"Lohnzurückhaltung muss aufhören"

AFI schlägt Alarm: Südtirol altert – Arbeitskräftemangel verschärft sich

Freitag, 26. Juni 2026 | 16:38 Uhr

Von: luk

Bozen – Südtirols Arbeitsmarkt steht vor großen Herausforderungen: Die Bevölkerung wird älter, der Fachkräftenachwuchs wird knapper und insbesondere im öffentlichen Sektor droht eine massive Pensionierungswelle. Davor warnt das Arbeitsförderungsinstitut (AFI) in einer aktuellen Analyse zur Beschäftigungsstruktur im Land.

Demnach waren im Jahresdurchschnitt 2025 insgesamt 235.048 Menschen in Südtirol unselbstständig beschäftigt. Rund drei Viertel (75,8 Prozent) arbeiten in der Privatwirtschaft, knapp ein Viertel im öffentlichen Sektor.

Auffällig bleibt die starke Trennung nach Geschlechtern: Während Bau, Industrie und Landwirtschaft überwiegend Männer beschäftigen, dominieren Frauen in den Bereichen Gesundheit, Bildung und öffentliche Verwaltung. Fast jede zweite Frau arbeitet zudem in Teilzeit, bei den Männern ist es nur etwa jeder Neunte.

Besonders besorgniserregend ist laut AFI die Altersstruktur im öffentlichen Dienst. In der öffentlichen Verwaltung sind bereits 57,6 Prozent der Beschäftigten älter als 50 Jahre, im Gesundheitswesen sind es 42,8 Prozent, im Bildungsbereich 40,7 Prozent. Der Anteil der über 60-Jährigen liegt dort ebenfalls deutlich über jenem der Privatwirtschaft. AFI-Direktor Stefan Perini sieht darin eine Folge des jahrelangen Aufnahmestopps im öffentlichen Dienst. Ohne rasch beschleunigte Neueinstellungen könnten wichtige öffentliche Dienstleistungen bald unter erheblichen Personalmangel leiden.

“Lohnzurückhaltung muss aufhören”

AFI-Präsident Stefano Mellarini fordert zudem ein Umdenken bei den Löhnen. Südtirol könne es sich angesichts des internationalen Wettbewerbs um Fachkräfte nicht länger leisten, bei den Gehältern zurückhaltend zu sein. Andernfalls drohe das Land im Wettbewerb um qualifizierte Arbeitskräfte den Anschluss zu verlieren.

Zusätzlichen Druck sieht das AFI durch neue Arbeitsformen. Immer mehr Beschäftigte könnten künftig ortsunabhängig für ausländische Unternehmen arbeiten und dabei von deutlich höheren Gehältern profitieren. Dadurch verschärfe sich der Wettbewerb um Talente weiter. Die „Ressource Mensch“ werde in den kommenden Jahren zu einem der knappsten Faktoren für Südtirols Wirtschaft und den öffentlichen Dienst.

Bezirk: Bozen

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