Ehrenzeichen des Landes Tirol verliehen

Tirol bedankt sich für herausragende Verdienste

Mittwoch, 20. Februar 2019 | 12:39 Uhr

Innsbruck – Nach der Kranzniederlegung am Denkmal des Tiroler Freiheitskämpfers Andreas Hofer am Bergisel und einem Gottesdienst in der Innsbrucker Hofkirche wurden heute wie jedes Jahr die Ehrenzeichen des Landes Tirolverliehen. Landeshauptmann Arno Kompatscher dankte beim Festakt in der Hofburg in Innsbruck den bei dieser grenzüberschreitenden Veranstaltung ausgezeichneten fünf Frauen und sieben Männern: “Ihr Engagement für das Gemeinwohl, für die Kultur und Tradition sowie Ihr stetiger Einsatz für unsere vereinenden Werte und Ihre aktive Hilfeleistung für die Schwächeren unserer Gesellschaft schaffen Gemeinschaftssinn und gelten vor allem als Beispiel für uns alle. Die Verleihung der Ehrenzeichen des Landes Tirol am 20. Februar ist auch ein willkommener Anlass, daran zu erinnern, dass wir in einer Region leben, wo das Ehrenamt in allen Bereichen großgeschrieben wird. Dieses Ehrenamt ist unverzichtbar und unbezahlbar. Es versinnbildlicht wie kaum etwas die Seele unseres Landes.”

Für Tirols Landeshauptmann Günther Platter ist der 20. Februar mehr als ein rückwärtsgewandtes Gedenken an den an diesem Tag im Jahr 1810 hingerichteten Andreas Hofer. “Auch heuer werden zwölf Persönlichkeiten für ihre herausragenden Verdienste um das Land Tirol ausgezeichnet. Diese engagierten Menschen haben sich um den Wirtschaftsstandort, die Medienlandschaft, das Bauerntum, die Sicherheit im Lande, das Sozialwesen und das Kulturleben mehr als verdient gemacht”, betonte Landeshauptmann Platter: “Ohne Ihren Einsatz”, dankte er den Ausgezeichneten, “würde unser Tirol anders dastehen – nicht so zukunftsorientiert, nicht so leistungsfähig, nicht so reichhaltig und nicht so kreativ.”

Die zwölf Ausgezeichneten

Mit dem Ehrenzeichen des Landes Tirol wurden heute ausgezeichnet (in alphabetischer Reihenfolge): Herbert Bauer, Militärkommandant von Tirol; Jürgen Bodenseer, Präsident a.D. der Wirtschaftskammer Tirol und Unternehmer; Karl Gruber, Denkmalpfleger und früherer Konservator der Diözese Bozen-Brixen; Monika Hauser, Ärztin und Geschäftsführerin von “medica mondiale”; Katharina Horngacher, ehemalige Landtagsabgeordnete, Nationalrätin und Landesbäuerin; Helmut Krieghofer, ehemaliger Landesdirektor des ORF-Landesstudios Tirol; Josef Liener,  ehemaliger Landesamtsdirektor im Amt der Tiroler Landesregierung; Carina Schiestl-Swarovski, Vorsitzende des Vorstandes der Swarovski Optik in Absam; Luis Stefan Stecher, Dichter, Maler und Bewahrer der Südtiroler Linguistik; Emmerich Steinwender, ehemaliger Landeskommandant des Bundes der Tiroler Schützenkompanien; Sr. Pauline Thorer, Generaloberin der Barmherzigen Schwestern in Innsbruck; Barbara Zitterbart, geschäftsführende Gesellschafterin der Daka GmbH in Schwaz.

Biographische Eckpunkte zu den drei aus Südtirol Stammenden

Karl Gruber, geboren am 15. Februar 1943 in Brixen, ist Professor für Christliche Kunst und Denkmalpflege an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Brixen. Er stammt aus Vintl, studierte nach der Matura von 1962 bis 1967 Theologie und wurde 1967 zum Priester geweiht. Er studierte Kunstgeschichte bei Carl Theodor Müller und Wolfgang Braunfels an der Universität München, wo er 1972 promovierte.  Von 1973 bis 2018 war Gruber Leiter des Kirchlichen Denkmalamtes der Diözese Bozen-Brixen. 1973 ernannte ihn Bischof Joseph Gargitter auch zum Professor für Christliche Kunst und Denkmalpflege an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Brixen. Im Jahr 1979 erhielt er den Förderpreis des Kulturwerkes für Südtirol. 2010 wurde Gruber zum Ehrenkanonikus am Brixner Dom ernannt. Er hat als Autor und Fotograf zahlreiche Monografien zu den Themenbereichen sakrale Kunst und Brauchtum in Südtirol publiziert.

Monika Hauser wurde am 24. Mai 1959 als Tochter Südtiroler Eltern in Thal in der Schweiz geboren und wuchs dort auf. Sie studierte Medizin in Innsbruck und Bologna und erlangte 1984 ihren Abschluss. 1998 beendete sie ihre Ausbildung zur Fachärztin für Gynäkologie. Sie lebt in Köln. Mitten im Jugoslawien-Krieg las Monika Hauser 1992 von den zahlreichen vergewaltigten Frauen und beschloss, etwas zu unternehmen. Am 4. April 1993 startete die Arbeit von Medica Zenica mit der Einweihung eines Projekthauses in Zenica in Zentral-Bosnien, das neben einer gynäkologischen Praxis und eines Operationssaales auch Räume für psychosoziale Beratung und die Unterbringung von Frauen umfasste. 1994 baute Monika Hauser gemeinsam mit fünf Mitarbeiterinnen ein Büro in Köln auf, seit 1995 heißt der Verein medica mondiale e.V. Die Organisation arbeitete zunächst in Bosnien, in Afghanistan und dann in zahlreichen weiteren Ländern wie Albanien, Liberia, in der Demokratischen Republik Kongo, in Uganda und in Israel. Heute setzt sich medica mondiale weltweit für Frauen und Mädchen ein, die in Konfliktgebieten sexualisierte Kriegsgewalt erlebt haben. Im Jahr 2000 übernahm Hauser die Geschäftsführung von medica mondiale und engagiert sich dafür, dass die Thematik der Kriegsvergewaltigungen gesellschaftlich enttabuisiert wird.

Luis Stefan Stecher wurde am 7. Juni 1937 in Laas als jüngstes Kind von neun Kindern geboren. Sein Vater, ein Baumeister, arbeitete zu dieser Zeit im Marmorwerk, nahm aber ein Jahr später eine Stelle in Innsbruck an, wohin ihm seine Frau mit den Kindern folgte. Nach dem frühen Tod ihres Mannes kehrte sie im Jahr 1944 mit den Kindern nach Laas zurück. Hier verbrachte Luis Stefan die Kindheit und erfuhr Prägungen, die für sein späteres Werk wichtig werden sollten. Nach einer kurzen Lehre in der Wagnerschen Universitätsbuchdruckerei wechselte er im Jahre 1953 nach Wien, wo er mit 16 Jahren der jüngste Student an der Hochschule für Angewandte Kunst war. Er setzte sein Studium an der Akademie für Bildende Künste fort und schloss es 1957 mit dem Diplom ab. Von 1960 bis 1967 unterrichtete er an verschiedenen Südtiroler Mittelschulen als Kunsterzieher, später hielt er Malkurse beim Künstlerbund und im Bildungszentrum. Im Jahre 1978 erschien die erste Auflage seiner “Korrnrliadr”, zwischen 1994 und 2001 entstand der “Plauser Totentanz”.

 

Von: mk

Bezirk: Bozen

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