57 Tage arbeiten Frauen "gratis"

Equal Pay Day fällt heuer auf den 5. November

Sonntag, 01. November 2026 | 09:24 Uhr

Von: importer

Der Equal Pay Day fällt heuer auf den 5. November. Er markiert den Tag, an dem Männer im Durchschnitt das Jahresgehalt von Frauen erreicht haben. 57 Tage müssen Frauen daher quasi “gratis” arbeiten. Die Lohnschere zwischen den Geschlechtern beträgt bei Vollzeitarbeit 15,5 Prozent, 2025 waren es noch 16,3 Prozent. Bei der Umsetzung der Lohntransparenz, die häufig als Mittel zur Verkleinerung des Gender Pay Gaps gefordert wird, kommt die Regierung seit längerem nicht voran.

Die Lohnlücke ist in den vergangenen Jahren stetig geschrumpft. So fiel der Equal Pay Day vor zehn Jahren noch auf den 11. Oktober und im Vorjahr auf den 2. November. Das Datum berechnet die Arbeiterkammer Oberösterreich auf Basis der durchschnittlichen Jahres-Bruttobezüge ganzjährig vollzeitbeschäftigter Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen, Basis ist die aktuellste verfügbare Lohnsteuerstatistik der Statistik Austria aus dem Jahr 2024.

Das Jahreseinkommen der Männer lag demnach bei 67.988 Euro und damit 10.542 Euro über jenem der Frauen. Die größte Lücke innerhalb Österreichs gibt es weiterhin in Vorarlberg (21,7 Prozent), die kleinste in Wien (10,6 Prozent). In Vorarlberg findet der Equal Pay Day daher schon am 13. Oktober statt, in Wien mit dem 23. November mehr als ein Monat später. Dazwischen liegen Oberösterreich (23. Oktober), Tirol (26. Oktober), Salzburg (29. Oktober), die Steiermark (30. Oktober), Kärnten (3. November), Niederösterreich (4. November) und das Burgenland (7. November).

Lohntransparenz im Verzug

Als Gründe für den Gender Pay Gap gelten etwa die Berufswahl von Männern und Frauen und die ungleiche Aufteilung von Care-Arbeit. Daraus ergibt sich für Frauen auch eine höhere Teilzeitquote und eine längere und häufigere Inanspruchnahme von Karenzen. Um ungleiche Bezahlung in Betrieben zu vermeiden, wird indes häufig nach Lohntransparenz gerufen.

Eine entsprechende Richtlinie der EU hätte Österreich eigentlich schon am 7. Juni umsetzen müssen. Kurz davor hatte Sozialministerin Korinna Schumann (SPÖ) einen Entwurf vorgelegt, auf den sich die Koalition bisher aber nicht geeinigt hat. Dieser sieht u. a. vor, dass Unternehmen ab 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Einkommensberichte erstellen müssen. Bei mehrmaligen Verstößen gegen die neuen Transparenzpflichten drohen Verwaltungsstrafen von bis zu 60.000 Euro.

“Ich habe einen in über 30 Sozialpartner-Verhandlungen erarbeiteten Gesetzesentwurf in die Regierungskoordinierung geschickt. Seitdem warten wir auf Rückmeldungen der Koalitionspartner dazu”, kommentierte Schumann die Situation auf Anfrage. Mit den Sozialpartnern hatte es am Ende keine Einigung gegeben, vor allem die Wirtschaftskammer warnte immer wieder vor einer Belastung für Betriebe. “Die zeitnahe Umsetzung der Richtlinie steht im Regierungsprogramm, die Richtlinie ist umzusetzen”, sagte Schumann weiters. “Ich habe in meinem Haus das Geld für etwaige Strafzahlungen nicht.” Setzt die Regierung die Richtlinie nicht um, könnte das zu einem Vertragsverletzungsverfahren der EU führen, wobei in letzter Konsequenz Strafzahlungen drohen.

Auch ÖVP und NEOS wollen Lohnlücke reduzieren

Die NEOS betonten einmal mehr, gegen “Gold Plating” zu sein und den Unternehmen nicht mehr, sondern weniger Steine in den Weg legen zu wollen. Gleichzeitig wolle man das Problem der Lohnlücke angehen, betonten die Pinken. Die ÖVP hatte in der Vergangenheit eine Einigung mit den Sozialpartnern vermisst.

Die geschäftsführende Leiterin der ÖVP-Frauen, Nationalratsabgeordnete Margreth Falkner, betonte nun gegenüber der APA, grundsätzlich für die Umsetzung der Richtlinie zu sein. Der Ball liege jetzt beim Sozialministerium. Sie sprach sich dafür aus, schrittweise und bei größeren Unternehmen zu beginnen. Es brauche klare Regeln, die Transparenz schaffen und persönliche Gehaltsdaten schützen. Gleicher Lohn für gleiche und gleichwertige Arbeit müsse selbstverständlich sein. Sie sprach sich neben Einkommenstransparenz auch für automatisches Pensionssplitting, Finanzbildung und mehr Möglichkeiten für Väter, Verantwortung in der Familie zu übernehmen, aus.

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