AFI-Studie

Steuersystem verringert Einkommensunterschiede – aber nicht für alle gleich

Donnerstag, 10. September 2026 | 11:17 Uhr

Von: Lukas Unterkofler

Bozen – Das italienische Einkommensteuersystem trägt in Südtirol spürbar dazu bei, Einkommensunterschiede zu verringern. Gleichzeitig profitieren Menschen mit höheren Einkommen stärker von bestimmten Steuerfreibeträgen. Das zeigt eine neue Analyse des Arbeitsförderungsinstituts (AFI).

Zum zehnten Mal hat das AFI die vom Wirtschafts- und Finanzministerium (MEF) veröffentlichten Steuerdaten für Südtirol ausgewertet. Die aktuelle Analyse basiert auf den Steuererklärungen 2025 für das Steuerjahr 2024.

Deutlich wird die Umverteilungswirkung beim Vergleich der Einkommen vor und nach Steuern: Der Gini-Index, der die Ungleichheit einer Einkommensverteilung misst, liegt für Südtirol beim Bruttoeinkommen bei 0,444. Beim Nettoeinkommen sinkt der Wert auf 0,381. „Das derzeitige Steuersystem verändert die Verteilung zum Positiven“, sagt AFI-Direktor Stefan Perini.

Fast alle profitieren von Steuerabsetzbeträgen

Eine wichtige Rolle spielen die Steuerabsetzbeträge. 97,4 Prozent der Südtiroler Steuerpflichtigen – insgesamt 430.650 Personen – machten 2024 entsprechende Vergünstigungen geltend. Dadurch verringerte sich das Steueraufkommen insgesamt um 880 Millionen Euro.

Den größten Anteil machten Absetzbeträge für Einkommen aus unselbstständiger Arbeit und Renten aus. Sie standen für 60,7 Prozent des gesamten Volumens. Weitere 19,4 Prozent entfielen auf Ausgaben für Sanierungsarbeiten an Gebäuden. Rund 70 Prozent des gesamten Volumens kamen Steuerpflichtigen mit einem Einkommen von weniger als 35.000 Euro zugute.

Anders sieht es bei den Steuerfreibeträgen aus. Sie reduzieren das zu versteuernde Einkommen und wurden 2024 von 21,9 Prozent der Steuerpflichtigen genutzt. Insgesamt wurden dadurch 518 Millionen Euro vom steuerpflichtigen Einkommen abgezogen. Den größten Anteil machten gesetzliche Vor- und Fürsorgebeiträge sowie die Zusatzvorsorge aus.

Höhere Einkommen profitieren stärker

Hier sieht das AFI eine soziale Schieflage: Von Steuerfreibeträgen profitieren höhere Einkommen stärker, weil derselbe Abzugsbetrag bei höheren Steuersätzen eine größere Steuerersparnis bringt. Während Steuerpflichtige mit niedrigen Einkommen durchschnittlich 3.167 Euro abziehen, sind es bei Spitzenverdienern bis zu 23.500 Euro.

Hinzu kommt das Problem der sogenannten „incapienza fiscale“: Menschen mit geringem Einkommen können hohe Ausgaben etwa für Zahnbehandlungen oder energetische Sanierungen teilweise nicht vollständig steuerlich geltend machen. Sobald ihre Steuerschuld auf null sinkt, verfällt ein darüber hinausgehender Absetzbetrag.

„Steuerfreibeträge begünstigen tendenziell Besserverdienende, während Personen mit geringeren Einkommen Sanierungs- oder Gesundheitskosten oft gar nicht voll ausschöpfen können“, fasst AFI-Direktor Perini zusammen.

 

Bezirk: Bozen

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