Von: Sophia Molitor
Bozen – Der Wald ist ein natürlicher Lebensraum. Damit er aber seine vielfältigen Leistungen erbringen kann, muss er sorgfältig bewirtschaftet werden. Zu den Aufgaben des Forstpersonals des Landes gehört es, zu beurteilen, welche Bäume erhalten und welche gefällt werden sollen. Dabei muss gleichzeitig berücksichtig werden, wie sich dies jeweils auf die Entwicklung des Waldes auswirkt, auf die Biodiversität und den wirtschaftlichen Wert.
Mit dem Marteloskop auf Kohlern steht allen, die sich mit Waldbewirtschaftung befassen, nun ein zusätzliches Instrument zur Verfügung: Es ist eine praxisnahe Übungsstätte für Forstpersonal und Studierende, zugleich aber auch ein Ort für Forschung und Umweltbildungsangebote, die sich an die Bevölkerung richten. Das Marteloskop wird von Eurac Research in Zusammenarbeit mit der Landesabteilung Forstdienst betrieben.
Marteloskope sind dauerhafte Waldflächen, die seit den 1990er-Jahren in verschiedenen europäischen Ländern als praxisnahe Übungsstätten für die Waldbewirtschaftung genutzt werden. Der Begriff „Marteloskop“ leitet sich von „martellata“ ab. Es bezeichnet die Tätigkeit, bei der das Forstpersonal in einem Wald jene Bäume kennzeichnet, die gefällt werden sollen. Auf der neuen, rund einen Hektar großen Versuchs- und Lehrfläche auf 1.100 Metern Meereshöhe, die sich in einem Waldstück der Gemeinde Bozen befindet, wurde jeder Baum nummeriert, vermessen und georeferenziert. Zudem wurden die ökologischen und wirtschaftlichen Eigenschaften der Bäume erfasst. „Hier kann man in die Rolle von Forstfachleuten schlüpfen und entscheiden, welche Bäume gefällt werden und welche stehen bleiben sollen“, erklärt Marco Mina, Waldökologe von Eurac Research und Initiator des Projekts. „Die Auswahl erfolgt jedoch ausschließlich virtuell – mithilfe eines Tablets und einer vom Europäischen Forstinstitut (EFI) entwickelten Übungssoftware.“
Fachkräfte und Forstpersonal müssen ausgebildet sein, bevor ein Baum gefällt wird
Nach jeder Übung werden die Auswirkungen der getroffenen Entscheidungen unmittelbar sichtbar. So lässt sich erproben, wie die vielfältigen Funktionen des Waldes miteinander in Einklang gebracht werden können. „Ein gut bewirtschafteter Wald trägt dazu bei, das Gebiet besser vor Naturgefahren und den Folgen von Extremereignissen zu schützen. In Südtirol werden verschiedene Planungsinstrumente, Bewirtschaftungspläne und Waldkarteien verwendet. Auf dieser Grundlage werden jedes Jahr rund 6.000 Holzauszeigen an stehenden Bäumen vorgenommen. Deshalb ist es wichtig, Fachkräfte und Forstpersonal darin auszubilden, waldbauliche Eingriffe fachgerecht durchzuführen. Dauerhafte Übungsflächen wie Marteloskope sind dafür sehr hilfreich“, erklärt Marco Pietrogiovanna von der Landesabteilung Forstdienst. Das Marteloskop auf Kohlern ist der erste Standort in Südtirol, der zum Marteloskop-Netzwerk des Europäischen Forstinstituts gehört. Es umfasst 302 Demonstrationsflächen in 28 Ländern, davon 27 in Italien. Der ausgewählte Standort ist typisch für die Wälder Südtirols und weist eine große Artenvielfalt auf:
Es handelt sich um einen Mischwald, in dem Fichte und Waldkiefer vorherrschen. Daneben kommen unter anderem Buche, Lärche, Weißtanne, Birke und Kastanie vor. Die Fläche steht jedoch nicht nur Forstfachleuten zur Verfügung. Im Marteloskop finden auch Angebote zur Wissensvermittlung statt, bei denen es um die verborgene Biodiversität zwischen den Baumstämmen und um die Bedeutung einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung geht. „Wenn wir durch einen Wald spazieren, ist uns vielleicht nicht bewusst, dass dieser natürliche Lebensraum seine vielfältigen Leistungen auch dank einer sorgfältigen Bewirtschaftung erbringen kann. Indem wir heute für den Wald sorgen, entscheiden wir darüber mit, ob wir auch morgen noch einen Wald haben, der uns schützt, uns Rohstoffe liefert und uns einen Ort zur Erholung bietet“, so Marco Mina abschließend.




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