Historische Entwässerungskanäle unter der Lupe

Videoinspektionen in Sinich

Donnerstag, 04. Juni 2026 | 16:40 Uhr

Von: mk

Meran – In Sinich in Meran werden die Überprüfungs- und Analysearbeiten am historischen Entwässerungsnetz im Gebiet Freiberg–Corridoni fortgesetzt. Dies geschieht im Rahmen der Erstellung eines technischen und wirtschaftlichen Machbarkeitsprojekts, das vom Bauamt der Gemeinde Meran gefördert und von Ingenieur Corrado Lucarelli vom Ingenieurbüro Patscheider & Partner koordiniert wird.

Kürzlich führten die Techniker des Fachunternehmens Kanaltech im Auftrag des Bauamtes der Gemeinde Meran und in Anwesenheit des Gemeinderats Tommaso Cortellessa eine Reihe von Videoinspektionen in den Leitungen und den alten unterirdischen Kanälen durch. Ziel der Untersuchungen ist es, den Erhaltungszustand des Entwässerungs- und Abwassernetzes zu bewerten, dessen heute nicht mehr sichtbare ursprüngliche Struktur zu rekonstruieren, seine Entwicklung im Laufe der Zeit zu analysieren und die wichtigsten baulichen Schwachstellen entlang der gesamten Trasse zu identifizieren.

Die Arbeiten sind Teil einer umfassenderen Studie, die sich auf die beiden wichtigsten historischen Kanäle des Gebiets bezieht – ein Entwässerungssystem, das im Laufe der Jahrzehnte infolge der städtebaulichen Entwicklung tiefgreifend verändert wurde und heute im Gelände nur noch teilweise erkennbar ist.

Eine erste Phase der Untersuchungen betraf den Abfluss des Entwässerungssystems in der 24.-Mai-Straße. Bei einer früheren Videoinspektion, die am 25. Februar 2026 durchgeführt wurde, war kurz vor der Mündung in den unterirdischen Eiförmigen Kanal des Freiberberbachs eine hydraulische Unterbrechung festgestellt worden: ein etwa 1,3 Meter langer Bruch in der Rohrleitung auf Höhe des alten Kanals, mit möglichen Wechselwirkungen mit dem Grundwasser. Um die hydraulische Kontinuität wiederherzustellen und einen ordnungsgemäßen Wasserabfluss zu gewährleisten, werden die Stadtwerke Meran im Juni eine entsprechende Verbindung herstellen.

Die jüngsten Arbeiten konzentrierten sich hingegen auf den inzwischen stillgelegten Abschnitt des alten “Allacciante Montefranco”, beginnend an der Kreuzung zwischen der Battisti- und der Tellinistraße. Die Trasse durchquert das ehemalige Lazzari-Areal, verläuft entlang des Pappalardo-Parks – einem zentralen Element des historischen, von der ONC (Opera Nazionale Combattenti) realisierten Entwässerungssystems –, setzt sich entlang der Reichstraße fort und mündet schließlich in den Corridoni-Kanal. Ursprünglich bestand das System aus einem Netz von Kanälen, die das Wasser von den Hängen oberhalb der heutigen Tellinistraße und vom Katzensteinbach in einen offenen Kanal bis zum Sinicherbach leiteten. Mit der städtebaulichen Expansion des Gebiets, insbesondere im Dreieck zwischen der Tellinistraße, der Reichstraße und dem Sinicherbach, wurde der Kanal nach und nach verdeckt.

Die Videoinspektionen ermöglichten es, den Verlauf der Leitungen zu bestätigen und ihren Erhaltungszustand zu analysieren, wobei zahlreiche kritische Punkte im Zusammenhang mit der Beschaffenheit des Netzes aufgezeigt wurden. Die Untersuchungen ermöglichten es zudem, die Entwicklung des Systems im Laufe der Zeit nachzuvollziehen und dabei verschiedene Bautechniken sowie spätere Änderungen hervorzuheben.

Zu den wichtigsten festgestellten Mängeln zählen Höhenunterschiede zwischen den Leitungen, Verengungen, unterirdische oder nicht mehr zugängliche Schächte, teilweise durch Sedimente verstopfte Abschnitte und in einigen Fällen regelrechte, unüberwindbare strukturelle Sprünge, die auf in verschiedenen Phasen durchgeführte und nicht immer koordinierte Maßnahmen zurückzuführen sind. In einigen Abschnitten des alten Kastentunnels wurden Stein- und Holzabfälle sowie Bauschutt gefunden, während neuere Abschnitte mit Rundrohren ausgeführt wurden. Die Überprüfungen betrafen auch die Dichtigkeit der Bauwerke, um mögliche Auswirkungen auf das Verhalten des Grundwassers zu erfassen.

Es zeigte sich zudem, dass das Gebiet auch heute noch Regenwasser aus den umliegenden Wohnhäusern über ein weitgehend gemischtes System ableitet. Die nächsten Arbeitsschritte sehen die Räumung und Reinigung der Kanalisation, die Sanierung einiger Schächte und die Einrichtung neuer Inspektionsstellen vor.

Ebenfalls am gestrigen Nachmittag führten der Vizebürgermeister Nerio Zaccaria und der Gemeinderat Tommaso Cortellessa eine Ortsbesichtigung durch, um sich direkt ein Bild vom Stand der Arbeiten und den Ergebnissen der Videoinspektionen zu machen und erste Einschätzungen zu den notwendigen Maßnahmen vorzunehmen. An der Begehung nahm auch Astrid Tribus teil, Leiterin der Technischen Dienste der Stadtwerke. Sie sicherte die volle Bereitschaft des Unternehmens zu, die aufgetretenen Probleme anzugehen und die am besten geeigneten technischen Lösungen zu finden.

„Die laufenden Überprüfungen“, so Zaccaria, „sind ein grundlegender Schritt, um die kritischen Punkte eines komplexen, im Laufe der Zeit gewachsenen und durch die Urbanisierung tiefgreifend veränderten Wasserversorgungssystems vollständig zu verstehen. Das Ziel der Stadtverwaltung ist es, verantwortungsbewusst und planmäßig zu handeln, das Gebiet zu sichern und eine effizientere Wasserwirtschaft zu gewährleisten, auch im Hinblick auf den Klimawandel.“

„Die Videoinspektionen stellen einen grundlegenden Mehrwert für die Planung dar“, betont Ratsmitglied Cortellessa, „da sie es ermöglichen, die aktuelle Situation des Netzes präzise zu erfassen und auch die aus der Vergangenheit übernommenen Schwachstellen aufzuzeigen. Es handelt sich um eine unverzichtbare Arbeit, um ein System organisch wiederaufzubauen, das lange Zeit ohne Gesamtüberblick geblieben ist.“

In der Roadmap der Arbeitsgruppe ist die Vergabe der Bauabschnitte bis Juli vorgesehen, während die technischen Untersuchungen für die Planung der künftigen Pumpstation fortgesetzt werden. „Um Probleme anzugehen, die sich über lange Zeit hinweg angesammelt haben“, schließt Cortellessa, „ist ein schrittweiser Ansatz erforderlich, doch im Zuge der Untersuchungen treten weitere technische Aspekte zutage, die immer präzisere Lösungen und eine ständig aktualisierte Gesamtübersicht erfordern.“

Bezirk: Burggrafenamt

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