"Claude Mythos": KI-Programm von Anthropic

Tauziehen um Anwendungsrechte für neue KI aus den USA

Sonntag, 28. Juni 2026 | 11:00 Uhr

Von: APA/dpa

Der ChatGPT-Entwickler OpenAI schränkt auf Forderung der US-Regierung den Zugang zu seinem neuesten KI-Modell ein. Auch Anthropic hatte zuletzt ein neues KI-Modell veröffentlicht und musste es wenige Tage später auf Anweisung der US-Regierung wieder zurückziehen. Österreichs Digitalisierungsstaatssekretär Alexander Pröll (ÖVP) schrieb wegen dieser Thematik nun an die zuständige EU-Kommissarin Henna Virkkunen und schlägt vor, Anthropic “strategisch” in der EU anzusiedeln.

Ziel ist es laut einem Pröll-Sprecher gegenüber der APA am Sonntag, den Standort zu stärken und digital souveräner zu werden. Und Anstoß sind die Verbote der US-Regierung, gewisse KI-Anwendungen außerhalb der USA zu sperren. Vor dieser Realität dürfe man nicht die Augen verschließen, so Pröll im Brief an Virkkunen. Europa dürfe nicht von Spitzeninnovationen abgeschnitten werden.

Pröll: “Lassen Sie uns strategische Ansiedlung prüfen”

Pröll fühlt sich auch an die Sicherheitsdebatte rund um Tiktok erinnert und schlägt auf Anthropic bezogen vor: “Lassen Sie uns gemeinsam eine strategische Ansiedlung und Beteiligung von Anthropic innerhalb der Europäischen Union prüfen. Mit Rechtssicherheit, Marktzugang, Kapital und einer Werteordnung, die zu diesem Unternehmen passt.” Es gehe nicht darum, unsere eigenen europäischen Unternehmen und Modelle zu untergraben.

Unterdessen teilte OpenAI mit, dass der Zugriff auf die Vorschau-Version von Modellen der GPT-5.6-Reihe nur eine abgestimmte kleine Gruppe von Partnern bekomme, denen man vertraue. Diese eingeschränkte Veröffentlichung sei von der Regierung verlangt worden. Die Freigaben seien zunächst nur in den USA erteilt worden, hieß es von OpenAI. Man arbeite daran, auch Partnern aus anderen Ländern Zugang zu geben, dies könne bereits kommende Woche passieren.

Auch Anthropic zog auf Druck der US-Regierung Programm zurück

OpenAI sagte zugleich, man glaube nicht, dass solche Zugangskontrollen der Behörden langfristig zur Norm werden sollen. Derzeit sehe man das Einverständnis damit als besten Weg, um in den kommenden Wochen den Zugang zu erweitern. Diese Feststellung kann man auch als Hinweis auf Probleme des Rivalen Anthropic verstehen. Die Firma hatte ihr neues leistungsstärkstes Modell zunächst veröffentlicht – und musste es dann wenige Tage später auf Forderung der US-Regierung wieder zurückziehen.

Pröll in seinem Schreiben an Brüssel: “Gerade Anthropic passt zu uns. Ein Unternehmen, das den ethischen Einsatz von KI nicht als Marketing begreift, sondern als Grundüberzeugung. Das Sicherheit über Geschwindigkeit stellt. Das ist eine zutiefst europäische Haltung. Dieses Unternehmen würde in Europa nicht eingeengt, es würde freigesetzt.”.

Angst vor Cyberattacken mit KI-Hilfe

Auslöser waren Warnungen, dass Vorkehrungen gegen einen Missbrauch der Software möglicherweise ausgehebelt werden könnten. Das neue KI-Modell von Anthropic ist besonders gut darin, Schwachstellen zu Software zu finden. Das macht Programme sicherer – in den falschen Händen könnte eine solche KI aber als Cyberwaffe eingesetzt werden. Anthropic blockiert die entsprechenden Fähigkeiten in der öffentlich verfügbaren Version. Die US-Regierung forderte aber, dass nur amerikanische Firmen und Personen Zugang zu dem KI-Modell haben dürften.

Beim neuen OpenAI-Modell GPT-5.6 kann die leistungsstärkste Variante mit dem Namen Sol der Firma zufolge eigenständig Aufgaben beim Programmieren sowie in Biologie und Cybersicherheit ausführen. Man habe Schutzvorkehrungen gegen einen Missbrauch getroffen, betonte OpenAI. Zugleich könne man bei Bewertungen nicht jede mehrstufige Attacke berücksichtigen, warnte das Unternehmen.

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