Hinschauen ist das Motto in der neuen Albertina-Modern-Schau "Kaws"

Kaws in der Albertina: Grellbunte Schwarz-Weiß-Kontraste

Donnerstag, 02. April 2026 | 11:25 Uhr

Von: apa

Ein härterer Kontrast zur Vorgängerausstellung, der Blockbusterretrospektive zum Œuvre von Marina Abramovic, scheint kaum denkbar, als jener, den die Albertina Modern mit ihrer neuen Schau “Kaws. Art & Comix” vollführt. Von der bisweilen unerbittlichen, oftmals in Schwarz-Weiß gehaltenen Welt des Aktionismus des 20. Jahrhunderts geht es in den knallbunten Kosmos der Comic-Kunst.

Mit 192 Werken lockt die Schau Interessierte, wobei der Schwerpunkt auf den Arbeiten des in Europa noch weniger präsenten US-Zeichners Kaws, bürgerlich Brian Donnelly, liegt. Der 51-Jährige wird mit seinen Großfiguren in einen Dialog mit Klassikern des Genres wie Gottfried Helnwein, Jean-Michel Basquiat oder Cosima von Bonin gesetzt. Und man darf sich von der bunten Verpackung nicht täuschen lassen: Vermeintliche Knuffigkeit trifft hier auf Kritik, scheinbare Vertrautheit auf unbestimmte Abgründe.

Gleis: “Habe mich gefreut wie ein Kind”

Lange hat es gedauert, bis “Kaws” realisiert werden konnte, musste das Projekt doch dank der überraschend hinzugewonnenen Abramovic-Schau aus dem Vorjahr nach 2026 verschoben werden. Aber Vorfreude ist bekanntlich die schönste Freude, und so konnte Albertina-Generaldirektor Ralph Gleis bei der Präsentation am Donnerstag konstatieren: “Ich habe mich auf die Ausstellung wie ein kleines Kind gefreut, seit wir sie ins Programm genommen haben.”

Schon vor dem Haus grüßt und lockt nun eine gigantische Holzskulptur potenzielle Besucherinnen und Besucher, und auch im Inneren lädt man niedrigschwellig zu einem Paralleltanz von Kunst und Kommerz, Massenkultur und keineswegs trivialen Ansätzen. “Wir wissen schon lange, dass das kein Gegensatz ist, sondern sich gegenseitig befruchtet”, strich Gleis den Untertitel der Schau, “Art & Comix”, hervor.

Ein Herz für Grenzgänger

Entsprechend habe man die Zusammenschau der verschiedenen Künstlerinnen und Künstler entlang der Wechselspieler zwischen Hochkultur und Alltagskultur konzipiert, machte Albertina-Modern-Direktorin Angela Stief als Co-Kuratorin deutlich: “Die Grenzgänger liegen uns besonders am Herzen.”

Von ihnen sind Figuren und Bilder vereint, die nach beinahe kindlichem Prinzip überdeutlich Emotionen zeigen und evozieren. Und viele Kunstschaffende nehmen gerade diese überdeutliche Gefühlssprache auf und verkehren sie in ihr Gegenteil. “Keine Angst: Die Ausstellung ist nicht zu optimistisch”, beruhigte Co-Kurator Florian Waldvogel deshalb etwaige Zeitgeistpessimisten.

Knallig, bunt, grell, in your Face – die Arbeiten der Ausstellung springen den Besuchern nachgerade ins Gesicht, sind alles andere als subtil. Sie rekurrieren auf bekannte Vorlagen (oftmals aus dem Disney-Universum), bedienen sich einer vordergründig wohlvertrauten Ikonografie. Doch genau in dieser ostentativen Expressivität findet sich hinter dem Vorhang die eine oder andere Tiefe, eine Kritik an der Konsumgesellschaft, eine Verdrehung von Zuschreibungen an unsere Alltagsbilder.

Mit der Comic-Metro auf einen wilden Ritt

Und “Kaws. Art & Comix” gibt dem Affen Zucker und setzt primär auf Großformatiges und Ausgreifendes. Von Keith Haring ist dessen ganzer begehbarer “Pop Shop Tokyo” aufgebaut, während man gleich zu Beginn der Ausstellung bei “Ruckus Manhattan: Subway” von Red Grooms & Mimi Gross & The Ruckus Construction Company durch einen ganzen U-Bahn-Waggon zu einer wilden Fahrt durch die polychrome Bildsprache unserer Zeit aufbrechen kann.

 

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