Dreiländertreffen im Versuchszentrum Laimburg

Bauernverbände fordern starkes EU-Agrarbudget und weniger Bürokratie

Donnerstag, 29. Oktober 2026 | 10:56 Uhr

Von: Redaktion Südtirol News

Pfatten – Das mehrjährige EU-Budget und die Ausgestaltung der EU-Agrarpolitik für die kommenden Jahre standen im Mittelpunkt eines Treffens der Bauernbünde aus Südtirol, Tirol und Bayern im Versuchszentrum Laimburg in Pfatten. Die Vertreter der drei Organisationen sprachen sich klar für ein gut ausgestattetes EU-Budget und weitreichende Vereinfachungen aus, um die vielfältigen Herausforderungen der Landwirtschaft zu bewältigen. Dafür wollen die drei Bauernverbände eng zusammenarbeiten.

In den nächsten Wochen wird sich in Brüssel entscheiden, wie der EU-Finanzrahmen bis 2034 ausgestaltet wird und wie viele Mittel der Landwirtschaft zur Verfügung stehen. Während sich ein Großteil der EU-Staaten für eine angemessene Finanzierung der EU-Politik einsetzt, bremsen Länder wie Deutschland und Österreich. „Wir brauchen ein gut finanziertes EU-Agrarbudget, das auch die Inflation und die gestiegenen Ausgaben berücksichtigt. Nur so können die Bäuerinnen und Bauern den vielfältigen Herausforderungen und dem immer härteren Wettbewerb standhalten“, stellte Bauernbund-Landesobmann Daniel Gasser klar. Beim Agrarbudget gehe es nicht allein um die Landwirtschaft, sondern auch um die Versorgungssicherheit und den Erhalt der vielfältigen Leistungen der Landwirtschaft – etwa die Pflege der Kulturlandschaft. Für Matthias Borst, den stellvertretenden Generalsekretär des Bayerischen Bauernverbandes, sind mindestens 500 Milliarden Euro an EU-Mitteln für die kommenden sieben Jahre notwendig. „Das entspricht gerade einmal 43 Cent pro Tag und Bürgerin bzw. Bürger.“

Zukunft der EU-Agrarpolitik: aktive Landwirte und Unterstützung für Jungbauern

Neben der Finanzierung wurde im Felsenkeller am Versuchszentrum Laimburg auch über die Ausgestaltung der künftigen EU-Agrarpolitik diskutiert. Am Konzept des „aktiven Landwirts“ soll festgehalten werden. Ziel müsse weiterhin eine lebendige Landwirtschaft sein, die selbstverständlich auch die Nebenerwerbslandwirte einschließt. Zudem wollen sich die Bauernverbände für eine sogenannte „Erste-Hektare-Regelung“ einsetzen, die eine Umverteilung der Fördermittel zugunsten kleinerer Betriebe vorsieht. „Für die ersten Hektare soll es mehr Geld geben, wovon insbesondere kleinere Betriebe profitieren“, so Gasser.
Einig waren sich die Vertreter auch darin, dass es ein umfassendes Maßnahmenpaket für den Generationenwechsel braucht. Hilfreich wäre ein Investitions- und Starterpaket für Jungbäuerinnen und Jungbauern, das den Einstieg in die Landwirtschaft attraktiver machen soll. Auch für Hofübernehmerinnen soll es gezielte Förderungen geben.

Auflagen und Naturschutz: mehr Praxisnähe gefordert

Ein Sorgenkind bleibt die zunehmende Bürokratie. „Statt eines Bürokratieabbaus nehmen die Auflagen und Dokumentationspflichten laufend zu“, kritisierte Borst. Als Beispiele nannten die Landwirtschaftsvertreter die EU-Entwaldungsverordnung und die EU-Naturwiederherstellungsverordnung. „Die Entwaldungsverordnung wird in Tirol so umgesetzt, dass die Waldeigentümer möglichst wenig belastet werden“, versicherte Josef Geisler, der Obmann des Tiroler Bauernbundes. Noch größere Sorgen bereiten den Vertretern die Vorgaben zur Renaturierung. Gerade im Berggebiet seien diese besonders schwierig umzusetzen, weil in erster Linie Siedlungsräume und landwirtschaftliche Nutzflächen betroffen seien. „Durch die Renaturierung wird die Lebensmittelproduktion zurückgedrängt, weil Flächen stillgelegt und damit der Produktion entzogen werden. Zugleich wird die Entwicklung der Gemeinden eingeschränkt. Zu allem Überfluss entstehen dadurch extrem hohe Mehrkosten in Milliardenhöhe“, so Geisler. Die Folgen beträfen nicht nur die Landwirtschaft. Auch der private Wohnungsbau und öffentliche Infrastrukturprojekte könnten deutlich teurer werden, weil für jede zusätzliche Flächenversiegelung ein kostenpflichtiger Ausgleich erforderlich sei, unterstrich Josef Hechenberger, Präsident der Tiroler Landwirtschaftskammer. Zudem stelle sich die Frage, wie sinnvoll es sei, den ursprünglichen Naturzustand wiederherzustellen und damit die Entwicklung praktisch zurückzudrehen. Der Südtiroler Bauernbund setzt auf Vereinfachungen und eine praxisnahe Umsetzung. „Mehr Biodiversität muss mit Hausverstand umgesetzt werden“, betonte Bauernbund-Direktor Siegfried Rinner. Grundsätzlich seien die Bauernverbände nicht gegen mehr Naturschutz. Sie forderten jedoch Maßnahmen, die den Gegebenheiten vor Ort Rechnung tragen und in der landwirtschaftlichen Praxis umsetzbar sind.

Klimawandel macht besseres Risikomanagement notwendig

Ein weiteres Thema, das alle drei Verbände beschäftigt, ist der Klimawandel. Die sommerliche Trockenheit hat vielerorts zu Ernteausfällen und in der Folge zu finanziellen Engpässen auf den Betrieben geführt. Ein wirksames Risikomanagement gewinnt deshalb zunehmend an Bedeutung. In Österreich kann das Dürrerisiko über zwei Modelle – das Dürreertragsmodell und das Dürreindexmodell – versichert werden, erklärte Norbert Jordan von der Österreichischen Hagelversicherung. Immer mehr Bäuerinnen und Bauern würden sich gegen Ernteausfälle absichern. In Südtirol sind Versicherungen gegen Witterungseinflüsse bereits seit Langem etabliert. Mit „Isidor“, einer gemeinsamen Gesellschaft des Südtiroler Bauernbundes und des Hagelschutzkonsortiums, soll das Angebot für die Landwirtschaft weiter ausgebaut werden und neue, innovative Produkte dazukommen, berichtete SBB-Landesobmann-Stellvertreter Michael Kaufmann.

Neben einer Versicherung muss vor allem die Bewässerung ausgebaut werden. Auf großes Interesse bei den Landwirtschaftsvertretern aus Tirol und Bayern stieß der geplante landesweite Bewässerungsplan des Landes Südtirol. „Er soll als Planungsinstrument dienen und eine Grundlage für politische Entscheidungen bilden. Nach der vollständigen Digitalisierung aller Wasserentnahmestellen sowie der Erfassung der Kulturen und des Wasserverbrauchs sollen Gebiete mit Wasserdefiziten identifiziert werden. Mit wassersparenden Techniken, Speicherbecken und ähnlichen Maßnahmen soll die Wasserverfügbarkeit verbessert werden“, erläuterte SBB-Direktor Siegfried Rinner.

Sorge bereitet den Landwirtschaftsvertretern die Entwicklung im Pflanzenschutz. „Die Zulassung neuer Wirkstoffe dauert viel zu lange. Wir begrüßen, dass es hier Vereinfachungen und Verbesserungen geben soll. Leider ist der Vorschlag einer unbegrenzten Zulassung derzeit vom Tisch. Eine Zulassung für 15 Jahre ist zwar ein Schritt in die richtige Richtung, aber noch nicht der große Wurf. Ständige Neubewertungen und erneute Zulassungsverfahren führen zu unnötigen Verzögerungen und gefährden den Pflanzengesundheit“, kritisierte Gasser. Er hoffe nun auf ein gutes Verhandlungsergebnis. Entscheidend sei, dass den Bäuerinnen und Bauern rechtzeitig neue Wirkstoffe gegen immer neue Krankheiten und Schädlinge zur Verfügung stünden.

Zum Abschluss waren sich die Vertreter einig, dass eine starke Vernetzung im Alpenraum notwendig ist. Nur durch eine enge Zusammenarbeit könnten die Anliegen der Bäuerinnen und Bauern aus Südtirol, Tirol und Bayern in Brüssel mit einer gemeinsamen, starken Stimme vertreten werden.

Bezirk: Überetsch/Unterland

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