Südtirol schreibt auf der World Tennis Tour M25 Geschichte

Weis brüllt sich ins Halbfinale

Freitag, 31. Juli 2026 | 10:30 Uhr

Von: Sophia Molitor

Bozen – Der Traum vom ersten Südtiroler Heimsieg bei der Sparkasse Alperia Trophy lebt weiter: Der Bozner setzt sich nach fast drei Stunden gegen Vladyslav Orlov durch. Auch Manuel Plunger hat im Doppel weiterhin die Chance, Geschichte zu schreiben.

Es ist genau 22 Uhr. Im Bozner Talkessel zeigt das Thermometer immer noch 31 Grad. Dann verwandelt Alexander Weis seinen Matchball. Und schreit seine ganze Freude heraus. Auf der Tribüne jubeln seine Familie und seine Freundin. Hinter dem Platz sitzen seine Trainer Valerio Gasbarri, Marco Bortolotti und Davide Ferrazin. Auch seine Teamkollegen sind da. Alle stehen hinter ihm.

Weis hat es geschafft: Nach fast drei Stunden bezwingt der 29-jährige Bozner den Ukrainer Vladyslav Orlov mit 6:2, 4:6, 6:3 und zieht ins Halbfinale der mit 30.000 Dollar dotierten Sparkasse Alperia Trophy ein. Es ist ein Sieg, der für Weis und für das Turnier sehr viel bedeutet.

Plopp

Nach seiner Verletzung findet der Lokalmatador langsam zu alter Stärke zurück. Der Traum vom Heimsieg lebt. Noch zwei Erfolge fehlen zur Geschichte. In den ersten 13 Auflagen konnte noch kein Südtiroler den Titel in Bozen gewinnen. Weder im Einzel noch im Doppel.

Ein Auftakt nach Maß

Weis startet großartig. Der erste Satz dauert nur 41 Minuten. Der Bozner spielt druckvoll. Er bewegt sich stark. In der Defensive bringt er fast jeden Ball zurück. Orlov versucht alles. Doch Weis hat stets die passende Antwort. Mit dem Aufschlag des Ukrainers hat er kaum Probleme. Auch die Rückhand funktioniert wie am Schnürchen. Nach nur 41 Minuten geht der Satz mit 6:2 an den Bozner.

Dabei ist Orlov alles andere als Laufkundschaft. Der 31-Jährige ist in Bozen an Nummer 2 gesetzt. Er steht auf Position 426 der Weltrangliste. Sein bestes Ranking war Platz 350. Insgesamt gewann er bereits elf Titel auf der ITF-Tour. In dieser Saison triumphierte er beim M25-Turnier in Kramsach.

Plopp

Im zweiten Satz zeigt der Ukrainer seine Klasse. Er läuft weiter. Er verteidigt. Er macht kaum Fehler. Weis drückt mit der Vorhand. Doch Orlov hält dagegen. Mit 6:4 erzwingt er den Entscheidungssatz.

Zwei Punkte machen den Unterschied

Das Niveau bleibt hoch. Beide kämpfen um jeden Zentimeter. Weis versucht immer wieder, die Ballwechsel mit Netzangriffen zu verkürzen. Doch die Volleys sitzen nicht immer. Beim Stand von 2:2 übersteht der Bozner ein langes und umkämpftes Aufschlagspiel. Er geht mit 3:2 in Führung. Orlov zeigt nun erstmals kleine Schwächen. Einige leichte Fehler schleichen sich ein. Weis bleibt ruhig. Er wartet auf seine Chance. Dann gelingt ihm das entscheidende Break zum 5:3. Wenig später serviert er das Match aus.

6:3. Halbfinale. Jubelschrei.

„Es war ein unglaubliches Spiel. Unglaublich eng über drei Sätze“, sagt Weis. „Er ist ein großer Kämpfer. Im dritten Satz war ich müde. Aber ich habe noch einmal alles gegeben.“

Am Ende entscheiden Kleinigkeiten. „Es geht um ein oder zwei Punkte. Wenn man dann nach draußen schaut und alle einen anfeuern, hilft das enorm. Das Publikum hat mich zum Sieg getrieben.“

Auch körperlich geht es aufwärts. „Ich fühle mich von Tag zu Tag besser. Natürlich kosten diese Spiele viel Kraft. Aber langsam komme ich wieder zurück“, sagt Weis.

Jetzt wartet Sorger

Im Halbfinale trifft der Bozner am Freitag auf Sebastian Sorger. Der 23-jährige Steirer ist an Position 5 gesetzt und die Nummer 481 der Welt. Im Viertelfinale setzte er sich gegen den Norweger Viktor Durasovic mit 6:2, 6:4 durch.

„Auch er ist ein sehr guter Spieler. Das wird wieder eine extrem schwierige Partie“, weiß Weis. „Er hat ein starkes Niveau. Hoffentlich kann ich diesen Weg fortsetzen.“

Klaus Rottensteiner kennt Sorger bestens. Der Trainer von Manuel Plunger arbeitete früher mit dem Österreicher zusammen.

„Er spielt sehr aggressiv“, erklärt Rottensteiner. „Deshalb liegen ihm Hartplätze eigentlich noch mehr. Wenn er eine Chance bekommt, zieht er voll durch.“

Der zweite Halbfinalist aus Österreich heißt Sandro Kopp. Die Nummer 1 des Turniers ließ Federico Arnaboldi beim 6:1, 6:3 keine Chance. Nun trifft Kopp auf Adrian Andreev. Der Bulgare beendete den Erfolgslauf von Wildcard-Spieler Gabriele Crivellaro deutlich mit 6:3, 6:0.

Plunger greift nach dem Titel

Auch im Doppel lebt der Südtiroler Traum weiter. Manuel Plunger und Stefano D’Agostino stehen im Finale. Die Südtiroler-Trentiner Paarung bezwang Luca Parenti und den Meraner Nicola Rispoli mit 6:4, 7:5. Gespielt wurde bei fast 40 Grad. Es war eine Partie auf Messers Schneide.

Plunger und D’Agostino waren in den entscheidenden Momenten zur Stelle. Sie kennen sich bestens. Die beiden haben bereits häufig zusammengespielt. Zuletzt allerdings vor rund einem Jahr. Beide sammelten zwischenzeitlich Erfahrungen im College-Tennis in den USA.

Nun greifen sie gemeinsam nach dem Titel in Bozen: „Wir haben beide sehr gut aufgeschlagen und im gesamten Match kein Break kassiert“, sagt Plunger. „Im zweiten Satz mussten wir drei Satzbälle abwehren. Unsere Gegner hatten einen Lauf. Wir sind aber drangeblieben.“

Für den 24-jährigen Partschinser ist der Finaleinzug etwas Besonderes. „Es fühlt sich sehr gut an, hier daheim im Finale zu stehen.“

Dort warten Alessio De Bernardis und Denis Constantin Spiridon. Die Italiener setzten sich im Halbfinale gegen die an Nummer 3 gesetzten Leonardo Taddia und Ludovico Vaccari mit 7:6, 6:4 durch.

Das Doppelfinale beginnt am Freitag um 10.30 Uhr. Weis wird voraussichtlich gegen 14 Uhr um den Einzug ins Einzelfinale kämpfen.

Zwei Südtiroler. Zwei große Chancen. Und ein Traum, der in Bozen weiterlebt.

Die Ergebnisse vom Donnerstag:

Einzel, Viertelfinale

  • Sandro Kopp (AUT/1/ATP 289) – Federico Arnaboldi (ITA/6/ATP 526) 6:1, 6:3
  • Gabriele Crivellaro (ITA/WC/ATP 1252) – Adrian Andreev (BUL/ATP 1146) 3:6, 0:6
  • Sebastian Sorger (AUT/5/ATP 481) – Viktor Durasovic (NOR/4/ATP 475) 6:2, 6:4
  • Vladyslav Orlov (UKR/2/ATP 426) – Alexander Weis (ITA/7/ATP 587) 2:6, 6:4, 3:6

Doppel, Halbfinale

  • Alessio De Bernardis/Denis Constantin Spiridon – Leonardo Taddia/Ludovico Vaccari (3) 7:6, 6:4
  • Luca Parenti/Nicola Rispoli – Stefano D’Agostino/Manuel Plunger 4:6, 5:7

Die Spiele vom Freitag:

Einzel, Halbfinale

  • Sandro Kopp – Adrian Andreev, um 12 Uhr
  • Sebastian Sorger – Alexander Weis, gegen 14 Uhr

Doppel, Finale

  • Alessio De Bernardis/Denis Constantin Spiridon – Stefano D’Agostino/Manuel Plunger, um 10.30 Uhr

Bezirk: Bozen

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