Von: apa
Im Prozess gegen Frank Stronach wegen mehrerer Vorwürfe sexueller Übergriffe wurde der österreichisch-kanadische Magna-Gründer am Freitag vor dem Ontario Superior Court in zwei von fünf Anklagepunkten schuldig gesprochen, wie der kanadische Sender “CBC” meldete. In den übrigen drei Punkten wurde er für nicht schuldig erklärt. Der 93-Jährige hatte stets sämtliche Vorwürfe von sich gewiesen. Im kommenden Jahr steht ein weiterer Prozess gegen Stronach an.
Zum Strafausmaß gab es heute noch keine Informationen. Die Anhörung dazu wird laut dem Medium am 17. September stattfinden. Stronach wurde in Bezug auf zwei Frauen schuldig gesprochen – einmal wegen sexueller Nötigung und einmal wegen sexueller Belästigung. In Bezug auf die Nötigung hatte eine Frau ausgesagt, er habe versucht sie in einer Wohnung in Midtown Toronto zu vergewaltigen. Der Vorwurf der versuchten Vergewaltigung wurde im Laufe des Prozesses zurückgezogen, der Vorwurf der Nötigung blieb jedoch.
Rund um die sexuelle Belästigung hieß es von der Anklägerin, dass sie Stronach in seinem früheren Restaurant Rooney’s kennengelernt habe und er später in seinem Apartment am Harbourfront sexuell übergriffig geworden sei. In einer schriftlichen Ausführung erklärte die Richterin, dass die Frau eine “überzeugende und glaubwürdige” Zeugin gewesen sei, berichtete CBC.
Am Ende blieben nur fünf Anklagepunkte übrig
Bezüglich der Vorwürfe der dritten Frau sagte die Richterin dagegen, dass es “zu viele Unsicherheiten” in den Vorwürfen für einen Schuldspruch gegeben habe. Die Frau hatte Stronach der Vergewaltigung in einer Wohnung in Toronto beschuldigt. Insgesamt stand der Magna-Gründer am Ende nur noch fünf Anklagepunkten von drei Frauen gegenüber, nachdem die Staatsanwaltschaft fünf Punkte zurückgezogen und Richterin Anne Molloy in zwei Punkten einen Freispruch signalisiert hatte. Ursprünglich waren es zwölf Anklagepunkte gewesen. Die Vorwürfe gegen Stronach reichen fast 50 Jahre zurück und erstrecken sich in diesem Prozess über den Zeitraum von 1977 bis 1990.
Nach dem Urteil äußerte sich auch die New Yorker Autorin Jane Boon, die Stronach ebenfalls der Übergriffe bezichtigt, zu dem Fall. Anklagen wegen sexueller Übergriffe, die lange zurückliegen, seien “unglaublich schwer” zu verfolgen. “Es ist daher eine große Erleichterung, dass zwei der Anklagepunkte den Angriffen auf die Integrität und die Erinnerungen der sieben Klägerinnen standgehalten haben”, sagte sie. Boon war in dem Prozess selbst keine Klägerin, sie hat eine eigene Zivilklage gegen Stronach eingebracht.
Nächster Prozess kommendes Jahr geplant
Bei dem Verfahren in Toronto handelt es sich um den ersten von zwei Prozessen, denen sich der 93-Jährige stellen muss. Laut mehrerer kanadischer Medien hatten dreizehn Frauen Vorwürfe gegen Stronach erhoben, beim Prozess in Toronto ging es um die Vorwürfe von sieben von ihnen. Die übrigen Vorwürfe sollen nicht wie ursprünglich geplant heuer im Herbst in Newmarket (Ontario) behandelt werden. Der Jury-Prozess wurde auf Mai 2027 verschoben und soll vier Wochen dauern.
Stronach, gebürtiger Steirer, hat in Nordamerika den Magna-Konzern aufgebaut, der vor allem in der Auto-Industrie reüssierte. In Österreich wurde der heute 93-Jährige durch sein Sport-Investment im Fußball und Pferdesport sowie als Gründer der kurzzeitig auch im Nationalrat vertretenen Partei Team Stronach einer breiten Öffentlichkeit bekannt. Im Wahlkampf empörte er unter anderem mit der Forderung der Todesstrafe für “Berufskiller”. Seine Partei löste sich nach wenigen Jahren wieder auf.




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