Von: mk
Bozen – Die Umweltbranche befindet sich in einer tiefgreifenden Transformation. Abfallmanagement bedeutet heute nicht mehr nur Sammlung, Transport und Entsorgung. Es geht um Beratung, Rückverfolgbarkeit, Digitalisierung, regulatorische Unterstützung und die Fähigkeit, den Unternehmen nahe zu sein.
Wir haben mit Mauro Santini gesprochen, Bozner Unternehmer und gemeinsam mit seinem Vater Sergio und seinem Bruder Andrea an der Spitze vom Gruppo Santini. Das Familienunternehmen ist fest in Südtirol verwurzelt und setzt seit Jahren auf regionale Nähe, Kundenorientierung und Innovation im Bereich der Umweltdienstleistungen.
Im Entwicklungsweg der Gruppo Santini verbinden sich familiäre Kontinuität und unternehmerische Zukunftsorientierung: auf der einen Seite die im Territorium gewachsene Erfahrung, auf der anderen Seite der Wille, in digitale Instrumente, Organisation und immer kundennähere Dienstleistungen zu investieren.
Herr Santini, wie verändert sich derzeit die Abfallwirtschaft?
Der Sektor verändert sich sehr schnell. Noch vor einigen Jahren wurde unsere Arbeit vor allem als operativer Dienst wahrgenommen: Abholung, Transport und Behandlung von Abfällen. Heute verlangen die Unternehmen deutlich mehr. Gefragt sind technisches Know-how, Unterstützung bei der Dokumentation, regulatorische Beratung, digitale Kompetenz und vor allem konstante Präsenz. Der Kunde sucht nicht einfach einen Lieferanten, sondern einen verlässlichen Partner, der ihn im Tagesgeschäft begleitet.
Ist die Beziehung zum Kunden also zentral geworden?
Absolut. Für uns ist Kundenorientierung ein strategischer Faktor. Das bedeutet: zuhören, schnell reagieren, die spezifischen Bedürfnisse jedes Unternehmens verstehen und konkrete Lösungen anbieten. Jeder Betrieb ist anders: Industrie, Handwerk, Bauwirtschaft, Handel, Landwirtschaft und Tourismus haben jeweils eigene Abläufe, Materialien, Zeitpläne und kritische Punkte. Unsere Aufgabe ist es, maßgeschneiderte Dienstleistungen zu entwickeln, nicht Standardlösungen anzuwenden.
Wie wichtig ist es, ein Unternehmen aus der Region zu sein?
Sehr wichtig. Die regionale Verwurzelung ist eine unserer größten Stärken. Wir sind hier entstanden und gewachsen. Wir kennen die Südtiroler Wirtschaftsstruktur, die lokalen Unternehmen, die Gewerbezonen, die Täler, die Baustellen, die logistischen Anforderungen und auch die operativen Herausforderungen des Gebiets. Nähe zum Kunden ist nicht nur eine geografische Frage. Es bedeutet, die Sprache der Unternehmen zu sprechen, ihre Zeitabläufe zu verstehen, schnell eingreifen zu können und Beziehungen aufzubauen, die auf Vertrauen basieren.
Bleibt die Gruppo Santini also ein Familienunternehmen?
Ja, und das ist für uns ein Wert. Ich führe die Gruppo Santini gemeinsam mit meinem Vater Sergio und meinem Bruder Andrea. Unsere Geschichte ist eine Familiengeschichte, aber mit einem klaren Blick in die Zukunft. Ein Familienunternehmen zu sein bedeutet Kontinuität, direkte Verantwortung und eine sehr konkrete Beziehung zu Kunden, Mitarbeitenden und Territorium. Gleichzeitig wissen wir, dass Wachstum Innovation, Investitionen und einen strukturierten Umgang mit Veränderung erfordert.
Eine der wichtigsten Neuerungen betrifft den digitalen FIR. Wie bereiten Sie sich darauf vor?
Der digitale FIR, also der digitale Abfallbegleitschein, ist einer der relevantesten Schritte für unsere Branche. Ab September beginnt eine entscheidende Phase für die digitale Verwaltung des Formulars, mit erheblichen Auswirkungen auf Unternehmen, Transporteure und Empfänger. Für viele Betriebe wird dies eine wichtige organisatorische Umstellung. Unser Ziel ist es, die Kunden Schritt für Schritt zu begleiten und zu vermeiden, dass Digitalisierung als zusätzliche bürokratische Belastung wahrgenommen wird.
Welche Rolle wird Ihr Unternehmen in dieser Übergangsphase spielen?
Wir werden an der Seite der Unternehmen stehen. Es geht nicht nur darum, ein neues digitales Instrument zu verwenden, sondern den gesamten Prozess korrekt zu organisieren: Ausstellung des Formulars, Datenmanagement, Rückverfolgbarkeit und Abstimmung zwischen Erzeuger, Transporteur und Empfänger. Viele Unternehmen werden operative und beratende Unterstützung benötigen. Wir wollen ein konkreter Ansprechpartner sein, der gesetzliche Vorgaben in einfache, klare und umsetzbare Abläufe übersetzt.
Sind die Unternehmen auf diesen Schritt vorbereitet?
Einige ja, andere weniger. Größere und stärker strukturierte Unternehmen haben bereits Digitalisierungsprozesse gestartet. Viele kleine und mittlere Betriebe müssen dagegen aufmerksam begleitet werden. Es ist normal, dass Fragen entstehen. Wenn sich ein so wichtiges Dokumentationssystem verändert, braucht es Zeit für die Anpassung. Gerade deshalb wird Kundennähe entscheidend: Man muss vor, während und nach der Umstellung präsent sein.
Kann Digitalisierung die Abfallwirtschaft wirklich vereinfachen?
Ja, wenn sie korrekt eingeführt wird. Digitalisierung kann Fehler reduzieren, die Rückverfolgbarkeit verbessern, den Informationsaustausch beschleunigen und die gesamte Lieferkette transparenter machen. Man darf jedoch nicht glauben, dass eine Plattform allein genügt. Technologie funktioniert nur dann, wenn dahinter Kompetenz, Organisation und gut vorbereitete Menschen stehen. Der eigentliche Mehrwert liegt weiterhin in der Fähigkeit, den Kunden im Alltag zu unterstützen.
Wird Ihre Arbeit also immer stärker beratungsorientiert?
Ja. Der operative Teil bleibt grundlegend, reicht heute aber nicht mehr aus. Ein Unternehmen, das Abfälle produziert, muss wissen, wie diese korrekt klassifiziert werden, wie sie zu handhaben sind, welche Dokumente erforderlich sind, welche Verantwortlichkeiten bestehen und wie kritische Situationen vermieden werden können. Deshalb entwickelt sich unsere Rolle weiter: Wir sind nicht nur ein Umwelt-Dienstleister, sondern ein Partner der Unternehmen für ein korrektes, sicheres und effizientes Abfallmanagement.
Wie wichtig ist die Schnelligkeit im Service?
Sie ist entscheidend. In vielen Produktionsbereichen kann eine Verzögerung bei der Abfallbewirtschaftung operative Probleme verursachen: Stillstände, Platzmangel oder dokumentarische Schwierigkeiten. Unsere Organisation setzt genau auf die Fähigkeit, schnell zu reagieren. Nähe zum Kunden bedeutet auch Kontinuität, Flexibilität und Präsenz in den Momenten, in denen sie gebraucht wird.
Bleibt Nachhaltigkeit ein zentrales Thema?
Ja, aber sie muss konkret verstanden werden. Für uns bedeutet Nachhaltigkeit, Abfälle besser zu bewirtschaften, Verwertung zu fördern, wo sie möglich ist, Ineffizienzen zu reduzieren, Prozesse zu verbessern und Unternehmen dabei zu unterstützen, verantwortungsvoller zu arbeiten. Nachhaltigkeit darf nicht nur kommuniziert werden. Sie muss täglich umgesetzt werden – durch operative Entscheidungen, Investitionen und messbare Verhaltensweisen.
Was ist die wichtigste Herausforderung für die kommenden Jahre?
Die Herausforderung wird darin bestehen, drei Dimensionen zusammenzuführen: Territorium, Digitalisierung und Kundenservice. Der Markt wird immer mehr Rückverfolgbarkeit, Präzision und Kompetenz verlangen. Gleichzeitig werden Unternehmen Ansprechpartner brauchen, die nahe sind, Probleme lösen und nicht nur auf Pflichten hinweisen. Technologie wird unverzichtbar sein, aber die menschliche Beziehung bleibt zentral.
Was erwarten Sie vom lokalen Wirtschafts- und Institutionensystem?
Wir erwarten Zusammenarbeit, Klarheit und Pragmatismus. Die ökologische und digitale Transformation betrifft alle: Unternehmen, Dienstleister, Verbände, öffentliche Körperschaften und Institutionen. Es braucht klare Regeln, tragfähige Fristen und einen kontinuierlichen Dialog. Die Umweltbranche ist strategisch für das Territorium, weil sie es den Unternehmen ermöglicht, geordneter, sicherer und wettbewerbsfähiger zu arbeiten.
Welche Botschaft möchten Sie Ihren Kunden mitgeben?
Die Botschaft ist einfach: Sie werden nicht allein sein. Die bevorstehenden Veränderungen, angefangen bei der vollständigen operativen Einführung des digitalen FIR, erfordern Aufmerksamkeit, Organisation und Methode. Wir werden weiterhin das tun, was wir immer getan haben: den Unternehmen nahe sein, ihre Bedürfnisse anhören und seriöse, pünktliche und territorial verankerte Umweltlösungen anbieten.




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