Von: Sophia Molitor
Wie erklärt man seiner Familie eine Leidenschaft, die nicht nur das eigene Leben bestimmt, sondern es auch gefährdet? Genau dieser Frage widmet sich der rund 60-minütige Dokumentarfilm „We Can’t Not“ („Wir können nicht anders“), eine Produktion von Legs of Steel und Red Bull Media House. Der britische Profi-Skifahrer und Filmemacher Paddy Graham versucht darin, seinen Angehörigen verständlich zu machen, warum er seit Jahren sein Leben dem Skifahren und dem Filmen widmet – und weshalb er einfach nicht damit aufhören kann. Gleichzeitig macht der Film aber auch deutlich, wie groß die Angst und Sorge der Familie ist, wenn sie miterlebt, welchen Risiken Graham wegen seiner Leidenschaft ausgesetzt ist.
Um seine Faszination greifbar zu machen, versammelt Graham einige der besten Freestyle-Skifahrer der Welt, darunter Markus Eder, Kye Petersen, Tom Ritsch und Finn Bilous, und reist mit ihnen nach Alaska. Sie sind vor allem dafür bekannt, abseits präparierter Pisten zu fahren, etwa im Tiefschnee und in steilem Gelände. Genau dort entstehen spektakuläre Aufnahmen von steilen Abfahrten und tief verschneiten Hängen. „We Can’t Not“ ist aber weit mehr als ein klassischer Skifilm: Im Grunde ist es ein Film über das Machen von Skifilmen. Er zeigt nicht nur die fertigen Bilder, sondern auch den aufwendigen Entstehungsprozess dahinter, der logistische Herausforderungen, die Abhängigkeit von den Wetterbedingungen, Anspannung und Risiken mit sich bringt.
Die Kamera begleitet dabei nicht nur die Athleten in den Bergen, sondern auch Graham bei seinem Versuch, seiner Familie seine Welt zu zeigen.
Zwischen zwei Welten
Besonders eindrücklich gelingt dies in einer Szene, in der Graham seine Eltern und weitere Angehörige in ein sogenanntes Hyperbowl-Studio bringt – ein virtuelles Produktionsstudio, in dem reale Filmaufnahmen mit digitalen, dreidimensionalen Umgebungen kombiniert werden. Dabei kommen große LED-Wände zum Einsatz, auf denen beispielsweise Berglandschaften, Skipisten oder Alaska dargestellt werden. Die Umgebung erscheint auf den Bildschirmen so realistisch, dass sich die Menschen im Studio fühlen, als wären sie tatsächlich dort. Grahams Familie steht plötzlich mitten in einer virtuellen Berglandschaft und sieht nicht mehr nur den eigenen Sohn, der durch den Schnee gleitet, sondern wird auch mit den tatsächlichen Gefahren konfrontiert, denen er bei jeder Abfahrt ausgesetzt ist.
Die Szene durchbricht die gewohnte Ästhetik der Skifilme und zeigt die Verletzlichkeit eines Menschen, der versucht, seine Leidenschaft zu erklären, obwohl er weiß, dass die Menschen, die ihn lieben, sie als beängstigend empfinden.
Auch der Titel „We Can’t Not“ steht für eine tiefere Bedeutung. Es geht nicht allein um die Unfähigkeit, mit dem Skifahren aufzuhören, sondern um eine Leidenschaft, die sich rational kaum erklären lässt und dennoch das eigene Leben prägt. Der Film versucht, diese innere Notwendigkeit sichtbar zu machen, ohne die Risiken zu verharmlosen. Dennoch fehlt es dem Film nicht an Humor und Leichtigkeit.
Die englische Originalfassung wird von Schauspieler Sean Bean gesprochen, der durch Game of Thrones und Der Herr der Ringe bekannt ist, während der Film, unter anderem auch auf Deutsch, seit dem 1. November offiziell auf der Mediathek von Red Bull TV und auf dem Youtube-Kanal Redbull Show für alle frei zugänglich ist.




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