Südtiroler Weltläden präsentieren ihren ersten eigenen Kaffee

Fairness zum Aufbrühen

Dienstag, 16. Juni 2026 | 13:12 Uhr

Von: mk

Bozen – Kaffee steht in Südtirol auf den meisten Küchentischen, in Büros und Bars. Für Millionen Kleinbäuerinnen und -bauern weltweit ist Kaffee die Grundlage ihrer Existenz. Das Interesse war groß, als die Südtiroler Weltläden heute in Bozen neben dem Dom ihre drei neuen Kaffees präsentierten. Freiwillige, Kunden, Interessierte und Medienvertreter nutzten die Gelegenheit, sie zu verkosten und mehr über die Herkunft der Bohnen zu erfahren. Erhältlich sind der neue Filterkaffee, Moka-Kaffee und Espresso ausschließlich in den 13 Südtiroler Weltläden.

Die neuen Weltladen-Kaffees entstanden in Zusammenarbeit mit der Südtiroler Traditionsrösterei Alps Coffee aus Rabland. Die Wahl fiel auf das Familienunternehmen, weil es seit mehr als zehn Jahren mit Fairtrade zusammenarbeitet und erst kürzlich von Fairtrade Italia als „Fairtrade Best Partner“ ausgezeichnet wurde. Alps Coffee röstet seit 1890 Kaffee in Südtirol und wird in vierter Generation geführt. Die drei neuen Kaffees entstanden in enger Zusammenarbeit zwischen Vertreter*innen der Südtiroler Weltläden und Alps Coffee. Erhältlich sind ein Filterkaffee aus 100 Prozent Arabica-Bohnen (gemahlen, 250 Gramm), ein Moka-Kaffee (gemahlen, 250 Gramm) sowie ein kräftiger Espresso in Bohnenform (500 Gramm) für Siebträgermaschinen und Kaffeevollautomaten. Alle drei Sorten stammen aus biologischem Anbau und sind Fairtrade-zertifiziert. Die Arabica-Bohnen kommen aus Peru, Honduras und Mexiko, die Robusta-Bohnen aus Indien.

Richard Theiner, Vorsitzender des Weltladens Latsch und Mitinitiator des Projekts, sagt: „Kaffee ist eines der bekanntesten Produkte des Fairen Handels und für viele Menschen ein täglicher Begleiter. Mit dem neuen Weltladen-Kaffee schaffen wir erstmals ein gemeinsames Produkt für alle 13 Südtiroler Weltläden. Es stärkt die Zusammenarbeit der Läden und zeigt, wie Fairer Handel schmeckt.“ Die Idee für einen eigenen Kaffee entstand aus mehreren Überlegungen: Die Weltläden wollten ihre gemeinsame Identität stärken und ihre Rolle als Fachgeschäfte für Fairen Handel sichtbar machen. Während fair gehandelte Produkte heute auch in vielen Supermärkten erhältlich sind, sind die neuen Weltladen-Kaffees ausschließlich in den 13 Südtiroler Weltläden erhältlich. Das Projekt verbindet globale Verantwortung mit regionaler Wertschöpfung in Südtirol.

Der Verkauf fair gehandelter Produkte ist nur eine von drei Säulen der Weltläden. Ebenso wichtig sind Informations- und Bildungsarbeit sowie das gesellschaftliche Engagement für gerechtere Handelsstrukturen. Fairer Handel braucht weiterhin Orte, an denen Menschen Fragen stellen und globale Zusammenhänge verstehen können. Genau diese Rolle übernehmen Weltläden seit Jahrzehnten: Sie schaffen Bewusstsein für gerechtere Handelsbeziehungen, nachhaltigen Konsum und die Lebensrealitäten von Produzentinnen und Produzenten weltweit. Damit tragen sie dazu bei, dass Fairer Handel in der Gesellschaft verankert bleibt und auch in Zukunft Wirkung entfalten kann. Brigitte Gritsch, Koordinatorin des Netzwerks der Südtiroler Weltläden, erklärt: „Mit dem Weltladen-Kaffee erzählen wir die Geschichte des Fairen Handels auf besonders greifbare Weise. Kaffee eröffnet Gespräche über Herkunft, Handel und globale Zusammenhänge. Genau dafür stehen die Weltläden seit 46 Jahren.“ Die Weltläden stehen auch für Freiwilligenarbeit. 272 Freiwillige schenken jedes Jahr über 36.000 Ehrenamtsstunden, das sind mehr als 19 Vollzeitstellen. Sie verkaufen unter anderem Kaffee und Lebensmittel, Kunsthandwerk und Kosmetik, machen Bestellungen und gestalten Schaufenster. Auch die Grafik der Verpackungen der neuen Weltladen-Kaffees hat Katharina Pitscheider aus Latsch ehrenamtlich beigesteuert.

Rudi Dalvai, Mitbegründer von Altromercato, ehemaliger Präsident der World Fair Trade Organization (WFTO) und Präsident des Weltladens Bozen, verweist auf die besondere Bedeutung des Kaffees für den Fairen Handel: „Kaffee war eines der ersten Produkte, mit denen der Faire Handel in Südtirol breite Bevölkerungsschichten erreicht hat. Hinter jeder Tasse stehen Menschen, Familien und ganze Dorfgemeinschaften. Faire Preise schaffen Perspektiven und ermöglichen Investitionen in Bildung, Gesundheit und die Zukunft.“

Stefan Schreyögg von Alps Coffee sagt: „Als die Südtiroler Weltläden mit der Idee eines gemeinsamen Kaffees auf uns zukamen, waren wir sofort begeistert. Uns hat die Verbindung von fair gehandelten Rohkaffees, biologischem Anbau und lokaler Röstkunst überzeugt. Gemeinsam haben wir Kaffees entwickelt, die ihre Herkunft erkennen lassen und zugleich den Geschmacksvorlieben vieler Südtirolerinnen und Südtiroler entsprechen.“

Weltweit werden jedes Jahr rund zehn Milliarden Kilogramm Kaffee produziert. Kaffee sichert rund 125 Millionen Menschen den Lebensunterhalt, doch viele Kaffeebäuerinnen und -bauern profitieren kaum von diesem Milliardenmarkt. Ihre Einkommen hängen von schwankenden Weltmarktpreisen ab und reichen oft nicht aus, um die Produktionskosten zu decken. Rund 80 Prozent des Kaffees kommen von kleinen Familienbetrieben, die kaum Reserven haben, um Ernteausfälle, steigende Kosten oder die Folgen des Klimawandels aufzufangen. Höhere Temperaturen, extreme Wetterereignisse, Schädlinge und Krankheiten gefährden die Ernten zusätzlich. Weniger als zehn Prozent des weltweit gehandelten Kaffees werden zu Fair-Handels-Bedingungen verkauft. Fairer Handel schafft mehr Stabilität durch Mindestpreise, langfristige Handelsbeziehungen und schüttet zusätzliche Prämien für soziale und ökologische Projekte aus.

Weitere Informationen: weltladen.bz.it

Bezirk: Bozen

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