Von: importer
US-Präsident Donald Trump hat laut seinem Außenminister Marco Rubio noch nicht entschieden, ob er den Militäreinsatz gegen den Iran wieder aufnehmen wird. Er wisse nicht, ob es einen konkreten Zeitrahmen für die von Katar geführten Gespräche zur Beilegung der Feindseligkeiten zwischen den USA und dem Iran gebe, sagte Rubio. Der oberste Führer des Iran, Mojtaba Khamenei, hatte zuvor die Streitkräfte des Landes angewiesen, auf jede Bedrohung sofort und wirksam zu reagieren.
Es werde keine “geografischen Einschränkungen” geben. Ziel sei eine maximale Abschreckung, berichteten iranische Medien übereinstimmend am Samstag nach einem kolportierten Treffen Khameneis mit Militärkommandanten. Eine weitere Anweisung Khameneis an die iranischen Streitkräfte lautet demnach, die Zieldatenbank zu aktualisieren. Es sollten alle Arten von materiellen und immateriellen Vermögenswerte der USA und Israels in Reichweite der Streitkräfte erfasst werden.
Khamenei verfügt als oberster Führer über die weitreichendsten verfassungsrechtlichen Machtbefugnisse. Er ist Oberbefehlshaber der Streitkräfte, bestimmt die grundlegende Politik und kontrolliert zentrale staatliche Institutionen. Der Präsident und die Regierung sind ihm in wesentlichen strategischen Fragen untergeordnet. Mojtaba Khamenei ist der Nachfolger seines Vaters Ayatollah Ali Khamenei, der seit 1989 an der Spitze der Islamischen Republik gestanden hatte und am ersten Tag des US-israelischen Krieges gegen den Iran am 28. Februar getötet worden war. Mojtaba Khamenei ist seitdem noch nicht öffentlich aufgetreten. Es wurden bisher auch keine Audio- und Videoaufnahmen von ihm veröffentlicht.
Iranische Medien berichten von angeblichem US-Angriff auf Fischerboote
Zuvor hatte sich US-Präsident Trump Medienberichten zufolge bei einem seltenen persönlichen Treffen mit dem Chef des militärischen Regionalkommandos für den Nahen Osten (CENTCOM), Admiral Brad Cooper, unter anderem militärische Optionen im Iran darlegen lassen. Das “Wall Street Journal” werde das als mögliches Zeichen dafür, dass ein bedeutender Einsatz der US-Streitkräfte bevorstehen könnte.
Nach iranischen Angaben haben die USA zwei Fischerboote nahe der Insel Qeshm angegriffen. Dabei sei ein Fischer verletzt worden, berichtete der staatliche iranische Rundfunksender IRIB unter Berufung auf einen Vertreter der Provinz Hormozgan am Samstag. Eine Bestätigung der USA lag zunächst nicht vor.
Araqchi: Derzeit kein Treffen mit US-Vertretern
Der iranische Außenminister Araqchi sagte unterdessen dem arabischen Sender Al Jazeera, unter den gegenwärtigen Umständen gebe es keine Notwendigkeit für ein Treffen mit US-Vertretern. Die Bedingungen des Irans seien klar und die Beratungen mit Vermittlern dauerten an.
Araqchi bestätigte, dass die Führung in Teheran ein Schreiben von US-Vizepräsident JD Vance geprüft hat. Er bezeichnete den Versuch, die Tür für einen Dialog und ein umfassenderes Verständnis zu öffnen, als positiven Schritt. Sollte es aber das Ziel Washingtons sein, Zwietracht zu säen, wäre dies ein weiterer Fehler.
Nach Informationen des “Wall Street Journal” sondiert Vance mit dem Schreiben an Mohsen Resai, den Generalsekretär des iranischen Sicherheitsrats, Möglichkeiten für Verhandlungen.
Laut der Zeitung will die US-Regierung prüfen, ob sich geplante Militärschläge gegen den Iran diplomatisch abwenden lassen. Das US-Portal “Axios” berichtete unter Berufung auf einen Regierungsbeamten, dass Vance die Einbeziehung des iranischen Atomprogramms zur Bedingung für Verhandlungen macht.
Araqchi greift “Drecksarbeit”-Äußerung von Merz auf
Araqchi drohte auf der Plattform X im Fall, dass die Kampfhandlungen im Krieg gegen die Erzfeinde Israel und USA sowie ihre Verbündeten in der Golf-Region wieder aufgenommen werden, mit massiven Militärschlägen und Schäden weit über 100 Milliarden Dollar (89,5 Mrd. Euro). Araqchi reagierte damit auf Äußerungen des deutschen Bundeskanzlers Friedrich Merz.
Nach den Worten von Merz hat Deutschland ein starkes wirtschaftliches Interesse daran, dass der Iran-Konflikt so schnell wie möglich beendet werde. Die Verteuerung der Energiepreise habe alleine Europa über 100 Milliarden Euro gekostet. Araqchi erklärte auf X: “100 Milliarden Euro sind nichts im Vergleich zu dem vernichtenden Schlag, den die mächtigen Streitkräfte des Iran gegen diejenigen austeilen werden, die es wagen, unserem Volk Schaden zuzufügen.” Rote Linien gehörten der Vergangenheit an.
Der iranische Außenminister warf Merz zudem vor, dass er im vergangenen Jahr die Luftangriffe der USA und Israels auf den Iran mit der Bemerkung “Europas Drecksarbeit erledigen” begrüßt habe. Merz hatte am 17. Juni 2025 in einem Interview mit dem ZDF während des G7-Gipfels in Kananaskis in Kanada gesagt: “Das ist die Drecksarbeit, die Israel macht – für uns alle. Wir sind von diesem Regime auch betroffen.” Weiter sagte Merz: “Ich kann nur sagen: Größten Respekt davor, dass die israelische Armee den Mut dazu gehabt hat, die israelische Staatsführung den Mut dazu gehabt hat, das zu machen. Wir hätten sonst möglicherweise Monate und Jahre weiter diesen Terror dieses Regimes gesehen – und dann möglicherweise noch mit einer Atomwaffe.”
Die “Drecksarbeit”-Äußerung von Merz stieß auf viel Kritik. Der Kanzler sagte später: “Ich habe das so bezeichnet, muss man nicht wiederholen. Das kann man so oder so zum Ausdruck bringen.”
Bangen und Hoffen
Auch der ägyptische Außenminister Badr Abdelatty warnte vor massiven Folgen einer neuen Eskalation im Krieg zwischen den USA und dem Iran. Eine Fortsetzung der Kämpfe werde noch zerstörerischer verlaufen und weitreichende Konsequenzen haben, erklärte er am Samstag auf einer Sicherheitskonferenz in Bahrain. “Wir müssen Lehren aus der Vergangenheit ziehen”, sagte Abdelatty beim “IISS Manama Dialog”.
Vermittler Pakistan äußerte sich hingegen verhalten optimistisch über die Erfolgsaussichten der jüngsten Bemühungen um eine diplomatische Lösung. Wenn es keine positiven Signale gäbe, wäre der pakistanische Chefunterhändler Asim Munir nicht zweimal im Oktober nach Teheran gereist, sagte ein Militärsprecher. Die Gespräche mit der iranischen Führung seien ein gutes Zeichen. Man sei stets “vorsichtig optimistisch”. Es gebe jedoch weiterhin “einflussreiche Störkräfte und Gegner”, die meinten, dass ihnen der Konflikt nütze. Wen er damit meinte, sagte der Sprecher nicht. Armeechef Munir war zuletzt am Montag in Begleitung von Vertretern aus Saudi-Arabien und der Türkei in Teheran. Auch Katar bemüht sich um eine Deeskalation und hatte vorigen Sonntag einen neuen Vorschlag zur Beilegung des Konflikts vorgelegt.




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