Leise Kritik von Arbeitnehmern gibt auch bei der Entlohnung

Zufrieden, aber gestresst: Zeitdruck sorgt für Belastung

Freitag, 08. Mai 2026 | 10:13 Uhr

Von: mk

Bozen – Die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Südtirol bewerten ihre Arbeitsbedingungen mehrheitlich positiv. Leise Kritik gibt es vor allem bei der Entlohnung. Als größter Belastungsfaktor erweist sich der Zeitdruck. „Er ist mitverantwortlich für viele Arbeitsunfälle sowie zahlreiche chronische Erkrankungen“, erklärt AFI-Direktor Stefan Perini.

Die Frühjahrsausgabe des AFI-Barometers nahm unter anderem in den Blick, wie lohnabhängig Beschäftigte in Südtirol zentrale Aspekte ihrer Arbeitsbedingungen einschätzen und welche Stressfaktoren sie besonders belasten.

Positives Gesamtbild – Defizite bei individuellen Perspektiven

Insgesamt zeichnet sich ein erfreuliches Bild, insbesondere bei den kollektiven Rahmenbedingungen: Das Image des eigenen Arbeitgebers, die gesellschaftliche Stellung der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sowie der Führungsstil der Vorgesetzen werden überwiegend positiv bewertet.

Weniger zufrieden zeigen sich die Befragten mit ihren individuellen Entwicklungsperspektiven. Weiterbildungsmöglichkeiten, Karrierechancen und vor allem die Entlohnung schneiden schwächer ab und relativieren das insgesamt positive Gesamturteil.

Auffällig sind die zurückhaltenden Einschätzungen von Beschäftigten in der Landwirtschaft und im Verarbeitenden Gewerbe sowie von jungen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern unter 30 Jahren.

Zeitdruck belastet vier von zehn Arbeitnehmern

Der größte Stressfaktor am Arbeitsplatz ist eindeutig der Zeitdruck. Vier von zehn Beschäftigten fühlen sich dadurch sehr stark bzw. eher stark belastet, während nur rund ein Drittel darin kein Problem sieht. Besonders ausgeprägt scheint diese Belastung im Baugewerbe zu sein, was das AFI durchaus kritisch einordnet „Gerade in diesem Sektor steigt bei hohem Zeitdruck nachweislich das Risiko schwerer Arbeitsunfälle“, betont Perini.

Auch Personen in der sogenannten „Rush-Hour des Lebens“ (30 bis 49 Jahre) sind überdurchschnittlich betroffen. „In dieser Lebensphase treffen berufliche Anforderungen häufig mit privaten Verpflichtungen wie Familiengründung, Hausbau und Karriereentwicklung zusammen“, so Perini.

Technisch-organisatorische Veränderungen werden von rund einem Drittel der Befragten als belastend empfunden. Klassische Umgebungsfaktoren wie Lärm, schlechte Luft oder Schmutz spielen hingegen eine vergleichsweise geringere Rolle.

AFI-Präsident Stefano Mellarini erklärt: „Die Ergebnisse sind ermutigend, zeigen aber klaren Handlungsbedarf: Zeitdruck bleibt ein ernstes Risiko für Gesundheit und Sicherheit. Gleichzeitig müssen Entlohnung und Entwicklungschancen verbessert werden, um langfristig nachhaltige und qualitativ hochwertige Arbeitsbedingungen zu gewährleisten.“

Bezirk: Bozen

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