Von: mk
Bozen/Trient – Die führenden Genossenschaftsverbände des Trentino-Südtirol vernetzen sich. Getragen vom gemeinsamen Willen, die Herausforderungen der Zukunft partnerschaftlich zu bewältigen, bündeln sie ihre Kompetenzen, Erfahrungen und strategischen Perspektiven. Aus dieser wertvollen und konkreten Zusammenarbeit entsteht ein gemeinsamer Entwicklungsprozess mit dem Ziel, die Rolle der Genossenschaften für die wirtschaftliche, soziale und gesellschaftliche Entwicklung des Trentino-Südtirol nachhaltig zu stärken.
Die drei führenden Vertretungsorganisationen des Genossenschaftswesens in Trentino-Südtirol – der Raiffeisenverband Südtirol, Coopbund Alto Adige Südtirol und die Federazione Trentina della Cooperazione – starten einen strukturierten Dialog- und Kooperationsprozess mit dem Ziel, die Rolle der Genossenschaften als tragende Säule der wirtschaftlichen, sozialen und gesellschaftlichen Entwicklung der Region weiter zu stärken.
Die Initiative beruht auf der gemeinsamen Überzeugung, dass den Genossenschaftsverbänden in einer Zeit tiefgreifender wirtschaftlicher, gesellschaftlicher und technologischer Veränderungen eine Schlüsselrolle zukommt. Als leistungsfähige, kompetente und regional fest verankerte Organisationen unterstützen sie Genossenschaften dabei, Zukunftsprozesse aktiv zu gestalten – von Innovation und Wachstum bis hin zu Weiterentwicklung und Transformation.
Das Genossenschaftswesen weist in den beiden autonomen Provinzen unterschiedliche Strukturen auf. Im Trentino ist die Federazione Trentina della Cooperazione seit mehr als zwanzig Jahren die einzige Vertretungsorganisation des Genossenschaftswesens und repräsentiert nahezu alle im Land tätigen Genossenschaften.
Der neu gewählte Präsident der Federazione Trentina della Cooperazione, Renato Dalpalù: „Die Einheit unseres Systems ist ein prägendes Merkmal des Trentiner Genossenschaftswesens. Sie geht auf weitsichtige Persönlichkeiten zurück, die in den 1990er-Jahren die Grundlagen dafür geschaffen haben, dass sich die überwiegende Mehrheit der Trentiner Genossenschaften unter dem Dach einer gemeinsamen Vertretungsorganisation zusammengeschlossen hat. Diese Organisation kann heute auf 130 Jahre Erfahrung und ein enges Netzwerk im gesamten Land bauen. Darüber hinaus pflegt die Federazione enge und konstruktive Beziehungen zu den wichtigsten Institutionen und lokalen Körperschaften sowie eine starke nationale Anbindung über Confcooperative. Ergänzt wird dies durch die Zusammenarbeit mit operativen und branchenspezifischen Einrichtungen, die den beiden führenden Genossenschaftsverbänden in Italien zugeordnet sind.“
In Südtirol repräsentieren der Raiffeisenverband Südtirol und Coopbund Alto Adige Südtirol gemeinsam den weitaus größten Teil des Genossenschaftswesens. Dies gilt sowohl für die Zahl der angeschlossenen Genossenschaften als auch für deren wirtschaftliche und gesellschaftliche Bedeutung in den verschiedenen Branchen.
Mit der Unterzeichnung einer Vereinbarung zur Intensivierung ihrer Zusammenarbeit haben die beiden Vertretungsorganisationen ihre Partnerschaft weiter gefestigt. Heute sind sie die zentralen institutionellen Ansprechpartner des Südtiroler Genossenschaftswesens.
Herbert Von Leon, Obmann des Raiffeisenverbandes Südtirol: „Genossenschaften stellen das Wir über das Ich. Dieses Prinzip hat sie über Generationen hinweg stark gemacht – und genau darin liegt auch ihre Zukunft. Mit unserem gemeinsamen Dialog wollen wir eine Plattform schaffen, auf der Ideen entstehen, Erfahrungen geteilt und Zukunft gemeinsam gestaltet wird. So entwickeln wir das Genossenschaftsmodell konsequent weiter und sorgen dafür, dass seine Werte auch in einer sich wandelnden Welt gemeinsam Orientierung, Zusammenhalt und wirtschaftliche Stärke geben.“
Monica Devilli, Präsidentin von Coopbund Alto Adige Südtirol: „Genossenschaften erwarten heute nicht nur Vertretung ihrer Interessen, sondern auch Orientierung, Fachkompetenz und Begleitung. Unsere Aufgabe ist es, sie bei den Herausforderungen des Wandels zu unterstützen und Innovation, Wachstum und Entwicklung zu fördern, damit sie auch künftig wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Mehrwert für unsere Gemeinschaften schaffen können.”
Ein weiteres wesentliches Merkmal liegt in der nationalen Einbindung der beteiligten Organisationen. Alle drei Verbände sind Teil der großen gesamtstaatlichen Genossenschaftsorganisation Confcooperative. Die Federazione Trentina della Cooperazione, die traditionell Confcooperative angehört, vertritt infolge des Vereinigungsprozesses zu Beginn der 2000er-Jahre im Trentino auch Legacoop. Coopbund Alto Adige Südtirol gehört ebenso Legacoop an. Dieses Netzwerk auf nationaler Ebene schafft einen bedeutenden Mehrwert, da es den Austausch von Erfahrungen, Fachkompetenz, Projekten und bewährten Verfahren ermöglicht.
Der heute gestartete Dialogs- und Kooperationsprozess stellt einen weiteren Schritt auf dem Weg zu einer noch engeren Zusammenarbeit des Genossenschaftswesens dar, um die strategischen Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft gemeinsam zu bewältigen. Während im Trentino seit jeher eine einzige Vertretungsorganisation besteht, die aus einem Dialog- und Reflexionsprozess zu Beginn des neuen Jahrtausends hervorgegangen ist, ist das Genossenschaftswesen in Südtirol durch mehrere Organisationen geprägt. Gerade deshalb kommt der Zusammenarbeit der führenden Vertretungsorganisationen eine besondere Bedeutung zu. Sie stärkt die Qualität der Interessenvertretung und die gemeinsame Dialog- und Handlungsfähigkeit gegenüber den Institutionen.
Die drei Vertretungsorganisationen verbindet eine gemeinsame Vision: Sie wollen ein starkes, modernes und innovatives Genossenschaftswesen fördern, das den Bedürfnissen der Menschen und der Gesellschaft gerecht wird. Dabei stehen die genossenschaftlichen Grundwerte – gegenseitige Hilfe, demokratische Mitbestimmung, gesellschaftliche Verantwortung und die Orientierung am Menschen – im Mittelpunkt ihres Handelns.
Gerade heute sind Genossenschaften ein unverzichtbares Instrument, um den tiefgreifenden wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und demografischen Veränderungen zu begegnen. Sie schaffen Entwicklung, Beschäftigung, sozialen Zusammenhalt, Teilhabe und neue Zukunftsperspektiven – mit dem Anspruch, niemanden zurückzulassen.
Der nun gestartete Prozess geht weit über den institutionellen Austausch hinaus. Er schafft einen dauerhaften Rahmen für Dialog, Erfahrungsaustausch und Zusammenarbeit zu den strategischen Zukunftsthemen des Genossenschaftswesens. Im Mittelpunkt stehen Innovation, Nachhaltigkeit, Generationenwechsel, Digitalisierung, Aus- und Weiterbildung, die Attraktivität des Genossenschaftsmodells sowie die Stärkung der genossenschaftlichen Kultur.
Mit dieser Initiative bekräftigen die drei Vertretungsorganisationen ihren Anspruch, eine kompetente, verlässliche und regional fest verankerte Interessenvertretung zu sein. Sie wollen gesellschaftliche Veränderungen aktiv aufgreifen, Genossenschaften auf ihrem Entwicklungsweg begleiten und so einen konkreten Beitrag zur wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und kulturellen Entwicklung des gesamten Trentino-Südtirol leisten.
Das heutige Treffen bildet den Auftakt eines langfristig angelegten Prozesses, der durch regelmäßigen Austausch, gemeinsame Initiativen und abgestimmte Vorschläge weitergeführt werden soll. Dahinter steht die gemeinsame Überzeugung, dass ein starkes, glaubwürdiges und zukunftsorientiertes Genossenschaftswesen auch von der Fähigkeit seiner Vertretungsorganisationen lebt, den Dialog zu suchen, Erfahrungen zu teilen, Partnerschaften zu schaffen und gemeinsam zum Wohl der Genossenschaften und des gesamten Landes zu handeln.




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