Von: mk
Grenoble – Als Formel 1-Legende Michael Schumacher vor über zwölf Jahren in den französischen Alpen zu Sturz kam und sich schwere Kopfverletzungen zuzog, stand für Angehörige und Millionen von Fans die Welt still. Noch immer bangen viele um den Gesundheitszustand des Rennfahrers. Nun ergreift erstmals Schumachers damaliger Chefarzt das Wort und berichtet von jenem Moment, der sein Leben auf den Kopf stellte.
In einer Reportage der französischen Sportzeitung L‘Équipe vom 27. Mai 2026 erinnert sich Professor Stephan Chabardès an seinen Arbeitstag am 29. Dezember 2013. Obwohl der Feierabend so gut wie vor der Tür stand, wurde der Neurochirurg des Universitätsklinikums Grenoble plötzlich in die Notaufnahme gerufen.
Chabardès war einer der ersten Ärzte, die sich um den siebenfachen Formel 1-Weltmeister nach dessen Einlieferung kümmerten. Erstmals hat er nun über die dramatischen Stunden ausführlich gesprochen und führte dabei die Tragweite des Augenblicks vor Augen.
„Als ich mich über den Patienten beuge, der noch in seinem Skianzug steckt, erkenne ich Michael Schumacher. Da dachte ich: Der Tag wird kompliziert“, zitiert merkur.de die Aussagen des Arztes laut L’Équipe. Das Krankenhaus in Grenoble stand plötzlich im Zentrum eines globalen Medienaufruhrs.
Um den sich rasant verbreitenden Gerüchten und Falschmeldungen im Netz entgegenzuwirken wurden noch am selben Abend erste spärliche Informationen an die Öffentlichkeit weitergegeben. Am Tag darauf hielt eine Klinikdelegation eine Pressekonferenz, zu der auch Chabardès gehörte. Doch seine Erinnerungen, die er nun in der Reportage mit der Welt teilt, gehen weit darüber hinaus, was damals bekanntgegeben wurde.
Schumachers langjährige Managerin Sabine Kehm war kurz nach der Einlieferung bereits in der Klinik und warnte, dass der eingelieferte Patient einen „medialen Tsunami“ auslösen werde, wie der Arzt berichtet.
Chabardès erwähnt auch den Präfekten der Region, der persönlich in die Klinik kam, um seine Sorgen vor Tausenden von Menschen zu äußern, die vor dem Krankenhaus auftauchen würden. Tatsächlich wuchs die Zahl der wartenden Journalisten stündlich, auch unzählige Fans versammelten sich draußen in Windeseile, um Neuigkeiten über den Gesundheitszustand ihres Idols zu erhaschen. Der Ausnahmezustand war damit nicht nur medizinisch spürbar, zumal sich auch innerhalb der Klinik sich ranghohe Besucher die Klinke in die Hand gaben.
Schumacher war in Grenoble über sechs Monate behandelt worden, bevor er in eine Reha-Klinik verlegt wurde. Über seinen genauen Gesundheitszustand wissen heute nur sehr wenige Menschen Bescheid. Eine Netflix-Dokumentation aus dem Jahr 2021 gewährte zumindest einen kleinen Einblick, als unter anderem Ehefrau Corinna über das Leben mit ihrem Mann sprach. „Wir leben zusammen zu Hause. Wir machen eine Therapie. Wir tun alles, was wir können, damit es Michael besser geht, damit er sich wohlfühlt und damit er einfach unsere Familie, unsere Verbundenheit spürt“, erklärte sie damals.
Michaels Sohn Mick Schumacher meldete sich in der Doku ebenfalls zu Wort und verriet seinen größten Wunsch: „Ich glaube, dass Papa und ich uns jetzt in einer anderen Weise verstehen würden. Einfach, weil wir jetzt in einer ähnlichen Sprache sprechen. In der Motorsportsprache. Ich würde alles aufgeben, nur für das.“
Dennoch bleibt Schumachers Gesundheitszustand auch mehr als zwölf Jahre nach dem Ski-Unfall eines der bestbehütetsten Geheimnisse in der Welt des Sports. Chabardès‘ Erzählung verdeutlicht, wie hoch der Druck auf alle Beteiligten war und dass von den Ereignissen, die damals wirklich geschahen, bis heute kaum jemand etwas weiß.




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