Museum Ladin feiert Sprache, Kultur und Identität

25 Jahre gelebte ladinische Kultur

Mittwoch, 09. September 2026 | 09:59 Uhr

Von: Sophia Molitor

Bozen – 25 Jahre lang hat das Museum Ladin nicht nur Geschichte bewahrt, sondern die Sprache, Kultur und Identität einer kleinen Gemeinschaft aktiv vermittelt und gelebt. Zum Jubiläum am 5. September wurde dieser Anspruch mit einem vielfältigen Programm gefeiert, das den Blick zugleich nach vorne richtete: Aktuelle gesellschaftliche, kulturelle und ökologische Fragen standen ebenso im Mittelpunkt wie die Vergangenheit der ladinischen Bevölkerung. Heute versteht sich das Museum als Ort der Begegnung und des Austauschs, an dem Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft miteinander in Dialog treten.

„Ein Museum bewahrt. Aber ein Museum, das nur bewahrt, bleibt irgendwann stehen. Ein lebendiges Museum bewahrt, indem es immer wieder neue Fragen stellt: an die Vergangenheit, aber vor allem auch an die Gegenwart und an die Zukunft“, betonte Stefania Pitscheider Soraperra, Präsidentin des wissenschaftlichen Beirats des Museum Ladin, in ihrer Begrüßungsrede vor dem voll besetzten Foyer des Ciastel de Tor in St. Martin. In diesem Sinne würdigte sie auch die Arbeit von Direktorin Katharina Moling und ihrem Team: „Dass sich dieses Museum laufend weiterentwickelt, ist kein Zufall. Dahinter stehen Ideen, Beharrlichkeit, Mut und sehr viel Arbeit.“

Im Anschluss folgte die Präsentation von Trame di Valle, einer Forschungsarbeit und Netzwerkanalyse zu Tourismus und Wohnpraktiken im Gadertal der Anthropologin Valentina Campesi, mit einer Einführung von Daniela Salvucci. Das Forschungsprojekt beschäftigt sich mit den sozioökonomischen und kulturellen Veränderungen im Gadertal der vergangenen 50 Jahre und ging der Frage nach: Wer sind heute die Akteurinnen und Akteure dieser Veränderungen? Mit welchen Mitteln gestalten sie diese Entwicklungen und wie verteilt sich die Macht zwischen ihnen? Die Ergebnisse des Forschungsprojekt können in der gleichnamigen Publikation nachgelesen werden, die ebenso zu diesem Anlass vorgestellt wurde.

Ein Blick in die Vergangenheit

Das musikalische und visuelle Rahmenprogramm wurde mit einem DJ-Set von Silt (Duo Elena & Alma), Louis and the Space Travellers sowie einem weiteren DJ-Set mit Videoprojektionen auf das Schloss von Marco_o fortgeführt: mit einem neugierigen Blick auf das kreative Schaffen junger AkteurInnen aus dem Gadertal, die mit alten, neuen Medien und elektronischen Klängen experimentieren.

Zwei symbolische Reisen ins Gestern rundeten das Programm zum 25-jährigen Jubiläum des Museum Ladin ab: Die erste war die geführte Wanderung durch das Mühlental in Campill am Samstagnachmittag. Zu diesem Anlass brachten der Historiker Giovanni Mischí und der Paläontologe Herwig Prinoth einer interessierten Gruppe einiges über die Geologie und die bäuerlich geprägte Landschaft näher. Es ging um die Selbstversorgung von damals, zudem konnten TeilnehmerInnen anhand konkreter Beispiele erleben, wie die Kraft des Wassers genutzt wurde, um Wassermaschinen anzutreiben. Noch weiter zurück in die Vergangenheit führte die geführte Exkursion zur Conturineshöhle am Sonntag, 6. September. Im hochalpinen Umfeld erläuterten der Paläontologe Herwig Prinoth und der Biologe Filippo Zibordi die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen dem ausgestorbenen Höhlenbären und dem heute in den Alpen vorkommenden Braunbären. Der Vergleich zwischen Vergangenheit und Gegenwart bot zugleich Anlass, über die Auswirkungen klimatischer und gesellschaftlicher Veränderungen auf Ökosysteme und Tierwelt nachzudenken.

Bezirk: Bozen

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