Brandon Flowers on stage

Brandon Flowers legt erstmals ein ganzes Country-Album vor

Mittwoch, 19. August 2026 | 05:12 Uhr

Von: importer

Als Frontmann der US-Band The Killers verzückt Brandon Flowers seine Fans mit emotionsgeladenen Hymnen. In den 25 Jahren ihres Bestehens hat sich die Gruppe aus Las Vegas von einer Alternative-Rockband zur Stadionrock-Größe entwickelt. Ihr mitreißender, vielseitiger Sound hat heute mehr mit Fleetwood Mac und Bruce Springsteen gemein als mit ihren eigenen musikalischen Anfängen. Nun schlägt der Sänger eine für ihn neue Richtung ein.

Auf seinem neuen Soloalbum lässt sich Flowers von akustischen und Pedal-Steel-Gitarren, Mundharmonika und Streichern begleiten. Mit “Thrasher” wagt sich der 45-Jährige erstmals an ein ganzes Country-Album. Aufgenommen wurde es natürlich in der Country-Hochburg Nashville. “Je älter ich geworden bin, desto mehr habe ich zur Musik meines Vaters – dem “Country-Western” – zurückgefunden”, sagte Flowers, der sämtliche Songs allein schrieb, anlässlich der Albumveröffentlichung. “Dabei habe ich entdeckt, dass diese wunderschöne amerikanische Tradition wie geschaffen ist für die Geschichten, die ich in mir trage.”

Und Geschichten zu erzählen, das ist eine Spezialität von Flowers, der sich längst als einer der begabtesten Songwriter seiner Generation etabliert hat. Je persönlicher seine Texte mit den Jahren wurden, desto besser und ergreifender waren sie. “Früher dachte ich immer, dass das, was ich erlebt habe, nicht interessant genug wäre”, so Flowers. “Ich musste erst einiges vom Leben mitbekommen, bevor mir klar wurde, dass meine Geschichte nie nur meine eigene war. Andere Menschen haben genau diese Dinge auch gefühlt. Wenn ich darüber Songs schreibe, hilft mir das einfach, allem einen Sinn zu geben.”

Amerikas Mikrokosmos

Der 45-Jährige singt vom amerikanischen Mikrokosmos: vom Leben in der Kleinstadt und den großen Fragen, die sich im Kleinen spiegeln. Inhaltlich wirkt “Thrasher” fast wie eine Fortsetzung des Killers-Albums “Pressure Machine”, auf dem Flowers – inspiriert von seiner eigenen Kindheit in Nephi im US-Bundesstaat Utah – vom Leben in einer amerikanischen Kleinstadt erzählte: von Arbeit und Armut, Liebe und Religion, Träumen und tragischen Schicksalen.

Auf “Thrasher” porträtiert er ein ähnliches Milieu. Er singt von Jugendträumen, die später an der Wirklichkeit zerbrechen (“Plans”), vom Aufbruch aus der Provinz und dem Sich-aus-den-Augen-Verlieren (“Tiger’s Blood”) und von Menschen, die gesellschaftliche Erwartungen hinter sich lassen wollen, ihrer Herkunft und Vergangenheit aber nicht einfach davonlaufen können (“Angel”).

Geschichten von Verlust und Verletzungen

Besonders persönlich ist “One Of Us”. Das Lied klingt erstaunlich beschwingt, doch der Hintergrund ist traurig. Flowers erinnert liebevoll an seinen verstorbenen Schwager: “You were always one of us” (“Du warst immer einer von uns”).

Ergreifend ist auch “Miss America”. Flowers erzählt aus der Perspektive einer Frau, die mit ihren Töchtern vor ihrem drogenabhängigen, gewalttätigen Partner zu ihren Eltern geflohen ist. Nach und nach wird deutlich, wie sehr Gewalt und die Sexualisierung durch Männer ihr Leben und ihr Selbstbild geprägt haben. “Erwachsene Männer haben mich schon beachtet, seit ich zwölf Jahre alt war. Ich kam mir immer wie eine Trophäe vor.”

Am Ende hadert die Frau sogar mit ihrem Glauben: Wenn Jesus für all diese Sünden gelitten habe, fragt sie, warum die Menschen sie dann “wieder und wieder” zu spüren bekämen. Glaube und religiöse Fragen sind in Flowers’ Texten immer wieder präsent. Er selbst ist Mormone.

Vom Wunsch wegzukommen zum Heimweh

Das Album hat eine subtile Dramaturgie: Es beginnt mit dem Wunder des Lebens und der Frage, ob das alles Zufall oder Fügung ist (“Does It Ever Cross Your Mind?”). Dann geht es ums Erwachsenwerden, um Fernweh und den Wunsch wegzukommen.

Es endet mit einem surrealen, melancholischen Blick auf den amerikanischen Traum (“An American Dream”). Wenn Flowers von Gold und Glitzer, Gott, Elvis, schnellen Autos und Erfolg singt, klingt das ein wenig nach Las Vegas. Doch am Ende all dieser amerikanischen Verheißungen bleibt nur der Wunsch, nach Hause zu kommen.

Unverkennbar Brandon Flowers

“Thrasher” ist ein Country-Album, vor allem aber ist es ein Brandon-Flowers-Album. Seine Handschrift als alleiniger Songwriter ist unverkennbar. Manche Songs hätten in ähnlicher Form durchaus auf ein Album der Killers gepasst.

Deutlich hörbar ist auch der Einfluss von Bruce Springsteen. Erzählerisch und musikalisch erinnert manches an den Blue-Collar-Rock des “Boss” – etwa der sich langsam aufbauende Country-Rocker “Tiger’s Blood” oder die zurückgenommene Akustikballade “Miss America”.

Für Brandon Flowers schließt sich mit den zehn wunderbaren Songs auf “Thrasher” ein Kreis: Mit der Country-Musik seines Vaters kehrt er zu den Menschen, Landschaften und Geschichten seiner Jugend zurück.

(Von Philip Dethlefs/dpa)

(S E R V I C E – https://www.brandonflowersmusic.com/ )

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