Im Zuge der Tötung von "El Mencho" gab es heftige Kämpfe

74 Opfer bei Tötung von berüchtigtem Drogenboss in Mexiko

Montag, 23. Februar 2026 | 16:52 Uhr

Von: APA/dpa

Bei einem Militäreinsatz zu seiner Festnahme sind der mexikanische Drogenboss Nemesio Oseguera Cervantes alias “El Mencho” und 73 weitere Menschen zu Tode gekommen. Bei der Aktion kam es zu heftigen Kämpfen zwischen Sicherheitskräften und Verdächtigen. Neben knapp 50 mutmaßlichen Kartellmitgliedern kamen dabei auch 25 Mitglieder der Nationalgarde, ein Justizbeamter und ein Mitarbeiter der Staatsanwaltschaft ums Leben, sagte Sicherheitsminister Omar García Harfuch am Montag.

Der verwundete Anführer des Drogenkartells Jalisco Nueva Generación (CJNG) wurde schwerstverletzt ausgeflogen und starb auf dem Weg nach Mexiko-Stadt. Daraufhin steckten mutmaßliche Kämpfer des Verbrechersyndikats in mehreren Bundesstaaten Autos in Brand und blockierten zahlreiche Straßen. Außerdem griffen sie Banken, Tankstellen und Geschäfte an.

Außenministerium: zwei österreichische Reisende betroffen

Von den Unruhen waren auch zwei österreichische Reisende betroffen, so das Außenministerium in Wien. Beliebte Ferienorte wie Puerto Vallarta an der Pazifikküste waren von der Gewalt betroffen. Präsidentin Claudia Sheinbaum rief die Bevölkerung zur Ruhe auf. “Wir müssen informiert bleiben und Ruhe bewahren”, schrieb sie auf der Plattform X.

Die USA hatten die mexikanische Regierung bei der Operation mit Geheimdienstinformationen unterstützt, wie Karoline Leavitt, die Sprecherin von Präsident Donald Trump, in einem Post auf X schrieb. “‘El Mencho’ war als einer der größten Fentanyl-Schmuggler in unser Land ein Hauptziel der mexikanischen und der US-amerikanischen Regierung”, erklärte sie darin. Die USA hatten eine Belohnung von 15 Millionen US-Dollar (12,75 Mio. Euro) auf “El Mencho” ausgesetzt.

Botschaften rufen ihre Staatsbürger zu äußerster Vorsicht auf

Von den gewalttätigen Protesten nach dem Tod des Drogenbosses waren etwa 20 der 32 mexikanischen Bundesstaaten betroffen, darunter Jalisco, Michoacán, Aguascalientes, Tamaulipas und Guanajuato, berichteten mexikanische Medien. Dabei habe es Tote und Verletzte gegeben.

Auch Feriendomizile wie der ebenfalls in Jalisco gelegene Küstenort Puerto Vallarta blieben nicht verschont. Fotos zeigten etwa große schwarze Rauchwolken zwischen Gebäuden in Puerto Vallarta direkt hinter dem Strand aufsteigen. In ihrem Post schrieb Präsidentin Sheinbaum allerdings: “In den meisten Teilen des Landes laufen die Aktivitäten ganz normal weiter.”

Die Behörden riefen die Menschen dazu auf, sich in Sicherheit zu bringen. Auch mehrere Botschaften appellierten an ihre Staatsbürger, extrem vorsichtig zu sein. Die kanadische Botschaft erwähnte in einem Post explizit die Lage in Puerto Vallarta.

Warnung vor Gewalttaten in Cancún, Cozumel und Tulum

Unter anderem wurde vor Gewalttaten in den beliebten karibischen Urlaubszielen Cancún, Cozumel und Tulum gewarnt. Die deutsche Botschaft schrieb auf der Plattform X, dass es “in verschiedenen Landesteilen zu Unruhen, Straßensperren und Brandstiftungen” komme. Wer sich an einem sicheren Ort wie einem Hotel aufhalte, solle dort bis auf weiteres bleiben und auf nicht unbedingt erforderliche Fahrten verzichten. “Versuchen Sie bei Straßensperren nicht, sich zu widersetzen oder zu flüchten”, erklärte die Botschaft weiter.

Aus Sicherheitsgründen strichen oder leiteten Fluggesellschaften Flüge um, darunter Verbindungen nach Puerto Vallarta. Im Internet kursierten Videos von gestrandeten Touristen an Flughäfen. Von der deutschen Fluggesellschaft Lufthansa hieß es indes, bei ihr gebe es mit Blick auf die Unruhen in Mexiko keine Auswirkungen. Flüge nach München und Frankfurt fänden planmäßig statt.

Zu Zwischenfällen kam es auch in der Stadt Guadalajara, die einer der drei mexikanischen Austragungsorte der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 ist. Mexiko richtet das Turnier ab Juni gemeinsam mit den USA und Kanada aus.

Österreichische Touristen gestrandet

Aus dem Außenministerium hieß es auf Anfrage der APA, dass der zuständigen Botschaft in Mexiko “aktuell zwei Fälle betroffener österreichischer Reisender bekannt” seien. Die österreichische Botschaft stehe mit ihnen in Kontakt. Die beiden hätten sich bei der Botschaft gemeldet, dass sie aufgrund pausierter Bus- bzw. Flugverbindungen gestrandet seien.

Es werde empfohlen, “den Anweisungen der zuständigen staatlichen und föderalen Behörden zu folgen und einstweilen in der Unterkunft zu verbleiben, bis sich die Lage beruhigt hat”. In dem Zusammenhang wies das Ministerium darauf hin, dass außerhalb der Dienstzeiten in Notfällen der Bereitschaftsdienst der Österreichischen Botschaft in Mexiko kontaktiert werden kann (Nummer des Bereitschaftsdiensts: +52-55-9199-4579). Während der Dienstzeiten ist die Botschaft Mexiko unter folgender Nummer erreichbar: +52-55-5251-0806. Das Außenministerium könne ebenso rund um die Uhr erreicht werden: +43-1-90115-4411.

Reiseinformationen zu Mexiko aktualisiert

Die Reiseinformationen auf der Homepage des Außenministeriums (www.bmeia.gv.at) wurden aktualisiert: “Im Anschluss an einen Großeinsatz der mexikanischen Sicherheitskräfte gegen das organisierte Verbrechen im Bundesstaat Jalisco kommt es zu schweren Störungen der öffentlichen Ordnung. Es gibt Straßenblockaden, Schusswechsel und Anhaltungen von Passanten in verschiedenen Teilen des Landes, insbesondere in Jalisco (Guadalajara), Guanajuato oder Michoacán (Morelia).

Angesichts der sich verschlechternden Sicherheitslage empfehlen wir österreichischen Staatsbürgerinnen und Staatsbürgern – Touristen wie auch Einwohnern – insbesondere in den Bundesstaaten Jalisco, Nayarit, Guanajuato, Colima, Michoacán, Baja California und Tamaulipas, unnötige Reisen zu vermeiden. Anweisungen der zuständigen staatlichen und föderalen Behörden ist Folge zu leisten.” An den Sicherheitsstufen ändere sich derzeit nichts, es sei derzeit keine Erhöhung geplant, hieß es aus dem Außenministerium.

“Padrón” mit Vorliebe für Hahnenkämpfe

“El Mencho” wurde 59 Jahre alt. Geboren am 17. Juli 1966 in Aguililla, einer armen Gemeinde im westlichen Bundesstaat Michoacán, führte der Ex-Polizist seit 2011 das von ihm gegründete Drogenkartell Jalisco Nueva Generación (CJNG) an. In der mexikanischen Unterwelt wurde er wegen seiner Vorliebe für Hahnenkämpfe der “Herr der Hähne” genannt. Zahlreiche Narco-Lieder, “narcocorridos” genannt, feiern seine kriminellen Machenschaften.

Die US-Regierung hatte das extrem gewalttätige Drogenkartell von “El Mencho” als ausländische Terrororganisation eingestuft. Das von ihm geführte Verbrechersyndikat ist nach Angaben der US-Behörden eine transnationale Organisation mit Verbindungen bis nach China und Australien. Neben dem Handel mit Fentanyl ist sie demnach auch in Erpressung, Schleppung von Migranten, Diebstahl von Öl und Mineralien sowie Waffenhandel verwickelt. In Mexiko gilt sie als das gebietsweise am weitesten verbreitete Kartell.

Ein Bundesstaat ließ Schule vorsorglich ausfallen

Im Bundesstaat Michoacán sollte der Unterricht in Schulen und anderen Bildungseinrichtungen am Montag ausfallen, wie Gouverneur Alfredo Ramírez ankündigte. Nicht einmal nach der Festnahme des berüchtigten Drogenbosses Joaquín “El Chapo” Guzmán, des Anführers des Sinaloa-Kartells, im Jahr 2016 war es in Mexiko zu ähnlichen Gewaltvorfällen gekommen. “El Chapo” verbüßt eine lebenslange Haftstrafe in den USA.

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