Von: Redaktion Südtirol News
Bozen – Am 27. Oktober 2026 fand im Museion Bozen die 12. Ausgabe des Equal Pension Day statt. Die jährliche Veranstaltung widmet sich dem Thema der nach wie vor bestehenden Unterschiede zwischen Frauen und Männern bei den Renten. Organisiert wurde die Initiative von der Pensplan Centrum AG gemeinsam mit den politischen Verantwortungsträgern der Region, den Landesbeiräten für Chancengleichheit sowie der Gleichstellungsrätin und dem Gleichstellungsrat der autonomen Provinzen Bozen und Trient.
Unterbrochene Erwerbsbiografien, ein höherer Anteil unbezahlter Care-Arbeit, Teilzeitarbeit sowie anhaltende Einkommensunterschiede führen zu Nachteilen, die sich auch nach dem Eintritt in den Ruhestand deutlich bemerkbar machen.
Die Daten zu den Mitgliedern der Partnerzusatzrentenfonds in Trentino-Südtirol zeigen eine nahezu ausgeglichene Beteiligung: Frauen stellen 50,8 Prozent der Mitglieder, Männer 49,2 Prozent.
Beim angesparten Kapital besteht jedoch weiterhin ein deutlicher Unterschied: Frauen haben durchschnittlich 19.800 Euro angespart, Männer hingegen 30.400 Euro. Dies entspricht einem Gefälle von 35 Prozent. Diese Zahlen verdeutlichen, dass sich Ungleichheiten, die während des Erwerbslebens entstehen, auch langfristig auswirken.
Geschlechtsspezifische Unterschiede zu erkennen, ist wichtig. Noch wichtiger ist es, zu verstehen, wie wir konkret dazu beitragen können, sie zu überwinden.
Deshalb stellte die Ausgabe 2026 Erfahrungen, Instrumente und konkrete Handlungsmöglichkeiten in den Mittelpunkt, um aufzuzeigen, wie jede und jeder im eigenen Umfeld einen Beitrag leisten kann: durch individuelle Entscheidungen, im Arbeitsleben und innerhalb von Unternehmen.
Die Veranstaltung begann um 12.00 Uhr mit den institutionellen Grußworten. Regionalassessor für die Zusatzvorsorge Carlo Daldoss erinnerte daran, dass „die Rentenlücke nicht nur die Zukunft der Frauen betrifft, sondern auch die Fähigkeit unserer Gemeinschaft, den Beitrag aller Menschen anzuerkennen und wertzuschätzen“. Johanna Vaja, Präsidentin der Pensplan Centrum AG, unterstrich die Bedeutung einer fundierten Auseinandersetzung mit den Daten, um darauf aufbauend „sich auszutauschen und an konkreten Lösungen zu arbeiten“. Matteo Migazzi, Geschäftsführer/CEO der Pensplan Centrum AG, betonte, dass „die Verringerung der Rentenlücke Maßnahmen auf mehreren Ebenen, aber auch bewusste individuelle Entscheidungen erfordere“.
Die Moderatorin der Veranstaltung, Sandra Kainz, übergab anschließend das Wort an die Referentinnen des Tages.
Rafaela Pittschieler, Mitglied des Vorstands von Wnet Networking Women, lenkte die Aufmerksamkeit auf die „mentalen Fallen“, die unser Verhältnis zu Geld, Karriere und Pension beeinflussen, und zeigte auf, wie jede und jeder die eigene finanzielle Zukunft aktiv aufbauen kann.
Eleonora Angelini, Präsidentin der Giovani Imprenditori Confcommercio Trentino, hob hervor, dass Gleichstellung, um tatsächlich wirksam zu sein, eine gemeinsame Verantwortung erfordert, bei der informelle Netzwerke und das persönliche Engagement jedes Einzelnen Hand in Hand mit dem institutionellen und unternehmerischen Handeln wirken müssen. Der Zugang zu qualifizierter Beschäftigung, berufliche Entwicklungsmöglichkeiten, Vereinbarkeitsangebote und eine inklusive Unternehmenskultur seien entscheidende Voraussetzungen, um Talente zu gewinnen und langfristig zu binden.
Die Fragen der Moderatorin Sandra Kainz leiteten anschließend einen Austausch unter den Institutionen über die verschiedenen Lösungsansätze ein, die zur Verringerung der geschlechtsspezifischen Lohn- und Rentenunterschiede zur Verfügung stehen.
Die Vizepräsidentin des Landesbeirats für Chancengleichheit der Provinz Trient, Mara Rinner, betonte die Notwendigkeit eines Bündnisses zwischen den Geschlechtern und den Generationen, um eine inklusivere Zukunft zu gestalten.
Die Gleichstellungsrätin der Provinz Bozen, Brigitte Hofer, erläuterte die Neuerungen der europäischen Regelung zur Entgelttransparenz sowie die Rolle von Unternehmen und Institutionen bei der Gestaltung eines gerechteren Arbeitsmarktes.
Die Frage, welche Hebel genutzt werden können, um das geschlechtsspezifische Lohngefälle und damit auch die Rentenlücke nachhaltig zu verringern, stand im Mittelpunkt des Beitrags der des Gleichstellungsrats der Provinz Trient, Matteo Borzaga.
Abschließend erinnerte Marialuisa Gnecchi, Mitglied des Verwaltungsrats des NISF/INPS, daran, dass die Rentenlücke kein individuelles Problem, sondern das Ergebnis struktureller Ungleichheiten ist, die sich im Laufe des Erwerbslebens ansammeln. „Es wäre schön, wenn der Equal Pension Day eines Tages nicht mehr notwendig wäre“, erklärte Gnecchi. Gleichzeitig betonte sie, dass die weiterhin bestehenden geschlechtsspezifischen Unterschiede im Vorsorgebereich es erforderlich machen, die Aufmerksamkeit für diese Themen hochzuhalten.
Der Equal Pension Day 2026 hat bestätigt, dass die Überwindung der Rentenlücke ein gemeinsames Engagement von Institutionen, Unternehmen und jeder einzelnen Person erfordert.
Arbeitslandesrätin Amhof zum Equal Pension Day: „Rentengefälle ist Spiegelbild der Gesellschaft“
Anlässlich des Equal Pension Days hat Arbeitslandesrätin Magdalena Amhof auf die weiterhin große Rentenlücke zwischen Frauen und Männern aufmerksam gemacht: Frauen seien im Alter deutlich schlechter abgesichert, weil unbezahlte Sorgearbeit, Erwerbsunterbrechungen und Teilzeitbeschäftigung sich über das gesamte Erwerbsleben auf Pensionsansprüche auswirken. In Südtirol und Tirol arbeitet rund die Hälfte der erwerbstätigen Frauen nicht Vollzeit, obwohl mehr als jede vierte Teilzeitkraft ein höheres Arbeitsausmaß anstrebt. Amhof fordert daher mehr Frauenbeschäftigung, flexible und familienfreundliche Arbeitszeitmodelle, eine bessere Vereinbarkeit nach der Mutterschaft sowie eine partnerschaftliche Aufteilung von Kinder- und Pflegearbeit – ergänzt durch die persönliche Zusatzvorsorge. Nur wenn Politik, Wirtschaft und Gesellschaft gemeinsam handelten, ließe sich die Lohn- und Rentenschere dauerhaft schließen und Frauen finanzielle Unabhängigkeit ermöglichen.




Aktuell sind 0 Kommentare vorhanden
Kommentare anzeigen