Von: Lukas Unterkofler
Bozen – Die Grünen aus Bozen und Leifers haben heute bei einem Presse-Aperitif die Folgen des neuen Senatswahlkreises Bozen–Leifers beleuchtet. Ihr Fazit: “Die Neuziehung der Wahlkreisgrenzen durch Alessandro Urzì und die SVP verschiebt die Gewichte zwischen Sprachgruppen und Parteien strukturell und grenzt den freien demokratischen Wettbewerb entlang ethnischer Linien ein.”
Für die Grünen ist das ein Rückschritt. “1979 sagte Anton Zelger: ‘Je klarer wir trennen, desto besser verstehen wir uns.’ 1994 hielt Alexander Langer dagegen: ‘Più abbiamo a che fare gli uni con gli altri, meglio ci comprenderemo’ – ‘je mehr wir miteinander zu tun haben, desto besser werden wir uns verstehen.’ Mit dem neuen Wahlkreis kehrt 2026 die alte Logik zurück: Italiener hier, Deutsche dort.”
Dabei seien Bozen und Leifers längst vielfältiger. Sprache bestimme nicht, wie jemand wählt: Italienisch heiße nicht automatisch rechts, Deutsch heiße nicht automatisch SVP. “Der bisherige Wahlkreis zwang dazu, über politische und sprachliche Grenzen hinweg zu überzeugen und Brücken zu bauen. Die neue Einteilung kehrt dieses Prinzip um und trennt zugleich Gebiete, die im Alltag eng miteinander verbunden sind”, so die Grünen.
„80 Jahre nach dem Gruber-De-Gasperi-Abkommen sollten wir uns eine unbequeme Frage stellen: Warum denken wir politische Vertretung im Jahr 2026 immer noch so: hier die Italiener, dort die Deutschen?“, so die Bozner Gemeinderätinnen und Gemeinderäte Chiara Rabini, Cornelia Brugger und Rudi Benedikter. „Gerade Bozen und Leifers müssten doch das Gegenteil beweisen: Dass Sprache nicht bestimmt, wen ich wähle. Die Autonomie hat unsere Unterschiede erfolgreich geschützt. Die Aufgabe der nächsten Jahrzehnte muss sein, endlich mehr Gemeinsames daraus zu machen.“
Besonders betroffen sei Leifers. “Mit 18.624 Einwohnerinnen und Einwohnern ist Leifers die bevölkerungsreichste Gemeinde des Unterlandes und die viertgrößte Stadt des Landes. Die Stadt ist Teil der Bezirksgemeinschaft Überetsch-Unterland, teilt mit Branzoll und Pfatten einen gemeinsamen Sozialsprengel und ist mit dem gesamten Unterland durch Arbeit, Schule, Sport, Dienste und persönliche Beziehungen täglich verbunden. Zugleich pflegt sie enge Beziehungen zu Bozen.”
„Leifers ist keine Insel“, so Luisella Raveane, Gemeinderätin der Grünen in Leifers. „Auf der politischen Landkarte werden Grenzen gezogen, die es im Alltag der Menschen nicht gibt. Die Gefahr ist, Leifers in der Wahlvertretung zu isolieren: indem man es vom Unterland trennt und an eine zahlenmäßig viel größere Landeshauptstadt mit 106.901 Einwohnern anhängt.“
Die Grünen wollen die Frage nun mit den Bürgerinnen und Bürgern diskutieren: “Wollen wir Politik nach Sprachgruppen oder eine Politik, die sie überwindet? Wollen wir Zäune oder Brücken?”




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