Bauernbund gründet Kompetenzzentrum für mehr Arbeitssicherheit in der Landwirtschaft

Deutlicher Rückgang bei Unfällen – jetzt folgt der nächste Schritt

Montag, 03. August 2026 | 16:17 Uhr

Von: Lukas Unterkofler

Bozen – Der Südtiroler Bauernbund (SBB) baut sein Engagement für die Arbeitssicherheit in der Land- und Forstwirtschaft aus und richtet ein neues Kompetenzzentrum für Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz ein. Ziel ist es, das Bewusstsein für Prävention weiter zu stärken, Arbeitsunfälle zu vermeiden und die Sicherheit auf den bäuerlichen Betrieben nachhaltig zu verbessern.

Anlass für den Ausbau sind auch positive Entwicklungen bei den Unfallzahlen. Laut Bauernbund ist die Zahl der Arbeitsunfälle in der Land- und Forstwirtschaft zwischen 2019 und 2024 um knapp 14 Prozent von 1.806 auf 1.556 gesunken. Damit sei der Rückgang deutlich stärker ausgefallen als in der Gesamtwirtschaft, wo die Zahl der Arbeitsunfälle im selben Zeitraum um knapp neun Prozent zurückging.

SBB-Landesobmann Daniel Gasser führte diese Entwicklung auf strengere gesetzliche Vorgaben, sicherere Maschinen sowie die Präventions- und Sensibilisierungsarbeit der bisherigen Stabstelle für Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz zurück. Mit dem neuen Kompetenzzentrum wolle der Bauernbund die Arbeitssicherheit und den Gesundheitsschutz künftig noch stärker als festen Bestandteil des bäuerlichen Alltags verankern.

Das Kompetenzzentrum soll als zentrale Anlaufstelle bestehende Kompetenzen bündeln, Mitglieder beraten und die Zusammenarbeit mit Behörden, Versicherungen sowie weiteren Fachinstitutionen ausbauen. Geplant sind außerdem die Weiterentwicklung bestehender Schulungs- und Sensibilisierungsmaßnahmen, neue Präventionsprojekte sowie fachliche Beiträge zu Richtlinien und Stellungnahmen.

Der im Bauernbund für Arbeitssicherheit zuständige Stephen Gallmetzer Kaufmann erklärte, das Zentrum stütze sich auf drei Säulen: sichere Maschinen und persönliche Schutzausrüstung, sichere Arbeitsabläufe mit Risikobewertungen und Notfallplanung sowie die Förderung einer gelebten Sicherheitskultur durch Aus- und Weiterbildung.

Begleitet wird das Kompetenzzentrum von einem neu eingerichteten Beirat, dem Vertreter des Bauernbundes, der Südtiroler Bauernjugend, des Bäuerlichen Notstandsfonds und der SBB-Weiterbildungsgenossenschaft angehören. Fachleute aus dem In- und Ausland sollen das Gremium zusätzlich unterstützen.

Unterstützung erhält das Projekt auch von der Landespolitik. Landeshauptmann Arno Kompatscher sowie die Landesräte Magdalena Amhof und Luis Walcher haben die ideelle Schirmherrschaft übernommen. Kompatscher betonte, Arbeitsunfälle ließen sich nicht allein durch neue Gesetze verhindern. Entscheidend seien praxistaugliche Regeln und eine gelebte Sicherheitskultur. Als Beispiel nannte er die Südtiroler Arbeitssicherheitsvereinbarung, die ein Pilotprojekt mit eigenen Regelungen ermögliche.

Auch die Freie Universität Bozen beteiligt sich als Partner. Rektor Alex Weissensteiner hob hervor, dass Technik, Organisation, Risikomanagement und Kommunikation wesentliche Bestandteile einer nachhaltigen Sicherheitskultur seien.

Landesbäuerin Antonia Egger verwies auf die hohe Belastung vieler bäuerlicher Familien und mahnte, Arbeiten sorgfältig zu planen, da Unfälle häufig unter Zeitdruck passieren. Der Landesobmann der Südtiroler Bauernjugend, Raffael Peer, verwies auf langjährige Präventionsprojekte wie Traktorgeschicklichkeitswettbewerbe und den Einsatz von Virtual-Reality-Brillen zur Schulung junger Menschen. Der Bäuerliche Notstandsfonds beteiligt sich finanziell an dem Vorhaben.

Das Kompetenzzentrum soll in Kürze seine Arbeit aufnehmen. Es baut auf der bisherigen Stabstelle für Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz auf und führt deren Aktivitäten – darunter Kampagnen zum Hitzeschutz sowie geplante Initiativen zum sicheren Umgang mit Tieren und zur Waldarbeit – in erweiterter Form fort.

Bezirk: Bozen

Kommentare

Aktuell sind 0 Kommentare vorhanden

Kommentare anzeigen