Papst Leo in Metz mit Frankreichs Präsident Macron (li)

Papst bei Frankreich-Reise gegen Zukunftsangst

Montag, 28. September 2026 | 14:00 Uhr

Von: importer

Am vierten und letzten Tag seiner Frankreichreise ist Papst Leo XIV. am Montag nach Metz im Osten des Landes geflogen. In seiner “Europa-Rede” in der lothringischen Stadt im Dreiländereck von Frankreich, Luxemburg und Deutschland warnte er die jungen Menschen Europas vor Zukunftsangst und beklagte “immer barbarischere” Beziehungen zwischen Menschen und Staaten.

Der Papst appellierte an Europas Jugend, sich durch Krisen und Konflikte in der heutigen Welt nicht entmutigen zu lassen. “Habt keine Angst vor der Zukunft!”, mahnte das Oberhaupt der katholischen Kirche. In einer Grundsatzrede zu Europa beklagte er aber auch selbst, dass sich der Umgangston zwischen Staaten weltweit und auch Menschen untereinander verschlechtert habe.

“Beziehungen immer barbarischer”

“Heutzutage werden die zwischenmenschlichen Beziehungen und die Beziehungen zwischen den Staaten immer barbarischer”, sagte der Papst. “Das gegebene Wort wird missachtet. Stattdessen rühmt man sich der Lüge und der Täuschung.” Leo nannte keine Politiker oder Länder bei Namen. Bekannt ist aber beispielsweise, dass den ersten Papst aus den USA mit US-Präsident Donald Trump eine schwierige Beziehung verbindet.

Im Beisein von Frankreich Staatschef Emmanuel Macron appellierte er an Europa, dieser “Abwärtsspirale” mit eigenen Anstrengungen ein Ende zu setzen. “Es hat in den letzten 80 Jahren eindrucksvoll bewiesen, dass es möglich ist, unterschiedliche Meinungen, Forderungen und Interessen geltend zu machen, indem man sich begegnet, anstatt sich zu bekämpfen.” Jetzt gehe es darum, zu den Wurzeln von Europas Werten zurückzufinden und um eine “kreative Wiederentdeckung”.

Macron hatte zu der Begegnung mit dem Papst auch die anderen europäischen Staats- und Regierungschefs eingeladen. Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) war nicht dabei, wie aus dem Bundeskanzleramt im Vorfeld verlautete.

Für Metz als letzte Station seiner Frankreich-Reise entschied sich Leo, weil dort einer der Gründerväter der Europäischen Union zu Hause war: Der französische Politiker Robert Schuman (1886-1963) legte in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg als Außenminister die Grundlagen für die heutige EU. Für den gläubigen Katholiken Schuman, der in einem Vorort der Stadt begraben liegt, läuft in der katholischen Kirche ein Seligsprechungsprozess.

Leo redet Europäern ins Gewissen

Der Papst nutzte seinen Auftritt in Metz auch, um den Europäern wegen des Umgangs mit Flüchtlingen ins Gewissen zu reden. Er warnte vor Abschottung. Für Kriegs- und Armutsflüchtlinge müssten “ernsthafte Aufnahme- und Integrationsprozesse” gefunden werden. “Einen Menschen aufzunehmen bedeutet, ihn wie ein Familienmitglied zu integrieren und ihm die Möglichkeit zu bieten, seine Talente, Fähigkeiten und seine Persönlichkeit zu entfalten.” Dazu gehöre für den Ankömmling dann aber auch, “sich in den Geist des Hauses einzufügen”.

Leo ging auch darauf ein, dass Europa vielfach vorgeworfen wird, zu unentschlossen und zu langsam zu sein. “Wir dürfen niemals das Vertrauen in unsere Fähigkeit verlieren, Fortschritte zu erzielen, auch wenn die zurückgelegten Schritte manchmal klein und fast unmerklich sind.”

“Liebt das Leben in jedem Augenblick”

Den bereits seit mehr als vier Jahre andauernden Krieg in der Ukraine nannte er ein “sinnloses Gemetzel”. Mit Blick auf Europas Reaktion auf den russischen Angriff warnte er davor, einer “Illusion der Wiederaufrüstung” nachzugeben. Stattdessen mahnte er mehr “kreative Anstrengungen” an, um den Weltfrieden zu fördern.

Zum Ende appellierte der Papst an die Jugend: “Unterwerft Euch nicht der Logik der Gewalt und der Unterdrückung. Liebt das Leben in jedem Augenblick und habt keine Angst vor der Zukunft!” Man dürfe auch keine Angst davor haben, eine Familie zu gründen und Kinder zur Welt zu bringen.

Interreligiöses Treffen und gemeinsamer Appell

Zum Auftakt des Besuchs in Metz hatte der Papst bei einem interreligiösen Treffen Vertreter verschiedener Religionsgemeinschaften getroffen. “Nichts, was die Menschenwürde entstellt, kann sich auf wahre göttliche Eingebung berufen”, sagte er dort. Sich auf den Namen Gottes zu berufen, um Gewalt oder Unterdrückung zu legitimieren, stelle eine Entweihung dieses Namens dar, betonte der Papst laut Kathpress. Er forderte von ihnen, sich für eine Kunst der Begegnung starkzumachen, die das direkte Gegenteil von Aggressivität und Gewalt sei. “Der religiöse Diskurs muss stets dazu aufrufen, die Herzen und die Worte zu entwaffnen”, so Leo XIV.

Direkt vor der Ansprache des Papstes unterzeichneten Spitzenvertreter von Christen, Muslimen, Juden und Buddhisten in Frankreich einen gemeinsamen “Appell von Metz”. “In einer Welt, die leidet und sich allzu oft spaltet, rufen uns unsere religiösen Traditionen dazu auf, Wächter zu sein, auf die Würde jedes Einzelnen zu achten, uns nicht mit Gewalt abzufinden, für Gerechtigkeit einzutreten und im Dienste des Friedens zu handeln”, wird darin betont, und: “Keine religiöse Tradition darf herangezogen werden, um Gewalt und Hass zu rechtfertigen.” Es gelte vielmehr “zum Dialog zu erziehen, um Frieden zu schaffen”.

Zum Abschluss seines Frankreichbesuchs feiert Papst Leo XIV. um 16 Uhr eine Messe in Stephansdom von Metz. Die Kathedrale Saint-Étienne wird wegen ihrer großflächigen Glasfenster auch “Gottes Laterne” genannt. Am Abend tritt der Papst den Rückflug nach Rom an. Dort wird er gegen 21 Uhr Ortszeit zurückerwartet.

Fünfte Auslandsreise

Für den seit Mai 2025 amtierenden Papst Leo ist der Frankreichbesuch die fünfte Auslandsreise seines Pontifikats. Im Spätherbst 2025 hatte der erste US-Amerikaner im Papstamt die Türkei und den Libanon besucht, im März 2026 folgte eine Tagesvisite im Fürstentum Monaco. Im April 2026 absolvierte der Papst eine zwölftägige Reise in vier afrikanische Länder (Algerien, Kamerun, Angola und Äquatorialguinea), anschließend besuchte er im Juni Spanien. Schon in etwas mehr als einem Monat geht Leo XIV. wieder auf Reisen. Eine Südamerika-Reise wird ihn von 6. bis 17. November nach Uruguay, Argentinien sowie in seine zweite Heimat Peru führen.

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