„Sind und wollen wir noch Südtiroler sein?“

Pariser Vertrag: Nach dem Feiern kommt der Kater

Samstag, 05. September 2026 | 18:07 Uhr

Von: Redaktion Südtirol News

Bozen – 80 Jahre nach der Unterzeichnung des Pariser Vertrages wird ausgiebig gefeiert und geredet. „ Aber nach dem Feiern kommt der Kater – und damit die Realität“, so Roland Lang, Obmann des Südtiroler Heimatbundes (SHB).

Viele Altlasten sind bis heute nicht beseitigt: Faschistische Ortsnamen, das Regierungskommissariat und der Umgang mit faschistischen Bauten. Auch eine ehrliche italienische Aufarbeitung der Südtiroler Geschichte, insbesondere der Ereignisse der 1960er Jahre, fehlt. „Wie soll Versöhnung funktionieren, wenn die Geschichte nicht ehrlich aufgearbeitet wird? Geschichte lässt sich nicht wegrestaurieren“, so Lang.

Auch bei der Autonomiereform müsse genau hingesehen werden. Ansässigkeitsklausel, italienische Vertretung im Gemeindeausschuss und die Bezeichnung „Alto Adige“ geben ebenso Anlass zur Sorge wie die mangelnde Gleichstellung der deutschen Sprache bei Beipackzetteln und Lebensmittelkennzeichnungen. „Es kann doch nicht sein, dass Deutsch auf dem Papier Amtssprache ist, im Alltag aber immer wieder zur Sprache zweiter Klasse wird”, so der Heimatbund. In einem proeuropäischen Geist sollte uns aber auch Österreich endlich die Möglichkeit geben, die 1920 verlorene österreichische Staatsbürgerschaft wiederzuerlangen.

Der SHB warnt eindringlich vor den Folgen der Zuwanderung für die Südtiroler Minderheit. Was nützt der beste Schutz, wenn wir eine Minderheit im eigenen Lande werden?

Gleichzeitig üben wir aber auch Selbstkritik: „Wie oft wechseln wir selbst ins Italienische, nur damit es schneller geht? Wenn wir unsere Muttersprache aus Bequemlichkeit selbst zurücknehmen, dürfen wir uns nicht wundern.“

Mehr Zivilcourage und Bodenständigkeit seien notwendig. „Wenn alles dem schnellen Geld untergeordnet wird, verliert ein Land irgendwann seine Seele.“ Lang erinnert an Silvius Magnagos Warnung von 1971: „Das Paket stärkt unsere Position. Trotzdem könnte es eine große Gefahr darstellen – die Gefahr der moralischen Verfettung.“

108 Jahre nach der Zerreißung Tirols und 80 Jahre nach dem Pariser Vertrag stellt sich daher die entscheidende Frage: „Sind und wollen wir noch Südtiroler sein?“ Die Antwort ist einfach: „Autonomie kann uns helfen, unsere Sprache, Geschichte und Eigenart zu bewahren. Den Willen dazu kann sie uns aber nicht abnehmen“, schließt Lang.

Bezirk: Bozen

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