WIFO – Wirtschaftsbarometer Sommer 2026

 Landwirtschaftliche Genossenschaften: Geschäftsklima trübt sich ein

Mittwoch, 22. Juli 2026 | 09:56 Uhr

Von: mk

Bozen – Die Einschätzungen der Südtiroler landwirtschaftlichen Genossenschaften zur Ertragslage und zu den Auszahlungspreisen im laufenden Jahr werden durch steigende Energiekosten und eine schwache Umsatzentwicklung belastet, insbesondere im Weinbau. Dies geht aus der jüngsten Erhebung des Wirtschaftsbarometers des WIFO – Institut für Wirtschaftsforschung der Handelskammer Bozen hervor.

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Im Obstbau verlief die Vermarktung der Ernte 2025 lange Zeit positiv, gestaltete sich in den letzten Monaten jedoch zunehmend herausfordernd. Hohe Lagerbestände in Europa, eine verhaltene Nachfrage und internationale Unsicherheiten wirkten sich auf den Absatz aus. In der letzten Phase der Vermarktungssaison vor der neuen Ernte steht daher die Vermarktung der verbliebenen Mengen im Fokus. Im Juni lagen die Lagerbestände in Trentino-Südtirol nämlich um rund 25 Prozent über dem Niveau der vergangenen zwei Jahre, wobei es deutliche Unterschiede zwischen den Sorten gibt. Für die heurige Apfelernte sind die Voraussetzungen aufgrund der bisherigen Witterungsbedingungen grundsätzlich günstig. Insgesamt sollten die Ertragslage und die an die Bauern ausgezahlten Preise zufriedenstellend, aber selten wirklich gut ausfallen. Dies hängt auch mit der hohen Unsicherheit über die Auswirkungen der Inflation auf den Konsum sowie mit dem Kostendruck bei Transport, Verpackung und Produktion zusammen.

In der ersten Jahreshälfte mussten die Milchgenossenschaften einen deutlichen Rückgang der internationalen Milchpreise verkraften. Die teilweise Erholung der vergangenen zwei Monate und die hohen Sommertemperaturen, die den Konsum frischer Milchprodukte begünstigen, dürften zu einer Belebung der Umsätze auf dem italienischen Markt beitragen, während für den Auslandsabsatz ein Rückgang erwartet wird. Die Ertragslage wird zudem durch den starken Anstieg der Produktionskosten wie Energie und Verpackungsmaterial infolge der Krise im Nahen Osten belastet. Zeitgleich ist es kaum möglich, diese Kosten an den Markt weiterzugeben. Dies wirkt sich negativ auf die Auszahlungspreise aus. Heuer dürfte sich die Investitionstätigkeit vor allem auf Gebäude konzentrieren und gegenüber 2025 zunehmen.

Ein Drittel der Kellereigenossenschaften meldet für das laufende Jahr eine unbefriedigende Ertragslage. Im Weinsektor wird die Umsatzentwicklung weiterhin von der schwachen Nachfrage gebremst, sowohl auf dem Südtiroler Markt als auch im Ausland. Der Rückgang des Konsums ist zum Teil auf den inflationsbedingten Kaufkraftverlust bei Touristen und Haushalten zurückzuführen, zum Teil aber auch auf neue Konsumgewohnheiten der jüngeren Generationen. Hinzu kommen die Auswirkungen der US-Zölle und der internationalen geopolitischen Spannungen auf den Export.

Der Präsident der Handelskammer Bozen, Michl Ebner, erklärt: „Nach einigen sehr positiven Jahren steht die Südtiroler Landwirtschaft vor neuen Herausforderungen. Es ist wichtig, weiterhin in die Qualität der Produkte sowie in die Aus- und Weiterbildung der Bäuerinnen und Bauern zu investieren, um sich in einem schwierigen Marktumfeld einen Wettbewerbsvorteil zu sichern.“

Bezirk: Bozen

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