Von: mk
Bozen – Die Südtiroler Bevölkerung zeigt ein ausgeprägtes Bewusstsein für Umwelt- und Nachhaltigkeitsthemen. Die Prinzipien der Kreislaufwirtschaft sind jedoch noch nicht durchgängig im Alltag verankert. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie von Eurac Research in Zusammenarbeit mit dem Landesinstitut für Statistik ASTAT, die im Rahmen des europäischen Projekts ECLECTIC durchgeführt wurde. Für die Untersuchung wurden im Herbst 2025 insgesamt 994 in Südtirol wohnhafte Personen zwischen 18 und 80 Jahren zu ihrem Wissen, ihren Einstellungen und ihrem Verhalten rund um den kreislauforientierten Konsum befragt.
57 Prozent der Befragten geben an, das Konzept der Kreislaufwirtschaft gut oder sehr gut zu kennen. Gleichzeitig räumen fast vier von zehn Personen ein, nur wenig oder gar nichts darüber zu wissen. Zu den am weitesten verbreiteten positiven Verhaltensweisen zählen der bewusste Verzicht auf unnötige Anschaffungen – 95 Prozent der Befragten kaufen möglichst wenig –, und das Reparieren von Gegenständen (91 Prozent).
42 Prozent erklären, regelmäßig Second-Hand-Produkte zu kaufen. Ebenso viele geben an, Upcycling zu betreiben, also Gegenstände kreativ weiterzuverwenden, die sonst entsorgt würden. Kaum verbreitet ist dagegen die Wiederaufbereitung von Smartphones und Computern: Nur sieben Prozent lassen elektronische Geräte reparieren oder kaufen generalüberholte Produkte. Dabei handelt es sich um einen Bereich mit großem, bislang wenig genutztem Potenzial.
Besonders stark ausgeprägt sind kreislauforientierte Praktiken im Bereich Kleidung: 29 Prozent der Südtirolerinnen und Südtiroler kaufen gebrauchte Kleidung, 71 Prozent bessern ihre Kleidungsstücke aus, und 36 Prozent gestalten sie kreativ um. „In Südtirol gibt es eine große Bereitschaft dafür, nachhaltig zu handeln. Kreislaufwirtschaft betrifft nicht nur industrielle und wirtschaftliche Prozesse, sondern beginnt bei den Entscheidungen, die Menschen täglich treffen. Jeden Tag entscheiden wir nicht nur, was wir kaufen, sondern auch, wie wir Produkte nutzen – ob wir sie reparieren, aufbereiten, verschenken oder entsorgen. Damit tragen wir dazu bei, Wertschöpfungskreisläufe zu schließen“, erklären Chiara Pellegrini und Jessica Balest vom Institut für Erneuerbare Energie von Eurac Research. Sie betreuen die Studie und arbeiten in der Forschungsgruppe „Regionale und urbane Energiesysteme“.
„Das Prinzip der Kreislaufwirtschaft steht nicht in Konkurrenz zur Wirtschaft, sondern hilft dabei, Ressourcen besser zu nutzen und lokales Unternehmertum zu fördern“, unterstreichen die beiden Forscherinnen. Um die Kreislaufwirtschaft weiter zu stärken, braucht es aus Sicht der Bevölkerung mehr Reparaturangebote, gut zugängliche und qualitativ hochwertige Second-Hand-Geschäfte sowie Räume für Upcycling. Bei den Anreizen stehen günstigere Preise für gebrauchte oder aufbereitete Produkte, steuerliche Vorteile für Reparaturen und attraktivere Abfalltarife für Haushalte mit höherer Recyclingquote an erster Stelle.
Auch die Politik sehen viele Befragte in der Pflicht: 62 Prozent wünschen sich vor allem mehr Informations- und Bildungsangebote. Die erhobenen Daten können künftig dazu beitragen, politische Maßnahmen und Initiativen zur Förderung des kreislauforientierten Konsums in Südtirol weiterzuentwickeln.
„Mit den Daten steht dem Land eine wichtige Informationsgrundlage zur Verfügung, die ein differenziertes Bild des Konsumverhaltens im Zusammenhang mit der Kreislaufwirtschaft liefert“, sagt Stefano Lombardo vom ASTAT.
Die Ergebnisse der Studie sind unter diesem Link abrufbar. Die Untersuchung ist Teil des europäischen Projekts DUT ECLECTIC (Enabling Circular Economy Action Plans for Small and Medium-Sized Cities). Das Projekt wird vom italienischen Ministerium für Universitäten und Forschung sowie von den nationalen Förderagenturen Formas, FCT und LMT im Rahmen der Driving Urban Transitions Partnership finanziert, die von der Europäischen Union kofinanziert wird.




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