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Was Autofahren über uns selbst verrät

Dienstag, 18. August 2026 | 01:30 Uhr

Von: Matthias Knapp

Bozen – Bereits der US-amerikanische Komiker George Carlin fand Selbstgerechtigkeit ätzend und machte gern einen Scherz übers Autofahren: Stets, wenn wir auf der Autobahn unterwegs sind, komme es zum selben Phänomen. Jeder, der schneller fährt als wir, ist in unseren Augen ein Raser, während langsamere Fahrer als Behinderung wahrgenommen und als „Idioten“ bezeichnet werden. Nur wir selbst sind die einzigen, die – immer unserer eigenen Ansicht nach – sich fürs richtige Tempo entschieden haben.

Wie die Kognitionswissenschaftlerin Lera Boroditsky erklärt, lässt sich dieses Verhalten auch leicht auf unsere politische Einstellung übertragen. Nehmen wir an, wir befinden uns im politischen Spektrum zwischen links und rechts auf der Seite der gemäßigt Konservativen. Positionen, die sich noch weiter rechts befinden und die in den USA etwa oft mit der Ablehnung einer öffentlichen Krankenversicherung oder von Sozialleistungen einhergehen, werden dann als herzlos empfunden. Gleichzeitig werden Menschen mit einer eher linken Einstellung als Träumer abgetan.

Ähnlich ist es in anderen Lebensbereichen. Stets gehen wir davon aus, dass unsere Sichtweise die einzig wahre ist. Gleichzeitig sind wir von Menschen umgeben, die oft genau das Gegenteil wahrnehmen.

Natürlich kann es vorkommen, dass wir auf der Straße einem Trottel begegnen, über den wir uns aufregen, weil er uns die Vorfahrt abgeschnitten hat und er mit seiner Fahrweise andere gefährdet. Dass wir auf 20 Personen mit dem „falschen Fahrstil“ treffen, ist hingegen schon rein statistisch eher unwahrscheinlich. Viel naheliegender ist, dass der Fehler bei uns selbst liegt.

In der Psychologie wird dieses Phänomen als „naiver Realismus“ bezeichnet. Dabei handelt es sich um den Glauben, dass wir die Realität unmittelbar und ungefiltert wahrnehmen. Doch die Tatsache, dass 20 Menschen eine Situation völlig anders erfahren, sollte uns zumindest ab und zu stutzig machen.

Bezirk: Bozen

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