Scharfe Worte von Urzì

Schützen in Bozen: Kritik an Behörden und Appell an Österreich

Montag, 26. Oktober 2026 | 09:45 Uhr
Update

Von: Lukas Unterkofler

Bozen – Mit dem Großen Österreichischen Zapfenstreich hat der Südtiroler Schützenbund am Sonntag auf dem Waltherplatz ein Bekenntnis zu Tirol und Österreich abgelegt.

Landeskommandant Christoph Schmid nutzte den Festakt zum österreichischen Nationalfeiertag auch für deutliche Kritik an staatlichen Behörden und forderte Österreich auf, sich stärker für die Rechte der Südtiroler einzusetzen.

Zahlreiche Schützen, Marketenderinnen, Musikanten und Ehrengäste nahmen an der Zeremonie teil. Auf dem Programm standen der Einmarsch der Formationen, die Hissung der österreichischen Bundesfahne, der Zapfenstreich mit der Musikkapelle Enneberg sowie ein Totengedenken mit Kranzniederlegung und Ehrensalve.

Unter den Gästen waren Landeshauptmann-Stellvertreterin Rosmarie Pamer, Altlandeshauptmann Luis Durnwalder und der österreichische Generalkonsul Wolfgang Lukas Strohmayer sowie weitere Vertreter aus Politik, Gesellschaft und dem Tiroler Schützenwesen.

SSB/Richard Andergassen

In seiner Ansprache betonte Schmid die historische und kulturelle Verbundenheit Südtirols mit Österreich. „Wir sind eine österreichische Minderheit im italienischen Staat“, erklärte der Landeskommandant. Zugleich kritisierte er Schwierigkeiten im Vorfeld der Veranstaltung. Nach Angaben des Schützenbundes hatten staatliche Behörden das Hissen der österreichischen Fahne infrage gestellt und die traditionellen Ehrensalven kurzfristig einschränken wollen.

Schmid forderte Österreich auf, als Schutzmacht die Anliegen der Südtiroler aufmerksam zu verfolgen und sich für den Schutz ihrer Identität einzusetzen. Die Verbundenheit mit Österreich und die Pflege des überlieferten Brauchtums dürften kein Anlass für behördliche Auseinandersetzungen sein, betonte er. Lob sprach der Landeskommandant zudem der Schützenjugend aus, die den Festakt mitgestaltet hatte.

Kritik von Urzì

Kritik an der Veranstaltung kommt von Alessandro Urzì. Der Kamerabgeordnete der FdI äußerte sich diesbezüglich in einem Post auf Facebook. Für ihn unterminiere die Veranstaltung sogar die Autonomie, da sie die Bedeutung jener internationalen Vereinbarungen untergraben, auf denen die Autonomie Südtirols fußt. Er wirft den Schützen vor, mit ihrer österreichischen Kundgebung in Bozen die politische Grundlage der Südtiroler Autonomie und damit das italienisch-österreichische Einvernehmen infrage zu stellen. Seiner Ansicht nach ist die Autonomie die Gegenleistung dafür, dass Österreich die Unveränderlichkeit der Grenze am Brenner anerkennt.

STF stellt sich hinter Schützen

Der Landtagsabgeordnete Sven Knoll (Süd-Tiroler Freiheit) hat die Kritik des Kamerabgeordneten Alessandro Urzì am Großen Österreichischen Zapfenstreich des Südtiroler Schützenbundes auf dem Bozner Waltherplatz zurückgewiesen. Knoll bezeichnete Urzìs Aussagen als Angriff auf die geschichtliche Identität der Südtiroler und als Versuch, das Bekenntnis zu Heimat, Geschichte und Österreich in die Nähe des Nationalsozialismus zu rücken. Wer den Zapfenstreich mit dem „Anschluss“ gleichsetze, betreibe „Geschichtsklitterung“, erklärte Knoll: Die Schützen seien keine Provokateure, sondern erinnerten an die historische Verbundenheit Südtirols mit Österreich. Zugleich betonte er, dass die Autonomie auch auf Österreichs Schutzfunktion und dem Pariser Vertrag von 1946 beruhe. Das Selbstbestimmungsrecht der Völker sei zudem völkerrechtlich verankert. Abschließend dankte Knoll dem Südtiroler Schützenbund für die würdige Gestaltung der Feier anlässlich des österreichischen Nationalfeiertags.

Bezirk: Bozen

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