Von: luk
Trient/Bozen – Kürzlich fand im Palazzo Roccabruna in Trient die erste Sitzung des Jahres der Ständigen Konferenz der Handelskammern von Trient und Bozen statt. Dabei handelt es sich um ein regelmäßiges Treffen der beiden Institutionen, das dem Austausch zu Themen von gemeinsamem Interesse dient. Im Mittelpunkt des Treffens standen diesmal Jungunternehmer, Berufsorientierung, Interessensvertretung und die Brenner-Achse.
Der erste Tagesordnungspunkt betraf die Anzahl und die Entwicklung der von jungen Menschen geführten Unternehmen in den beiden Autonomen Provinzen, die eine wichtige Rolle im Generationswechsel spielen und sich durch ihre Innovationsfreudigkeit auszeichnen. Aus der von der Handelskammer Trient erstellten Studie ging hervor, dass auf regionaler Ebene die geführten Unternehmen der unter 35-Jährigen wachsen, während auf nationaler Ebene ein deutlicher Rückgang von -22,1 Prozent zu verzeichnen ist. Während die Situation in der Provinz Trient jedoch im Wesentlichen stabil ist (+0,7 Prozent) und vor allem auf die gute Entwicklung des Agrarsektors und der Unternehmensdienstleistungen zurückzuführen ist, ist die Entwicklung in der Provinz Bozen deutlich positiver (+27,6 Prozent) – auch hier angetrieben vom Agrar- und Dienstleistungssektor, zu denen noch das Baugewerbe hinzukommt.
Anschließend wurde das Talentcenter der Handelskammer Bozen vorgestellt, das als zusätzliches Angebot zur Berufsorientierung in Südtirol konzipiert ist. Schüler und Schülerinnen der Mittelstufe (zweite und dritte Klasse) absolvieren verschiedene Tests, um ihre Interessen, Fähigkeiten und persönlichen Kompetenzen zu entdecken. Alle Tests sind wissenschaftlich fundiert sowie standardisiert und bewerten neben den kognitiven Fähigkeiten auch die motorischen Kompetenzen. Die individuellen Ergebnisse werden im „Talentreport“ übersichtlich dargestellt und können sowohl von den Schüler/innen als auch von ihren Eltern heruntergeladen werden. Im Anschluss daran haben die Jugendlichen und ihre Familien im Rahmen einer individuellen Beratung beim Amt für Ausbildungs- und Berufsberatung die Möglichkeit, die Ergebnisse zu vertiefen und ihren Bildungs- und Berufsweg genauer zu definieren.
Im Jahr 2025 nahmen rund 3.000 Schüler aus 53 Schulen aus ganz Südtirol an den Initiativen des Talentcenters teil. Die Resonanz der Schulklassen war positiv, und der Talentreport hilft bei der Berufsorientierung und gilt als Unterstützung bewusster Entscheidungen hinsichtlich des künftigen Bildungs- und Berufswegs.
Im weiteren Verlauf wurden die Ergebnisse des „CamLab-Gespräche über Unternehmen und Innovation“ (“CamLab-Dialoghi su impresa e innovazione”) vorgestellt, das im vergangenen Mai in Trient stattfand. Dieses widmete sich den Interessensvertretungen, mit dem Ziel, deren Rolle und Funktionen in der heutigen Gesellschaft zu veranschaulichen. Aus dem Treffen ging klar hervor, dass sich die Interessenverbände davor hüten müssen, sich in Rollen zu verfestigen, die ausschließlich auf die Verwaltung von Dienstleistungen ausgerichtet sind. Stattdessen sollten sie sich auch als Einrichtungen präsentieren, in denen die Mitglieder Dialog, Beziehungen, Weiterbildung, berufliche Weiterentwicklung und Anerkennung innerhalb eines Netzwerks finden, das auf gemeinsamen Kompetenzen und Werten basiert.
Abschließend tauschten sich die Teilnehmer/innen zum Thema Verkehr auf der Brennerachse aus. Zuerst gab es eine Diskussion zu den Ereignissen, die zu den Protesten und der daraus resultierenden Sperre der Autobahn am 30. Mai geführt hatten. Danach wurden die Folgen der Blockade aufgezeigt. Zudem präsentierte die Handelskammer Bozen die Daten zum Verkehrsaufkommen am Brenner. Dabei wurden die Zahlen der ersten Monate des Jahres 2026 mit denen der beiden Vorjahre verglichen. Das Treffen bot zudem Gelegenheit, weitere dringende aktuelle Verkehrsthemen zu erörtern, wie die Konzession für die A22, die Chancen und Herausforderungen im Zusammenhang mit der Verlagerung des Verkehrs von der Straße auf die Schiene sowie neue Infrastrukturprojekte, darunter der Brenner-Basistunnel. Im Hinblick auf dieses Bauvorhaben wurde insbesondere der Nordzulauf diskutiert, der kürzlich im Mittelpunkt der medialen Aufmerksamkeit stand. Es geht dabei um Verzögerungen beim deutschen Projekt und in Österreich um Diskussionen über eine mögliche Verschiebung der Arbeiten, die auf Haushaltszwänge zurückzuführen ist.
„Die von der Ständigen Konferenz anberaumten regelmäßigen Treffen ermöglichen es uns, die Daten unserer Erhebungen und die im Rahmen der jeweiligen Tätigkeitsprogramme vorgesehenen Maßnahmen miteinander zu vergleichen. Das Ergebnis führt zu einem gewinnbringenden Austausch, zum Teilen bewährter Praktiken, zum Erwerb neuer Erkenntnisse und zur Möglichkeit, gemeinsame Anliegen auszumachen und zu erörtern, die zusammen auf politischer Ebene vorgebracht werden können“, so Andrea De Zordo und Michl Ebner, Präsidenten der Handelskammern von Trient und Bozen.




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