Von: apa
Kinder und Jugendliche haben drei Wochen auf ihr Handy verzichtet. Die Studie wurde im Zuge der ORF-Sendung “Das große Dok-1-Handyexperiment” durchgeführt. Mehr als 72.000 Jugendliche aus Österreich, der Schweiz, Deutschland und Südtirol haben sich dafür angemeldet, knapp 46.000 haben daran teilgenommen. Fazit: Das Handy-Fasten brachte eine deutliche Verbesserung des psychischen Wohlbefindens, am stärksten in der Gruppe, die komplett auf das Handy verzichtet hat.
Exakt 45.656 Schülerinnen und Schüler haben die dafür notwendigen wissenschaftlichen Befragungen ausgefüllt. Etwa 32.000 davon kamen in die Versuchsgruppe – kompletter Entzug bzw. Light-Variante – und ca. 14.000 in die Kontrollgruppe, die das Mobiltelefon weiter benutzten. Zwei Drittel haben das Experiment die vollen 21 Tage durchgezogen. Die Jüngeren haben das Ganze eher durchgehalten als die Älteren. Die meisten Rückfälle hat es an Tag 1 gegeben. 16 Prozent aller, die rückfällig geworden sind, haben am ersten Tag ihre Smartphones wieder benutzt. Jene Gruppe, die komplett auf das Smartphone verzichtet hat, hat insgesamt 7.373.016 Stunden am Smartphone eingespart, so die Ergebnisse, die in der Sendung Mittwochabend um 20.15 Uhr in ORF 1 und auf ORF ON mit Host Lisa Gadenstätter zu sehen sind.
Depressionsgefühl ging zurück
Bei der ersten Befragung gaben 58 Prozent an, leichte bis mittelgradige Symptome einer Depression zu verspüren. Acht Prozent hatten mittelgradig schwere und drei Prozent schwere Symptome einer Depression. Nach drei Wochen ist der Anteil jener, die keine Depressionen haben, um etwa 15 Prozent gestiegen. Die leichten bis mittelgradigen Symptome einer Depression sind um ca. zehn Prozent gesunken. Und auch bei den schweren Depressionen hat es einen Rückgang von 2,9 auf 1,7 Prozent gegeben.
Die Ein- und Durchschlafstörungen haben sich um mehr als 20 Prozent verringert. Für Oliver Scheibenbogen, verantwortlicher Psychologe vom Anton Proksch Institut in Wien, das das Experiment begleitet hat, ist dieser Wert beachtlich und zeigt: Es brauche keine Medikamente, um den Schlaf zu verbessern, es reiche einfach, auf das Handy zu verzichten und man merke Verbesserungen, so der Psychologe. Zum Zeitpunkt der ersten Testung wiesen knapp 71 Prozent ein problematisches Internetnutzungsverhalten auf. Nach drei Wochen ist dieser Wert auf 58 Prozent gesunken.
Zwei Drittel der Kinder und Jugendliche wollen Social-Media-Verbot
Zwei Drittel der Schülerinnen und Schüler sprachen sich für ein Social-Media-Verbot aus – bis zum zwölften Lebensjahr sagen 20 Prozent, bis zum 13. Lebensjahr 17 Prozent und bis zum 14. Lebensjahr ebenfalls 20 Prozent. “Über alle Skalen, die wir verwendet haben, sieht man, dass es auch in der Kontrollgruppe eine Verbesserung gegeben hat. Allein durch das Reflektieren und durch die Beschäftigung mit dem eigenen Internet-Nutzungsverhalten hat es hier also Veränderungen zum Positiven gegeben”, sagte Scheibenbogen.
Untersucht wurde, wie sich ein dreiwöchiger Handy-Verzicht auf Schlafqualität, Stress und Wohlbefinden auswirkt. Drei wissenschaftliche Befragungen wurden vor Experimentbeginn (4. März 2026), am Ende des Experiments (24. März 2026) und fünf Wochen nach Ende des Experiments durchgeführt, um den Langzeiteffekt zu messen.
Mittwochvormittag wird Gesundheitsministerin Korinna Schumann (SPÖ) zum Social-Media-Verbot und die Auswirkungen mit Expertinnen und Experten eine Pressekonferenz abhalten. Scheibenbogen nimmt auch daran teil.




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