universitätsstadt zählt zum UNESCO-Welterbe.

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