US-Präsident Trump sorgt für Unsicherheiten auf den Märkten

Schweizer SNB hält an Nullzins fest

Donnerstag, 18. Juni 2026 | 12:58 Uhr

Von: APA/Reuters

Trotz der anziehenden Inflation belässt die Schweizerische Nationalbank (SNB) den Leitzins auf dem niedrigsten Niveau aller größeren Währungsräume. Der SNB-Leitzins bleibe unverändert bei null Prozent, teilte die Notenbank am Donnerstag mit und entschied damit wie von Volkswirten erwartet.

Ausgelöst von den durch den Konflikt im Nahen Osten hochgeschossenen Energiepreisen dürfte die Inflation in der Schweiz zwar in den nächsten Quartalen noch leicht ansteigen, danach jedoch wieder etwas zurückgehen. Der mittelfristige Inflationsdruck habe sich kaum verändert.

Lage weiterhin unsicher

Dennoch warnte SNB-Präsident Martin Schlegel, dass die Lage trotz der Unterzeichnung einer Absichtserklärung zum Kriegsende zwischen US-Präsident Donald Trump und dem iranischen Präsidenten Massud Peseschkian immer noch sehr unsicher sei. “Es ist nicht ausgeschlossen, dass diese Entspannung nur vorübergehend ist.”

Der weitere Verlauf hänge wesentlich davon ab, wie sich die Situation im Nahen Osten entwickle und ob sich die Rohstoffpreise insgesamt wieder normalisierten. Bei anhaltend tieferen Rohstoffpreisen dürfte sich die Inflation als vorübergehend erweisen, andernfalls sei mit Auswirkungen auf die Teuerung sowie auch auf die Konjunktur in der Schweiz zu rechnen. “Was man sicher sagen kann: Die Unsicherheit ist im Moment enorm hoch, puncto Inflationsentwicklung und puncto Wirtschaftsentwicklung”, so Schlegel.

Die Inflation in der Schweiz stieg wegen höherer Treibstoffpreise zuletzt auf 0,6 Prozent und erreichte damit den höchsten Stand seit November 2024. Der Wert lag aber klar innerhalb des SNB-Zielbandes von null bis zwei Prozent, den die Zentralbank als Preisstabilität definiert. Im Vergleich zu anderen Ländern ist die Inflation in der Schweiz immer noch verhalten. In der Eurozone lag die Teuerung im Mai bei 3,2 Prozent.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte im Gegensatz zur SNB vergangene Woche die Zinsen angehoben, um dem Preisdruck entgegenzuwirken. Die Fed ließ den Leitzins am Mittwoch auch unter dem neuen Zentralbankchef Kevin Warsh in der Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent. Gleichzeitig avisierten die US-Währungshüter in ihrem Zinsausblick, dass sie dieses Jahr die geldpolitischen Zügel anziehen könnten. Noch im März hatten sie eine mögliche Senkung für 2026 in Aussicht gestellt.

Risiko Franken-Aufwertung

Bei Ausbruch der Feindseligkeiten im Nahen Osten kletterte der Franken gegenüber dem Euro auf den höchsten Stand seit mehr als einem Jahrzehnt und half, das Land vor einer übermäßigen Inflation zu schützen, indem dadurch die Importe verbilligt wurden. Die SNB hatte kurz nach Kriegsbeginn erklärt, sie sei verstärkt zu Interventionen am Devisenmarkt bereit, um einer schnellen und übermäßigen Aufwertung des Frankens entgegenzuwirken. Seitdem sind die Zinsen der SNB zufolge in den großen Währungsräumen angestiegen, auch weil die Märkte aufgrund der höheren Inflation dort eine straffere Geldpolitik erwarten. Mit der Ausweitung der Zinsdifferenzen zum Ausland habe der Franken etwas an Wert verloren. Angesichts der geopolitischen Lage bleibe das Risiko von starkem Aufwertungsdruck bestehen. “Bei Bedarf ist unsere Bereitschaft, am Devisenmarkt zu intervenieren, daher erhöht.”

“Bei Bedarf”

Mit der Ergänzung “bei Bedarf” passte die SNB ihre Formulierung leicht an. Schlegel sagte, es sei “schwer zu sagen”, ob dies eine größere oder geringere Neigung der Notenbank bedeute, an den Devisenmärkten einzugreifen.

“Es scheint sehr klar zu sein, dass sie bei Bedarf weiterhin Deviseninterventionen einsetzen wollen”, erklärte die ING-Ökonomin Charlotte de Montpellier. Dies diene jedoch nur dazu, einer schnellen und übermäßigen Aufwertung des Frankens entgegenzuwirken. Es handle sich um ein Instrument für Phasen mit Marktturbulenzen wie Anfang März, nicht jedoch für den dauerhaften Einsatz wie in der Vergangenheit, so die Expertin.

Brian Mandt von der Luzerner Kantonalbank erklärte, die Chancen stünden gut, dass die Schweizer Wirtschaft im kommenden Jahr wieder Fahrt aufnehmen. “Vor diesem Hintergrund halten wir es für realistisch, dass die SNB den Leitzins 2027 auf 0,25 Prozent anheben wird.”

Kommentare

Aktuell sind 1 Kommentare vorhanden

Kommentare anzeigen