Es gibt auch Kritik

Südtirol eröffnet “Wasserstofftal” für emissionsfreie Mobilität

Freitag, 26. Juni 2026 | 11:06 Uhr

Von: luk

Bozen – Der Vormittag des 25. Juni stand ganz im Zeichen der emissionsfreien öffentlichen Mobilität: Bei der vom Land Südtirol im Landhaus 1 ausgerichteten Tagung “Emissionsfrei unterwegs. Die Zukunft der öffentlichen Mobilität” waren teilnehmende Interessenvertreter und Institutionen aus Südtirol, der Region, anderen Regionen Italiens und den Nachbarländern sowie Vertreter der Europäischen Kommission anwesend. Im Anschluss wurde das “Hydrogen Adige Valley” in Bozen Süd mit der dazugehörigen Wasserstoffproduktionsanlage und dem angeschlossenen Photovoltaikpark offziell eröffnet.

„Sich vernetzen, aus den Erfahrungen anderer lernen und die Kohlendioxidemissionen im öffentlichen Nahverkehr gemäß der landesweiten, gesamtstaatlichen und europäischen Strategie reduzieren: Dieses Bestreben führt zu konkreten Ergebnissen“, sagte Landeshauptmann Arno Kompatscher. „Es gibt keine Innovation ohne Investitionen und den Mut, Ressourcen vorzustrecken, um Dinge voranzutreiben“, fügte der Landeshauptmann hinzu und betonte: „Heute besichtigen wir ein Projekt, an dem unsere Inhouse-Unternehmen SASA und Alperia beteiligt sind. Damit sind wir Teil eines europäischen Netzwerks, das das gemeinsame Ziel der Dekarbonisierung verfolgt.“

Mobilitätslandesrat Daniel Alfreider ergänzte: „Jede unserer Initiativen im Bereich der Mobilität zielt auf Null-Emissionen und einen qualitativ hochwertigen Service für die Bürgerinnen und Bürger ab, wie im Landesplan für nachhaltige Mobilität vorgesehen. Damit folgen wir der Dekarbonisierungsstrategie der Europäischen Union.” Diese führte Dario Dubolino, stellvertretender Leiter der Abteilung „Nachhaltiger und intelligenter Verkehr“ und Teamleiter für nachhaltigen Verkehr bei der GD MOVE der Europäischen Kommissio, näher aus, der daran erinnerte, dass die Emissionen im Straßenverkehr bis 2040 um 90 Prozent gesenkt werden müssen. Auf der Tagung folgten Beiträge von Claudia Maria Terzi, Assessorin für Infrastruktur und öffentliche Bauten der Region Lombardei, Andrea Gibelli, Präsident des Verbands der öffentlichen Nahverkehrsunternehmen ASSTRA, Giuseppe Catalano, Professor an der Universität „Sapienza“ in Rom.

Der Generaldirektor der SASA AG Ruggero Rossi De Mio und der Generaldirektor der Alperia AG Luis Amort stellten daraufhin das Projekt „Hydrogen Adige Valley“ vor. Die anschließende Podiumsdiskussion mit dem Titel „Null-Emissionen im öffentlichen Nahverkehr“ bot Gelegenheit zum Austausch vor Ort: Daran teilgenommen haben Adrian Plessin, Leiter der Abteilung für Wirtschaftsförderung des Landes Kärnten (Österreich), Andreas Meyer, Technischer Leiter von WSW mobil GmbH (Deutschland), sowie die Präsidentin der SASA AG Astrid Kofler.

Hydrogen Adige Valley eröffnet

Südtirol treibt die emissionsfreie öffentliche Mobilität im „Hydrogen Adige Valley“ voran. Das von Land, SASA und Alperia geförderte Projekt verbindet die Erzeugung erneuerbarer Energie, die Gewinnung von grünem Wasserstoff und den emissionsfreien öffentlichen Nahverkehr. In die von der Europäischen Union im Rahmen von „Next Generation EU“ finanzierte Initiative werden rund 35 Millionen Euro investiert.

„Der Start des Hydrogen Adige Valley ist das Ergebnis einer Vision, die im Laufe der Zeit entstanden ist“, betonte Alfreider. „Südtirol hat sich vor über zehn Jahren dafür entschieden, in nachhaltige Mobilität zu investieren, und verfügt heute über eine Infrastruktur, die es uns ermöglicht, vor Ort saubere Energie zu erzeugen, Emissionen zu reduzieren und unsere Energieautarkie zu stärken. Dies ist ein wesentlicher Baustein des europäischen Brenner Green Corridor und der Mobilität der Zukunft.“

Die neue Anlage wurde innerhalb von zwölf Monaten unter Einhaltung der PNRR-Fristen fertiggestellt und umfasst eine Zwei-Megawatt-Anlage zur Erzeugung von grünem Wasserstoff sowie eine 1,5-Megawatt-Photovoltaikanlage, die jährlich rund 1,89 Gigawattstunden (GWh) erneuerbare Energie erzeugt. Täglich können mindestens 360 Kilogramm Wasserstoff produziert werden, der für den öffentlichen Nahverkehr sowie für die Wasserstofftankstellen in Bozen und Meran bestimmt ist. Die Photovoltaikanlage ist die erste in Südtirol, die über einem Busparkplatz errichtet wurde und somit Energieerzeugung ohne zusätzlichen Flächenverbrauch ermöglicht.

Problem bei wasserstoffbetriebenen Fahrzeugen

Es gibt aber auch Kritik. Das Hauptproblem bei wasserstoffbetriebenen Bussen ist nämlich die schlechte Energiebilanz entlang der gesamten Kette: Strom muss zuerst per Elektrolyse in Wasserstoff umgewandelt werden, danach wird der Wasserstoff verdichtet, transportiert und gespeichert, und im Bus wandelt die Brennstoffzelle ihn wieder in Strom um. Bei jedem dieser Schritte gehen Energie und Effizienz verloren, sodass am Ende deutlich weniger von der ursprünglich eingesetzten Elektrizität tatsächlich an den Rädern ankommt als bei einem direkt batteriebetriebenen E-Bus. Wasserstoffbusse sind technisch zwar spannend, aber energetisch meist teurer und weniger effizient als reine Batterielösungen.

Bezirk: Bozen

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