Von: Matthias Knapp
Moskau – Der russische Machthaber Wladimir Putin hat ein Treffen mit US-Präsident Donald Trump und dem chinesischen Staatschef Xi Jinping vorgeschlagen, um über Fragen der nuklearen Abrüstung zu verhandeln. Trump kündigte dazu an, bei einer solchen Gelegenheit auch über die Ukraine zur sprechen. Während Xi einem solchen Treffen bereits eine Absage erteilt hat, weisen auch politische Beobachter in Europa auf geopolitische Risiken eines solchen Dreiergipfels ohne Einbindung der Betroffenen hin. Militärökonom Dr. Marcus M. Keupp warnt die Unterstützer der Ukraine davor, sich von Putin hinters Licht führen zu lassen.
Im Interview mit dem ZDF erklärt Keupp, dass Trump dem Dreiertreffen angesichts der Midterms vor allem aus wahltaktischen Gründen zugestimmt habe. Verlieren die Republikaner das Repräsentantenhaus und sogar den Senat, würde dies den Handlungsspielraum von Trump zur Mitte seiner zweiten Amtszeit deutlich einschränken. Die Demokraten könnten dann etwa neue Finanzmittel im Parlament blockieren und Untersuchungsausschüsse einsetzen.
Doch Putin geht es um etwas anderes. Laut Keupp sieht sich der russische Diktator in der Tradition der sowjetischen Führer oder sogar der Zaren und hält sich selbst den USA oder China gegenüber für ebenbürtig. Doch dies entspricht nicht den ökonomischen Tatsachen. „Die Sowjetunion war eine Großmacht, das moderne Russland ist keine“, betont Keupp. Russland habe das Bruttoinlandsprodukt von Italien und liege laut nahezu jedem Indikator, was wirtschaftliche Bedeutung, Innovationskraft oder Lebensqualität angeht, weit hinter den westlichen Nationen.
Der Ukraine-Krieg hat Russlands Abhängigkeit von China verschärft und droht, das Land zu einem chinesischen Vasallenstaat zu machen. Auch militärisch ist die USA Russland weit überlegen. „Warum hat man vor so einem Gebilde überhaupt Angst?“, fragt Keupp.
Ein Dreiergipfel zwischen den USA, China und Russland wäre für Putin allerdings das ideale PR-Manöver, um sich global als Vertreter einer vermeintlichen Großmacht zu inszenieren, während die Front im Ukraine-Krieg weiterhin stagniert und Russland pro Tag rund 1.500 Soldaten verliert.
„Ich würde mich freuen, wenn man irgendwann mal von dieser völlig irrationalen Einschätzung des modernen Russlands hinwegkommt“, betont Keupp. Hier komme auch Europa ins Spiel. „Wieso ist Europa nicht in der Lage, so aufzutreten, wie es seiner wirtschaftlichen und weltpolitischen Bedeutung entspricht?“ fragt Keupp. Die Erzählung, dass Europa machtlos, schwach und gespalten, liege im Interesse der russischen Staatspropaganda.
„Auch militärisch wäre Europa viel schlagkräftiger, wenn es verstehen würde, seine Ressourcen zu bündeln“, sagt der Militärexperte. Aus europäischer Sicht sei die Ukraine Europas vorgelagerte Festung. „Für Europa ist es allemal billiger, die Ukraine zu unterstützen, als dass der Krieg nach Hause kommt“, so Keupp.
Gleichzeitig warnt Keupp davor, sich Illusionen eines möglichen Friedens hinzugeben. Auch von der lokalen Waffenruhe in Oleschky, die nur wenige Tage anhielt, solle man sich nicht ablenken lassen. „Russland führt den Krieg in unverminderter Brutalität und in genau der verbrecherischen Art und Weise gleich weiter“, erklärt der Militärökonom. Putin Einhalt zu gebieten, sei für Europa nur möglich, indem man Stärke demonstriert.




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