Der 17-jährige Südtiroler über soziale Medien für Jugendliche

Wenn Algorithmen unsere Meinung formen

Donnerstag, 06. August 2026 | 11:02 Uhr

Von: Sophia Molitor

Brixen – Brixen – Soziale Medien sind aus dem Alltag junger Menschen nicht mehr wegzudenken. Doch welchen Einfluss haben Plattformen wie TikTok, Instagram oder Snapchat auf Jugendliche und ihre politische Meinungsbildung? Mit dieser Frage beschäftigt sich die Schülerin Elisabeth Pernstich in einem Interview mit dem 17-jährigen Südtiroler Kevin Pichler für die Schülerzeitung des Berufsbildungszentrums für Gastronomie und Kulinarik in Brixen.

Kevin Pichler

Pichler weist darauf hin, dass soziale Medien für viele Jugendliche heute die wichtigste Informationsquelle für alltägliche und gesellschaftliche Ereignisse sind. Sie ermöglichten es, sich schnell zu informieren, neue Menschen kennenzulernen und sich gesellschaftlich oder politisch zu engagieren. Viele Debatten erreichten junge Menschen heute in erster Linie über diese Kanäle. Gleichzeitig dürften jedoch auch die Risiken nicht außer Acht gelassen werden. „Politik, Schulen und Eltern sollten gezielt zu diesem Thema handeln“, erklärt Pichler.

Eine der größten Gefahren sieht Pichler in den Algorithmen sozialer Netzwerke. Diese entscheiden darüber, welche Inhalte Nutzerinnen und Nutzern angezeigt werden. Dadurch entstünden sogenannte Filterblasen, in denen Menschen überwiegend Beiträge sehen, die ihre bestehende Meinung bestätigen. „Das kann zu einer stärkeren gesellschaftlichen Polarisierung führen und den offenen Austausch erschweren“, warnt Pichler.

Besonders problematisch sei dies für Jugendliche, die sich noch in einer wichtigen Phase ihrer persönlichen Entwicklung befänden. Wer ständig mit unrealistischen Schönheitsidealen, extremen politischen Ansichten oder Falschinformationen konfrontiert werde, dessen Selbstbild und Sichtweise könnten nachhaltig beeinflusst werden. „Deshalb ist Medienkompetenz heute wichtiger denn je“, betont Pichler.

Welche Aufgaben haben die Politik, die Schulen und die Eltern?

Aus Sicht des 17-Jährigen müsse die Politik gezielt gegen Hassrede und Desinformation vorgehen und gleichzeitig die Meinungsfreiheit schützen. Zudem sollten soziale Netzwerke stärker in die Verantwortung genommen werden und transparent darlegen, nach welchen Kriterien Inhalte priorisiert werden. Gleichzeitig spricht sich Pichler dafür aus, junge Menschen stärker in politische Entscheidungen rund um die digitale Welt einzubeziehen, da sie mit diesen Medien aufwachsen. Auch die Schulen sollten nach Ansicht Pichlers der Medienbildung künftig einen höheren Stellenwert verleihen und sie als eigenständiges Unterrichtsfach in Betracht ziehen. Jugendliche wachsen selbstverständlich mit digitalen Medien auf, in der Schule spiele diese Lebensrealität jedoch oft nur eine untergeordnete Rolle. „Junge Menschen müssen lernen, Informationen kritisch zu hinterfragen, seriöse Quellen zu erkennen und zwischen Fakten und Meinungen zu unterscheiden“, betont er.

Auch Eltern sieht Pichler in der Verantwortung. Sie sollten sich an der digitalen Lebenswelt ihrer Kinder beteiligen, Medien jedoch nicht grundsätzlich verbieten. Vielmehr gelte es, offen darüber zu sprechen und Jugendliche verantwortungsvoll zu begleiten.

Zum Abschluss wollte Elisabeth Pernstich wissen, wie viel Zeit Kevin Pichler selbst täglich in sozialen Netzwerken verbringt. Der 17-Jährige spricht von durchschnittlich ein bis zwei Stunden pro Tag. Dabei achte er bewusst darauf, welche Inhalte er konsumiere und welche Quellen seriös seien. „Social Media kann eine große Bereicherung sein – entscheidend ist jedoch, die Plattformen kritisch zu nutzen und sich auch außerhalb der digitalen Welt zu informieren“, sagt Pichler.

Bezirk: Bozen

Kommentare

Aktuell sind 1 Kommentare vorhanden

Kommentare anzeigen