Schiffreise endet für 200 Menschen wegen hohen Treibstoffpreisen

Für die Weltreise das Haus verkauft und von Bord gescheucht

Sonntag, 01. November 2026 | 07:57 Uhr

Von: Sophia Molitor

Sihanoukville – Eine etwas andere Vorstellung ihres zukünftigen Lebens hatten die Passagiere der Villa Vie Odyssey – ein 200 Meter Langes Schiff, das zu einer mehrjährigen Weltreise angetreten war. Plötzlich mussten die Reisenden innerhalb von nur sieben Stunden von Bord. Wegen der stark gestiegenen Treibstoffkosten konnte die Fahrt nicht fortgesetzt werden. Einige der Reisenden hatten sogar ihre Häuser verkauft, um an der Reise teilzunehmen und stehen nun mit leeren Händen da.

Das Schiff war im Oktober 2024 mit vier Monaten Verspätung von Nordirland aufgebrochen und sollte die Welt umrunden und den Passagieren ermöglichen, dauerhaft auf See zu leben oder ihren Ruhestand auf dem Meer zu verbringen. Die geplante Weltumrundung war auf 755 Tage angelegt und sollte dabei über 425 Häfen in rund 147 Ländern fahren. Im Gegensatz zu normalen Kreuzfahrten bleibt das Schiff in fast jedem Hafen 2 bis 7 Tage liegen, damit die Bewohner die Regionen intensiv erkunden können. Die Route führte zunächst entlang der europäischen Westküste nach Portugal, Spanien und Marokko. Anschließend sollte das Schiff den Atlantik überqueren und die Karibik sowie Süd- und Nordamerika ansteuern. Der Reiseplan ist aber durch den verspäteten Start und durch weitere finanzielle Schwierigkeiten durcheinander geraten. Über den Pazifik ging es erstmal weiter nach Australien, Neuseeland und in die asiatische Inselwelt. Im Herbst 2026 befand sich das Schiff auf dem Abschnitt durch Südostasien, doch durch die stark gestiegenen Treibstoffpreise geriet das Projekt zunehmend in finanzielle Schwierigkeiten. Nach Angaben des Betreibers der Villa Vie Residences stiegen die monatlichen Treibstoffkosten pro Kabine von ursprünglich 1.800 US-Dollar auf 6.000 bis 8.000 US-Dollar auf den asiatischen Routen. Bereits zuvor hatte das Unternehmen zusätzliche Zahlungen verlangt und den Passagieren im April ein Darlehensprogramm zur Finanzierung des Treibstoffs vorgeschlagen. Im Mai folgte ein weiterer, ursprünglich nicht vorgesehener Aufschlag.

Um den Kosten entgegenzuwirken wurden gewisse Aufenthalte gestrichen und oftmals waren die Aufenthalte länger als geplant. Doch auch diese Maßnahmen reichten nicht aus und als das Schiff im Oktober im Hafen von Sihanoukville in Kambodscha ankam, erklärte das US-Unternehmen die sofortige Einstellung des Betriebs. Die Weiterfahrt nach Vietnam würde nicht stattfinden und somit standen plötzlich 203 Passagiere ohne Plan für die Zukunft da. Rund 156 Besatzungsmitglieder mussten ebenfalls das Schiff verlassen.

Haus verkauft: Was nun?

Besonders hart traf die Nachricht jene Menschen, die das Schiff nicht als Urlaubsmöglichkeit, sondern als ihr neues Zuhause gewählt hatten. Einige hatten ihre Häuser und andere Besitztümer verkauft, um sich das Leben an Bord leisten zu können. Für fünf Jahre auf dem Schiff hatten manche bis zu 60.000 US-Dollar bezahlt; andere investierten zwischen 120.000 und 440.000 US-Dollar in ein lebenslanges Wohnmodell.

Innerhalb von nur sieben Stunden mussten sie ihre persönlichen Gegenstände zusammenpacken und das Schiff verlassen. Viele standen damit plötzlich ohne Unterkunft da – Tausende Kilometer von ihren Herkunftsländern entfernt und ohne einen klaren Plan für die nächsten Tage. Einige organisierten kurzfristig Rückflüge, andere suchten sich Hotels in Sihanoukville.

Mehrere Passagiere warfen dem Unternehmen vor, sie ohne ausreichende organisatorische oder finanzielle Unterstützung zurückgelassen zu haben. Neben der unmittelbaren Sorge um Unterkunft und Heimreise stand deshalb die Angst, die Ersparnisse eines ganzen Lebens verloren zu haben. Für Menschen, die ihren Ruhestand oder ihr gesamtes weiteres Leben auf See geplant hatten, bedeutete das abrupte Ende nicht nur den Abbruch einer Reise, sondern den Verlust ihres Wohnkonzepts und ihrer Zukunftsplanung.

Die örtlichen Behörden kritisierten, dass die Betroffenen innerhalb weniger Stunden von Bord gehen sollten. Der stellvertretende Gouverneur der Provinz Preah Sihanouk, Long Dimanche, verwies auf die besondere Verletzlichkeit der darunter befindlichen Pensionisten und Menschen, die ortsunabhängig arbeiten.

Villa Vie Residences erklärte, an vorübergehenden Unterbringungsmöglichkeiten zu arbeiten und auf mögliche neue Investoren zu hoffen. Für die Betroffenen blieb zunächst jedoch unklar, wie es weitergehen würde und ob sie einen Teil ihres investierten Geldes zurückerhalten könnten.

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