Südtirols Lehrpersonen schlagen Alarm

“Kaputtgespart wird an den Kindern”

Montag, 26. Oktober 2026 | 10:27 Uhr

Von: Lukas Unterkofler

Bozen – Weniger Zeit für die individuelle Förderung, zu wenig Fachpersonal und zunehmend schwierige Bedingungen im Schulalltag: Die Initiativgruppe „Qualitätsmarke Bildung Südtirol“ warnt vor einer Verschlechterung der Bildungsqualität. In einem offenen Brief wenden sich Lehrpersonen direkt an die Eltern und fordern mehr Ressourcen, zusätzliche Unterstützung und bessere Gehälter.

Immer weniger Schülerinnen und Schüler würden die angestrebten Bildungsziele erreichen, schreibt die Gruppe. Das zeigten sowohl die PISA- und INVALSI-Ergebnisse als auch die täglichen Erfahrungen im Unterricht. Als Gründe nennen die Lehrpersonen unter anderem die gestiegene Komplexität im Schulalltag, mehr Kinder mit psychischen Problemen oder Diagnosen, sprachliche Defizite, bürokratische Belastungen und fehlendes Personal. Auch zahlreiche Zusatzaufgaben würden wertvolle Zeit kosten.

An vielen Schulen sei die Situation inzwischen so angespannt, dass regulärer Unterricht, konzentriertes Arbeiten und positive soziale Erfahrungen kaum noch möglich seien. Die Lehrpersonen verweisen dabei auch auf Vorfälle mit Waffen an Schulen und auf Drogendealer im Umfeld von Schulgebäuden. Die politische Aussage, dass die Schule nicht alles leisten könne, sei angesichts dieser Herausforderungen für die Betroffenen schwer nachvollziehbar.

Die Initiativgruppe stellt drei zentrale Forderungen: Lehrpersonen sollen mehr Zeit für die Arbeit mit einzelnen Schülerinnen und Schülern erhalten, auch in Mittel- und Oberschulen soll die Förderung in Kleingruppen möglich sein. Zudem brauche es mehr Sprachförderung durch geschultes Personal sowie zusätzliche psychosoziale Unterstützung durch Schulsozialpädagogen, Counselor und Psychologen. Schließlich seien konkurrenzfähige Gehälter notwendig, um qualifizierte Lehrpersonen nach Südtirol zu holen und langfristig im Land zu halten.

Mit Blick auf die anstehende Haushaltsdebatte und die laufenden Gehaltsverhandlungen stellt die Gruppe die Frage, welchen Stellenwert die Bildungspolitik den Schulen tatsächlich einräume. Der offene Brief  sei kein leichtfertiger Protest, sondern ein „Hilferuf“ für die Kinder und Jugendlichen sowie für die Zukunft des Landes. Die Lehrpersonen rufen die Eltern dazu auf, sich gemeinsam für bessere Bildungsbedingungen einzusetzen.

Bezirk: Bozen

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