Zuwanderung wird für Wirtschaft immer wichtiger

60.411 Ausländer in Südtirol

Dienstag, 27. Oktober 2026 | 15:57 Uhr

Von: Redaktion Südtirol News

Bozen – In Südtirol leben 60.411 Menschen mit ausländischer Staatsbürgerschaft. Das entspricht 11,1 Prozent der Bevölkerung. Gegenüber dem Vorjahr ist ihre Zahl um 4,4 Prozent gestiegen.

46,4 Prozent sind zwischen 18 und 44 Jahre alt, 51 Prozent sind Frauen. Diese und weitere Daten enthält das Statistische Jahrbuch zur Einwanderung 2026, das am 27. Oktober in Bozen vorgestellt wurde.

Die Daten stammen aus dem jährlich vom Studien- und Forschungszentrum IDOS herausgegebenen”Dossier Statistico Immigrazione”. Vorgestellt haben die Zahlen die IDOS-Berater Matthias Oberbacher und Fernando Biague gemeinsam mit Astrid Wiest, Direktorin des Amtes für Kinder- und Jugendschutz und soziale Inklusion.

Mit 11,1 Prozent liegt der Anteil der ausländischen Bevölkerung in Südtirol über dem italienischen Durchschnitt von 9,4 Prozent. In Trentino-Südtirol machen ausländische Arbeitskräfte 10,9 Prozent der Beschäftigten aus, italienweit 10,7 Prozent. Die Beschäftigungsquote liegt in der Region bei 73 Prozent, auf gesamtstaatlicher Ebene bei 62,5 Prozent. Für Matthias Oberbacher zeigen die Zahlen die Bedeutung der Zuwanderung für die Südtiroler Wirtschaft: “Wir haben mittlerweile in jedem Sektor ausländische Arbeitskräfte. Würden diese rund elf Prozent wegfallen, würde eine große Lücke entstehen.”

Junge Bevölkerung und zunehmende Vielfalt

60,6 Prozent der Menschen mit ausländischer Staatsbürgerschaft kommen aus europäischen Staaten, 20,6 Prozent aus Asien, 13,6 Prozent aus Afrika und 5,2 Prozent aus Amerika. Die größten Gruppen stammen aus Albanien, Deutschland, Pakistan, Rumänien und Marokko.

Im Schuljahr 2025/26 besuchen 11.687 Schülerinnen und Schüler mit ausländischer Staatsbürgerschaft eine Bildungseinrichtung in Südtirol. Das entspricht 12,9 Prozent aller Schülerinnen und Schüler. Für Astrid Wiest sind aktuelle Daten eine wichtige Grundlage für Integrationsmaßnahmen: “Hinter diesen Zahlen stehen Menschen mit Erwartungen und Perspektiven. Die Statistik hilft uns, Entwicklungen einzuordnen und Grundlagen für politische und administrative Entscheidungen abzuleiten. Bildung und Sprachförderung sind zentrale Voraussetzungen für Inklusion, Teilhabe und ein gutes Zusammenleben.”

Bedeutung für Arbeitsmarkt und Wirtschaft

Auch die Zahl der Unternehmen von im Ausland geborenen Personen ist weiter gestiegen. 2025 gab es in Südtirol 5906 solcher Unternehmen, gegenüber 5528 im Vorjahr. Das entspricht einem Zuwachs von rund 6,8 Prozent. 21,8 Prozent dieser Unternehmen werden von Frauen geführt.

Fernando Biague verwies mit Blick auf die gesamtstaatlichen Daten auf die weiterhin bestehenden Unterschiede am Arbeitsmarkt: “Ausländische Arbeitskräfte sind ein wichtiger Bestandteil des italienischen Arbeitsmarktes, arbeiten jedoch häufig in Bereichen mit niedriger Entlohnung. Gleichzeitig tragen sie auch zu den öffentlichen Finanzen bei: Der Staat nimmt im Zusammenhang mit Einwanderung rund vier Milliarden Euro mehr ein, als er ausgibt. Das liegt unter anderem daran, dass viele ausländische Arbeitskräfte in die Sozial- und Rentenkassen einzahlen, Leistungen aber nicht im selben Umfang in Anspruch nehmen.”

Fernando Biague verwies mit Blick auf die gesamtstaatlichen Daten auf die weiterhin bestehenden Unterschiede am Arbeitsmarkt: “Ausländische Arbeitskräfte sind ein wichtiger Bestandteil des italienischen Arbeitsmarktes, arbeiten jedoch häufig in Bereichen mit niedriger Entlohnung.” (Foto: LPA/Fabio Brucculeri)

Wie Integration vor Ort konkret unterstützt wird, zeigten bei der Tagung zwei Beispiele aus Südtirol: Susanna Vetturelli, Koordinatorin des SAI-Projekts der Bezirksgemeinschaft Burggrafenamt, gab Einblick in die Arbeit des Projekts, während Annamaria Molin, ehrenamtliche Lehrkraft des Vereins Scioglilingua, die Tätigkeit des Vereins vorstellte.

Das Dossier Statistico Immigrazione 2026 wird vom Studien- und Forschungszentrum IDOS gemeinsam mit dem Studienzentrum Confronti und dem Institut für Politische Studien “S. Pio V” erarbeitet. Es enthält aktuelle Daten und Analysen zu Migration und Integration in Italien und Südtirol.  Es ist im Büro der Koordinationsstelle für Integration (KOI) erhältlich und eine Zusammenfassung ist online verfügbar.

Bezirk: Bozen

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