Was ist für viele der ideale Mix?

Smart Working: Umfrage birgt einige Überraschungen

Freitag, 16. April 2021 | 11:39 Uhr

Bozen – 35 Prozent der in Südtirol befragten Arbeitnehmer erklären, in letzter Zeit im Homeoffice gearbeitet zu haben, während 65 Prozent ausschließlich in Präsenz gearbeitet haben. 46 Prozent der öffentlich Bediensteten haben das Homeoffice als Arbeitsform selbst beansprucht – in der Privatwirtschaft nur jeder dritte Beschäftigte. Für das Smart Working nach dem Notstand kommen – immer nach Ansicht der Interviewten – Schulung und Weiterbildung, Leistungsprämien und Momente des Austauschs mit den Arbeitskollegen und Vorgesetzten in Präsenz besondere Bedeutung zu; ideal wäre es dabei, zwei bis drei Tage in der Woche im Homeoffice arbeiten zu können.

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In der Frühjahrsausgabe 2021 des AFI-Barometers wurde das Thema Smart Working vertieft. Südtiroler Arbeitnehmer, die in der letzten Zeit von zu Hause aus gearbeitet haben, wurden dazu befragt, welche Elemente für sie nach dem akuten Notstand ausschlaggebend sind und wie viele Tage sie gerne im Homeoffice arbeiten würden, wenn sie das frei entscheiden könnten. Wer hingegen nicht im Homeoffice gearbeitet hat, wurde nach dem Grund gefragt.

Die Smart Worker von heute: Öffentlich Bedienstete, Führungskräfte und hochqualifiziertes Personal

„Laut AFI-Barometer haben 46 Prozent der öffentlich Bediensteten in letzter Zeit in Homeoffice gearbeitet, gegenüber 31 Prozent in der Privatwirtschaft“, erklärt die Vizedirektorin des AFI Silvia Vogliotti, welche die Daten mit Unterstützung der Praktikantin Gaia Peressini ausgearbeitet hat. „Unterschiede nach den Geschlechtern gibt es keine, allerdings beim Vertragstyp: 40 Prozent der unbefristet Beschäftigten haben im Homeoffice gearbeitet, bei den befristet Beschäftigten waren es nur 15 Prozent“, so Vogliotti. Was die Berufsgruppen betrifft, findet man unter den Smart Workern vor allem Führungskräfte, hochqualifizierte Fachkräfte und Büroangestellte. In allen drei Berufsgruppen übersteigt der Anteil der Smart Worker 50 Prozent. Weitaus weniger zum Einsatz kommt das Homeoffice bei kaufmännischen Tätigkeiten (19 Prozent der Befragten), im Dienstleistungsbereich (18Prozent) und unter Facharbeitern (14 Prozent). Kein einziger qualifizierter oder ungelernter Arbeiter hat erklärt, in der letzten Zeit im Homeoffice gearbeitet zu haben.

Das Smart Working der Zukunft: Weiterbildung, Momente in Präsenz und Leistungsprämien

Welche Elemente sind für die Südtiroler Arbeitnehmer nach dem akuten Notstand in Bezug auf das Homeoffice besonders wichtig? Die (wenn auch nur knapp) meistgenannten Faktoren betreffen vor allem drei Aspekte: die Anerkennung von Leistungs- und Produktivitätsprämien, auch wenn Homeoffice geleistet wird sowie Zugang zu Schulung und Weiterbildung (beide Elemente haben im Schnitt 8,5 von zehn Punkten erhalten). Knapp dahinter im Ranking steht die Möglichkeit des Austauschs mit den Arbeitskollegen und Vorgesetzten in Präsenz (8,4 Punkte). Viele der anderen Elemente verzeichnen nur geringfügig niedrigere Einschätzungen, mit Durchschnittswerten zwischen 8,3 und 7,2 Punkten. Den Essensgutscheinen wird hingegen in Bezug auf das Homeoffice eine verhältnismäßig geringe Bedeutung beigemessen (5,6 Punkte).

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Der ideale Mix – zwei bis drei Tage pro Woche im Homeoffice

Wer in letzter Zeit im Homeoffice gearbeitet hat, würde dies in 55 Prozent der Fälle auch weiterhin gerne zwei bis drei Tage pro Woche tun. 16 Prozent der jetzigen Smart Worker erklären hingegen, nicht mehr an Homeoffice interessiert zu sein (14 Prozent in der Privatwirtschaft und 20 Prozent im öffentlichen Dienst). Bei den Führungskräften würden 27 Prozent gerne einen Tag pro Woche und 18 Prozent zwei Tage pro Woche im Homeoffice arbeiten. 43 Prozent der öffentlich Bediensteten (gegenüber 26 Prozent der Arbeitnehmer/Innen in der Privatwirtschaft) finden zwei Tage Homeoffice pro Woche ideal.

Arbeitnehmer in Präsenz – in mehr als acht von zehn Fällen war Smart Working nicht möglich

Fast alle Interviewten, die in letzter Zeit nicht mit Homeoffice in Kontakt gekommen sind, erklärten, dass ihre Tätigkeit nur in Präsenz ausgeübt werden kann (85Prozent der Befragten). Andere Erklärungen wurden nur sehr selten geliefert: fehlende Erlaubnis (drei Prozent), der Vorgesetzte musste anwesend sein (zwei Prozent), aus familiären, platzbedingten Gründen bzw. weil andere Familienangehörige zu Hause waren (zwei Prozent), oder aus anderen Gründen (acht Prozent).

“Smart Working bzw. Homeoffice hat auch nach der Pandemie eine Zukunft. Dazu allerdings müssen die Voraussetzungen stimmen. Die Umfrage hat gezeigt, dass Mitarbeiter in Smart Working ihre Arbeit als gleichwertig mit Präsenzarbeit im Betrieb verstanden haben wollen. Deshalb auch die Forderungen, bei Prämien und Fortbildungsangeboten nicht ausgeschlossen zu werden, und dass auch Überstunden anerkannt werden. Des Weiteren ist ein Mix von Präsenz und Homeoffice erstrebenswert, da die sozialen Kontakte für eine gute Arbeit wichtig sind. Damit es soweit kommt, braucht es klare Regeln kollektivvertraglicher Natur. Was die Arbeitssicherheit und die Gesundheit am Arbeitsplatz anbelangt, ist noch einiges an Aufklärungsarbeit nötig. Diese Aspekte sind auch im Homeoffice nicht zu unterschätzen“, erklärt AFI-Präsident Dieter Mayr in einer Stellungnahme.

Von: mk

Bezirk: Bozen

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