Südtiroler Sanitätsbetrieb: das neue familiäre Unterstützungsnetz

Brauchen Frauen beim Stillen unterstützung?

Donnerstag, 06. August 2026 | 12:14 Uhr

Von: Sophia Molitor

Bozen – Chiara Comper ist Koordinatorin der Sprengelhebammen im Gesundheitsbezirk Bozen. Sie erklärt, warum professionelle Unterstützung beim Stillen so wichtig ist.
Mit der Geburt beginnt für Eltern eine intensive Zeit voller neuer Erfahrungen und vieler Fragen. Gerade beim Stillen sind viele Mütter anfangs unsicher. Der Südtiroler Sanitätsbetrieb nutzt die Internationale Stillwoche deshalb, um Frauen zu ermutigen, frühzeitig Unterstützung in Anspruch zu nehmen.

Jährlich kommen in Südtirol rund 4.600 Kinder zur Welt. Viele Familien verfügen heute nicht mehr über das enge familiäre Unterstützungsnetz, das früher selbstverständlich war. Umso wichtiger ist eine professionelle Begleitung in den ersten Wochen und Monaten nach der Geburt.

Stillen ist die natürliche Ernährungsform für Säuglinge und bietet sowohl für das Kind als auch für die Mutter zahlreiche gesundheitliche Vorteile. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt, Babys in den ersten sechs Lebensmonaten ausschließlich zu stillen. Anschließend kann das Stillen gemeinsam mit der Beikost bis zum Alter von zwei Jahren oder darüber hinaus fortgesetzt werden.

Mit dem Betreuungspfad „Rund um die Geburt” begleiten die Hebammen des Südtiroler Sanitätsbetriebes Frauen bereits während der Schwangerschaft und unterstützt sie insbesondere in den ersten Wochen nach der Geburt – vor allem bei Fragen rund um das Stillen. Allein im Gesundheitsbezirk Bozen nahmen im vergangenen Jahr mehr als 1.750 Mütter dieses Angebot in Anspruch.

„Stillen ist die natürliche Ernährungsform des Säuglings und liefert alle wichtigen Nährstoffe, die ein gesundes Kind in den ersten Lebensmonaten braucht”, erklärt Comper. „Selbst an heißen Sommertagen reicht Muttermilch als Flüssigkeitsquelle aus.”

Hilfe für Mütter schon in den ersten 48 Stunden

Bereits während der Schwangerschaft können sich Frauen an eine Sprengelhebamme wenden. Diese begleitet die Familie auf Wunsch auch nach der Geburt weiter. „Innerhalb von 48 Stunden nach der Entlassung aus dem Krankenhaus nehmen wir Kontakt mit der Mutter auf. Im ersten Lebensmonat stehen wir in der Regel einmal pro Woche mit ihr in Verbindung und beantworten Fragen zum Stillen, zur Gewichtsentwicklung des Kindes sowie zum Wohlbefinden von Mutter und Baby”, erklärt Comper.

Neben den Hausbesuchen können sich Eltern auch an die Ambulatorien der Sprengelhebammen wenden. Dort stehen allein im Gesundheitsbezirk Bozen 26 Hebammen im Sprengeldienst für Fragen rund um das Stillen und die erste Zeit mit dem Neugeborenen zur Verfügung.

Eine der häufigsten Sorgen junger Mütter ist die Frage, ob ihr Baby ausreichend Nahrung erhält. „Viele Frauen sind anfangs unsicher. Deshalb möchte ich alle Mütter ermutigen, Hilfe anzunehmen – sei es durch Fachpersonen oder durch das persönliche Umfeld”, sagt Comper. „Ein Baby verändert den Alltag grundlegend. Diese Zeit ist wunderschön, aber auch fordernd. Niemand muss sie alleine bewältigen. Stillen muss nicht vom ersten Moment an perfekt funktionieren. Hilfe anzunehmen ist kein Zeichen von Schwäche, sondern der beste Weg, damit Mutter und Kind gut zusammenfinden.”

Falls weitergehende medizinische Abklärungen notwendig sind, arbeiten Hebammen und Kinderärztinnen und Kinderärzte eng zusammen, um Mutter und Kind bestmöglich zu begleiten.

Nicht alle Mütter können oder möchten stillen – aus gesundheitlichen, beruflichen oder persönlichen Gründen. Auch sie erhalten dieselbe Unterstützung. „Unsere hebammengeleitete Betreuung richtet sich immer nach den Bedürfnissen der Familie. Dann stehen andere Themen im Mittelpunkt, etwa die Ernährung des Kindes, seine Entwicklung, die Pflege des Neugeborenen oder die Rückbildung nach der Geburt. Jede Mutter soll sich gut begleitet fühlen – unabhängig davon, wie sie ihr Kind ernährt”, betont Comper.

Bezirk: Bozen

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