Rätselraten über Auswirkungen der Erkrankung auf Pontifikat

Im Vatikan ist man besorgt

Freitag, 16. Oktober 2026 | 14:42 Uhr

Von: importer

Papst Leo XIV. erholt sich nach einer Lungenoperation im römischen Gemelli-Krankenhaus. Blutuntersuchungen und eine Röntgenaufnahme des Brustkorbs hätten am Freitag eine anhaltende Besserung des Allgemeinzustands bestätigt, teilte der Vatikan mit. Zudem werde die Atemphysiotherapie fortgesetzt. Die postoperative Genesung ermögliche es dem Papst, seine alltäglichen Aktivitäten vollständig selbstständig auszuführen. Das traditionelle Angelus-Gebet am Sonntag soll stattfinden.

Wo und in welcher Form es abgehalten wird, ließ die Pressestelle des Vatikans zunächst offen. An der bisherigen Einschätzung zur Dauer des Krankenhausaufenthalts habe sich nichts geändert, teilte die Pressestelle auf Nachfrage mit. Die Ärzte gingen weiterhin von einem Aufenthalt von einer Woche ab der Aufnahme aus. Über eine mögliche frühere Entlassung, über die es Spekulationen gegeben hatte, lägen derzeit keine neuen Informationen vor.

Erste Fotos des Pontifex im Spital veröffentlicht

Der Vatikan hat inzwischen die ersten Fotos von Papst Leo XIV. während seines Krankenhausaufenthalts in der römischen Gemelli-Klinik veröffentlicht. Die Aufnahmen zeigen das Kirchenoberhaupt bei der Feier einer Messe. Diese leitete er am Freitag erstmals selbst, anstatt gemeinsam mit anderen Geistlichen zu zelebrieren. Die Messe fand am Freitag um 12.00 Uhr in einem dafür eingerichteten Raum im zehnten Stock des Krankenhauses statt, wie die Pressestelle des Vatikans mitteilte. An der Feier nahmen Ärzte und Pflegekräfte teil, die zu diesem Zeitpunkt keinen Dienst hatten, sowie Angehörige der vatikanischen Gendarmerie.

In seiner Predigt dankte der Papst dem gesamten Krankenhauspersonal für dessen tägliche Arbeit bei der Versorgung kranker Menschen und den Umgang mit ihrer besonderen Verletzlichkeit. Besonders würdigte er die Unterstützung, die ihm selbst während seines Aufenthalts zuteil wurde.

Rätselraten über Auswirkungen der Erkrankung auf Leos Pontifikat

Dennoch bleibt die Sorge um den Gesundheitszustand des Kirchenoberhaupts bestehen. Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin äußerte sich trotz der positiven medizinischen Meldungen vorsichtig. “Ich bin weiterhin besorgt”, sagte er vor Journalisten am Donnerstagabend.

Ob Leo XIV. am Sonntag das traditionelle Angelus-Gebet sprechen kann, hängt nach Angaben Parolins vom Verlauf der Genesung ab. Sollte sich der Zustand des Papstes bis zum Wochenende weiter verbessern, könne er das Gebet möglicherweise vom Balkon des Gemelli-Krankenhauses aus sprechen. Auch seine Vorgänger Johannes Paul II. und Franziskus hatten während Krankenhausaufenthalten von dort aus zu den Gläubigen gesprochen.

Welche Auswirkungen die Erkrankung auf den weiteren Verlauf seines Pontifikats haben könnte, lässt sich nach Einschätzung Parolins derzeit nicht beurteilen. Der Papst sei erst seit wenigen Tagen im Krankenhaus, sagte der Kardinalstaatssekretär. Zunächst müsse abgewartet werden, wann Leo XIV. entlassen werde, in welchem Zustand er in den Vatikan zurückkehre und welche Empfehlungen die Ärzte aussprächen. “Es bleibt abzuwarten, wann er zurückkehrt, in welchem Zustand er zurückkehrt und was die Ärzte sagen. Auf Grundlage all dieser Faktoren wird der Papst gegebenenfalls sein Pontifikat neu ausrichten müssen”, sagte Parolin.

Änderung der geplanten Lateinamerika-Reise ist noch offen

Auch eine mögliche Änderung der geplanten Lateinamerika-Reise ist noch offen. Ob Leo XIV. die lange und anstrengende Reise antreten könne, müsse nach seiner Entlassung und einer ärztlichen Einschätzung entschieden werden. Falls sich die Genesung wie zunächst erwartet entwickle, könne die Reise stattfinden, sagte Parolin. Derzeit seien jedoch keine verlässlichen Prognosen möglich.

Der Papst hat inzwischen auch erste Aufgaben wieder wahrgenommen. Nach Angaben des vatikanischen Presseamtes feierte er gemeinsam mit seinen Sekretären die Messe und widmete sich eingeschränkt der Arbeit. Dabei empfing er erstmals seit seiner Einlieferung ins Krankenhaus den stellvertretenden Leiter des Staatssekretariats, Erzbischof Paolo Rudelli, einen wichtigen Mitarbeiter in der Kurienverwaltung.

Im Vatikan herrsche trotz der überraschenden Nachricht vom Krankenhausaufenthalt eine vergleichsweise ruhige Stimmung, berichtete der Kardinal. Es bestehe die Hoffnung, dass das gesundheitliche Problem dank des frühen Eingreifens rasch und dauerhaft behoben werden könne. Positiv bewertete Parolin auch die Offenheit, mit der der Papst seinen Krankenhausaufenthalt öffentlich gemacht habe. Dadurch würden Spekulationen vermieden, merkte er mit Blick auf die Journalisten an.

Die kommenden Tage dürften entscheidend dafür sein, wie schnell Leo XIV. seine Aufgaben wieder vollständig übernehmen kann. Bis dahin bleibt offen, ob die Erkrankung lediglich eine vorübergehende Unterbrechung darstellt oder Anpassungen im Ablauf seines Pontifikats erforderlich macht.

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