Was Langlebigkeitsmedizin bei US-Tech-Millionär Bryan Johnson übersehen hat

Zwei Millionen Dollar im Jahr und trotzdem krank

Montag, 20. Juli 2026 | 07:35 Uhr

Von: red

Kalifornien – Ende Juni machte der US-Tech-Millionär Bryan Johnson seine Autoimmunerkrankung öffentlich. Der selbst ernannte „am gründlichsten vermessene Mensch aller Zeiten“ schrieb auf X: „Schlechte Nachrichten. Mein Magen frisst sich selbst auf.“ Bei ihm wurde eine autoimmune Gastritis diagnostiziert, bei der das Immunsystem die Magenschleimhaut angreift.

Johnson ist für sein innovatives Anti-Aging-Programm bekannt, in das er jährlich rund zwei Millionen US-Dollar investiert, um seinen Alterungsprozess möglichst stark zu verlangsamen. Deshalb gilt er in den Medien oft als der Mann, der den Tod besiegen will. In der TV-Sendung „This Morning“ beschreibt er seine Motivation jedoch deutlich nüchterner.

Seine gesundheitliche Reise begann in einer Zeit, als er trotz seines geschäftlichen Erfolgs einen äußerst ungesunden Lebensstil führte. „Ich fühlte mich total ungesund in meinem Körper und wollte herausfinden, was mit der bestmöglichen Wissenschaft möglich ist“, sagt Johnson. Er kritisiert eine Leistungskultur, die für finanziellen Erfolg häufig Schlaf, gesunde Ernährung und Bewegung opfere. Um diesem Kreislauf zu entkommen, widmet er heute täglich rund fünf Stunden seinem Langlebigkeitsprogramm. Johnson zufolge hat sich dadurch seine biologische Alterung so weit verlangsamt, dass er innerhalb eines Jahres biologisch nur um etwa sechs Monate altert.

Trotz dauerhaftem Tracking krank

Johnsons Diagnose wirft in der Langlebigkeitsforschung die Frage auf, wie trotz einer so engmaschigen medizinischen Überwachung eine chronische Erkrankung unentdeckt bleiben konnte. Sein Ärzteteam hatte zwar dauerhaft niedrige Ferritinwerte festgestellt, deren Ursache jedoch nicht erklären können. Für Dr. Gian Corrado, Mannschaftsarzt der Sportabteilung der Northeastern University, kommt die Diagnose dennoch nicht überraschend. Autoimmunerkrankungen träten auch bei scheinbar gesunden Menschen relativ häufig auf. Der Immunologe Emeka Okeke betont zudem, dass die Ursachen bis heute nicht vollständig geklärt seien. Als mögliche Auslöser gelten genetische Veranlagung und Umwelteinflüsse.

Einen anderen Blickwinkel vertritt die Psychoneuroimmunologie (PNI), die die Wechselwirkungen zwischen Psyche, Nervensystem und Immunsystem erforscht. Der Arzt Gabor Maté sieht chronische Darmerkrankungen häufig als Folge langanhaltenden Stresses und unverarbeiteter Traumata. Vertreter der PNI betonen zudem, dass extreme Versuche, den Körper zu optimieren oder das Altern aufzuhalten, den natürlichen biologischen Prozessen widersprechen.

Johnson sieht selbst einen Zusammenhang zwischen seiner Erkrankung und den Belastungen seiner frühen Unternehmerjahre. In einem Beitrag auf X schreibt er, chronische Depressionen, extremer Stress und eine ungesunde Lebensweise hätten sein Immunsystem möglicherweise dauerhaft aus dem Gleichgewicht gebracht. Zugleich kritisiert er, dass die moderne Medizin zu viele Krankheiten als unvermeidbar akzeptiere. Angesichts von Künstlicher Intelligenz, Multiomik und personalisierten Therapien sollte seiner Ansicht nach keine Erkrankung als unheilbar gelten, nur weil bislang niemand versucht habe, sie mit den heutigen Möglichkeiten zu behandeln.

Für Johnson ist die Diagnose daher kein Scheitern seines Lebenskonzepts, sondern der Beginn eines neuen Kapitels auf seiner Gesundheitsreise. „Ich werde versuchen, das Problem zu lösen und euch auf dem Laufenden halten“, erklärte der Tech-Millionär zum Abschluss.

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