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Nach der tödlichen Sturzflut-Katastrophe in der Gebirgsregion zwischen China und Nepal steigt die Zahl der Opfer weiter. Nach Angaben des Katastrophenschutzes wurden neben den 538 Toten weiterhin 977 Menschen vermisst, darunter 517 Ausländer. Fünf weitere Tote wurden in China geborgen. Zudem wurden bisher 1.545 Verletzte und Gestrandete gerettet. Sorge bereitet ein möglicher weiterer Dammbruch in der Region.
Für Beunruhigung sorgt bei den Behörden in China ein neu angestauter See, der sich als Folge der Sturzflut durch weitere Erdrutsche an einer Flussmündung gebildet hat. Wegen der Gefahr des Überlaufens und einer neuen Flut stellten die Rettungskräfte laut Berichten des Staatsfernsehens die Rettungsarbeiten am schwer getroffenen Grenzübergang Gyirong flussabwärts von dem See vorübergehend ein.
Wissenschaftler Xu Qiang von der technischen Universität Chengdu hatte zuvor im chinesischen Staatsfernsehen gesagt, in dem See hätten sich geschätzt zwei Millionen Kubikmeter Wasser gesammelt. Durch Regenfälle in den kommenden Tagen bestehe die Gefahr von Dammbrüchen, erklärte Xu. Die Wettervorhersage geht von Niederschlägen in den kommenden drei Tagen aus. Das und eine mögliche neue Sturzflut könnten die Rettungsarbeiten erschweren, sollten dadurch die Zufahrtswege in das Katastrophengebiet erneut unpassierbar gemacht werden.
Schwierigkeiten bei Identifizierung
Probleme gibt es auch bei der Identifizierung der Opfer. “Es wird noch einige Zeit dauern, bis wir einen vollständigen Überblick über die Vermissten haben, da wir derzeit noch kein klares Bild haben”, sagte Polizeisprecher Abi Narayan Kafle der Deutschen Presse-Agentur. Das könne noch Tage dauern. Laut Polizeiangaben wurden viele Leichen noch nicht identifiziert, auch weil die Körper von der Flut stark beeinträchtigt wurden.
Viele ausländische Touristen werden unterdessen weiter vermisst. Nepal hatte die Vermisstenzahl zuletzt mit 977 angegeben. China meldete bisher 558 Vermisste, 260 davon Ausländer. 555 betroffene Touristen sowie 499 Einheimische und Bauarbeiter in der Katastrophenregion in Tibet seien evakuiert worden, berichtete Chinas staatliche Nachrichtenagentur Xinhua. Mittlerweile stellten chinesische Techniker in dem Gebiet auch das zusammengebrochene Telekommunikationsnetz wieder her.
Es gab aber auch gute Nachrichten: Eine vierköpfige deutsche Familie wurde im Katastrophengebiet in Nepal gerettet worden. Sie sei zusammen mit anderen Geretteten per Hubschrauber zu einem Armeecamp in Battar Bazar gebracht worden, sagte ein Armeesprecher.
Ganze Dörfer weggespült
Am Mittwoch war eine Sturzflut über den Fluss Bhotekoshi von Nepal aus durch die Grenzregion im Südwesten Tibets bis hinein nach Zentralnepal geschossen und hatte eine Spur der Verwüstung hinterlassen. Ganze Dörfer wurden in Nepal laut Augenzeugenberichten weggespült. Die Nepalesin Parbati Adhikari erzählte, ihr Dorf Tupche in der Provinz Bagmati sei fast vollständig ausgelöscht worden. Ihr zufolge hatten dort 60 bis 70 Menschen gewohnt. Es sei nicht bekannt, wie viele von ihnen noch am Leben seien.
Die Fluten rissen außerdem Brücken mit und richteten schwere Schäden an Staudämmen und Gebäuden an. In China überflutete die Schlammlawine den Grenzübergang Gyirong, der eine Hauptverbindung in der Region nach Nepal ist, auch für Tourismus und Handel. Die betroffene Region im Himalaya ist bei Bergsteigern und Pilgern beliebt, die zum Beispiel in den Nationalpark Langtang in Nepal wandern oder heilige Berge in Tibet besichtigen wollen.
Was die Sturzflut auslöste, ist noch nicht abschließend geklärt. Eine viel genannte Vermutung ist, dass ein Gletschersturz auf nepalesischer Seite die Lawine aus Wasser und Schlamm in Gang setzte. Die Wucht war so stark, dass Erdbeben-Messinstrumente ausschlugen. Zudem begünstigte nach Expertenmeinung das enge und steile Flusstal, dass sich die Wassermassen derart auftürmen konnten.
Massive Auswirkungen
Internationale Hilfsorganisationen berichten von massiven Auswirkungen der Flut im Grenzgebiet zwischen Nepal und China. Die Internationale Rotkreuz-Föderation (IFRK) schätzt, dass mindestens 93.000 Menschen von der Katastrophe betroffen sind. Darunter seien nicht nur Verletzte, sondern etwa auch die ehemaligen Bewohner der Tausenden zerstörten Häuser, sagte der IFRK-Vertreter in Nepal, David Fisher.
“Die Schäden sind einfach unglaublich”, schilderte die lokale Vertreterin des UNO-Nothilfebüros OCHA, Lila Pieters Yahia, die derzeit das Katastrophengebiet besucht. Mehr als 40 Brücken und 40 Kilometer Straße seien zerstört oder schwer beschädigt. Auch Wasserkraftanlagen seien betroffen.
Nach Angaben des UNO-Kinderhilfswerks UNICEF benötigen mindestens 17.000 Kinder dringend humanitäre Hilfe. Es sei auch wichtig, Ersatz für 18 zerstörte und 20 beschädigte Schulen zu schaffen, hieß es. Kinder im Katastrophengebiet seien nun dem Risiko von Mangelernährung, Gewalt, Ausbeutung und psychologischem Trauma ausgesetzt, sagte Unicef-Sprecher Ricardo Pires in Genf. “Der Notstand endet nicht, wenn die Flut zurückgeht”, sagte er.




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